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Jahresbericht der PSKB der Vogelsberger LebensräumeVogelsberger Lebensräume verzeichnen steigenden Beratungsbedarf

VOGELSBERG/LAUTERBACH (ol). Die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) der Vogelsberger Lebensräume hat 2025 mit knapp 1.500 Beratungskontakten wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht. Besonders auffällig ist die steigende Zahl von Frauen, die wegen belastender oder toxischer Partnerschaften Unterstützung suchen. Die Fachkräfte beobachten vor allem bei jungen Frauen zunehmende Probleme durch traditionelle Rollenbilder und ein Ungleichgewicht in Beziehungen.

Die Zahl der Menschen, die psychologische und psychosoziale Unterstützung suchen, steigt weiter an. Besonders auffällig: Immer mehr Frauen wenden sich wegen belastender oder toxischer Partnerschaften an die Psychosoziale Kontakt- und Beratungsstelle (PSKB) der Vogelsberger Lebensräume, eine Tochtergesellschaft der Eichhof-Stiftung Lauterbach, die jüngst ihren Jahresbericht 2025 veröffentlichte, wie die Stiftung in einer Pressemitteilung berichtet.

Mit knapp 1.500 Beratungskontakten hat die PSKB im vergangenen Jahr wieder das Niveau von 2019 erreicht. Die Ratsuchenden kommen aus allen Städten und Gemeinden des Verbandsgebiets. Vor allem Einzelgespräche für Menschen mit psychischen Erkrankungen, in Lebenskrisen oder mit seelischen Beeinträchtigungen sowie für deren Angehörige werden verstärkt nachgefragt. Für viele Betroffene ist die Einrichtung der Vogelsberger Lebensräume eine wichtige erste Anlaufstelle, da die Hilfsangebote unkompliziert zugänglich sind.

„Wir stellen fest, dass gerade für Frauen der Weg in die Beratung mit dem Gefühl beginnt, ständig funktionieren zu müssen“, berichtet Ira Steigel, Diplom-Sozialpädagogin und Systemische Familienberaterin. „Unsere Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen, wieder eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und Selbstvertrauen zurückzugewinnen.“

Qualifizierte Beraterinnen

Die PSKB ist mit ihren niedrigschwelligen und unbürokratischen Angeboten für viele Betroffene eine wichtige Anlaufstelle. Das Team besteht aus drei hauptamtlichen Fachkräften: Ira Steigel, Diplom-Sozialpädagogin und Systemische Familienberaterin, Demi Ramovic, Erziehungswissenschaftlerin und Systemische Beraterin, sowie die Sozialarbeiterin B.A. und Systemische Beraterin Elisa Wichert. Gemeinsam bieten sie Einzel-, Paar- und Familien- sowie Gruppengespräche, offene Gruppen für Angehörige psychisch erkrankter Menschen, Kursangebote für Soziales Lernen und Kompetenztraining, Entspannungstrainings oder Sport- und Spielaktionen, Selbsthilfegruppen sowie das Angebot „Läuft bei uns“ für psychisch erkrankte Eltern und ihre Kinder an. In Einzelfällen werden auch Hausbesuche durchgeführt, zum Beispiel bei ausgeprägten Antriebsstörungen, körperlichen Erkrankungen oder fehlender Mobilität.

Einen deutlichen Anstieg im Beratungsportfolio verzeichnen die Mitarbeiterinnen im Bereich toxischer Beziehungen. „Männer stellen immer häufiger die Rolle der Frau in der Beziehung unter ihre eigenen Bedürfnisse“, beobachtet Demi Ramovic. Dies zeige sich sowohl bei der Verteilung häuslicher Aufgaben als auch bei Erwartungen an die sexuelle Verfügbarkeit der Partnerin. Besonders betroffen seien junge Frauen zwischen 20 und 30 Jahren.

Viele Ratsuchende hätten bereits Kontakt zur Fachstelle für häusliche Gewalt gehabt. In der PSKB gehe es jedoch vor allem darum, die persönliche Handlungsfähigkeit der Betroffenen zu stärken. „Wir begleiten Frauen auf dem Weg vom „Ich muss“ zum „Ich will“, sagt Elisa Wichert. Oft gehe es darum, alte Interessen wiederzuentdecken, Freundschaften zu pflegen oder Hobbys aufzunehmen, die während der Beziehung verloren gegangen seien. „Für viele Frauen sind kleine Schritte bereits große Erfolge“, so die Sozialarbeiterin. Die Fachkräfte vermitteln, dass eine gesunde Partnerschaft auf zwei eigenständigen Persönlichkeiten basiert, die sich gegenseitig unterstützen und zugleich Freiräume gewähren. Besorgniserregend sei, dass selbst bei jungen Paaren ohne Kinder zunehmend Tendenzen zur Unterordnung erkennbar seien.

Altes Rollenbild in Mode

Nach Einschätzung der Pädagoginnen spielen gesellschaftliche Entwicklungen und soziale Medien dabei eine wichtige Rolle. Insbesondere das sogenannte „Tradwife“-Phänomen gewinne an Bedeutung. Dabei werde ein traditionelles Rollenbild propagiert, in dem Frauen ihre Erfüllung vor allem als Hausfrau und Mutter finden. „Viele junge Frauen glauben, dass dies der Schlüssel zu einer glücklichen Beziehung sei“, erklärt Demi Ramovic. „Wir erleben jedoch häufig, dass dadurch eigene Bedürfnisse und persönliche Entwicklung in den Hintergrund geraten.“

Neben jungen Frauen suchen zunehmend auch Frauen mittleren Alters Unterstützung. Oft befinden sie sich in einer Lebensphase, in der die Kinder das Elternhaus verlassen haben und bisherige Beziehungsstrukturen hinterfragt werden. Die Beratungsstelle lädt grundsätzlich auch die Partner zu Gesprächen ein. „Interessanterweise sind es häufig die Männer älterer Frauen, die dazu bereit sind“, berichtet die Systemische Beraterin. „Bei jüngeren Paaren erleben wir dagegen oft wenig Bereitschaft, sich gemeinsam mit den Problemen auseinanderzusetzen.“

Um insbesondere junge Frauen frühzeitig zu erreichen, hat die PSKB den Workshop
„Stark.Selbstbewusst.Du“ entwickelt. Dort stehen Themen wie Grenzen setzen, Selbstwertgefühl, Warnsignale in Beziehungen sowie persönliche Stärke im Mittelpunkt. Gleichzeitig soll das Angebot vermitteln, dass Betroffene mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind.

Der aktuelle Jahresbericht der PSKB wird an die Städte und Gemeinden des Verbandsgebiets sowie an das Landratsamt weitergeleitet. Er gibt Auskunft über die Nutzung der Angebote, regionale Entwicklungen und die Verteilung der Beratungsanfragen. Darüber hinaus dokumentiert er die enge Zusammenarbeit zwischen den Kommunen und den Einrichtungen der Vogelsberger Lebensräume. Damit ist der Bericht nicht nur ein Instrument der internen Qualitätssicherung, sondern auch eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung psychosozialer Unterstützungsangebote in der Region.

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