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Zwei Alsfelder auf dem Roadtrip durch die USADie Geschichte hinter dem fröhlichen Alsfeld-Gruß beim WM-Länderspiel

HOUSTON/ALSFELD (-) Es waren nur ein paar Sekunden, aber die elektrisierten Alsfeld: Kurz vor der Pause im WM-Spiel zwischen Curacao und Deutschland zeigt die Kamera Fans, die eine deutsche Fahne schwenken – und dabei leuchtet das Wort Alsfeld auf. Das Bild geht binnen Minuten viral in sozialen Medien, begleitet von der Frage: Wer ist der Mann, der so Alsfeld grüßt? Wir haben es herausgefunden: Es ist Jan Weitzel, im Gespräch erzählt er die spannende Geschichte hinter dem TV-Bild.

„Wir sind auf einem Roadtrip und besuchen neun Staaten in acht Tagen“, erzählt der 41-jährige Alsfelder am Telefon. Wir – damit meint er sich und seinen elfjährigen Sohn Jannis, die am Abend zuvor zusammen in Houston das deutsche Auftaktspiel verfolgt hatten. Für den Romröder Kicker und großen Fußballfan bedeutet die Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft einen Höhepunkt im Leben – zumal er mit seinem Sohn reisen konnte. „Es war natürlich toll“, meint er über den Fußballabend mit sieben deutschen Toren.

Jan und Jannis fröhlich im Stadion vor dem Spiel. Foto: privat

Aber bis dahin mussten Vater und Sohn schon Pech und Pannen und etwas Abenteuer überstehen. Das begann auf der Anreise schon auf der A5, als sie in eine Vollsperrung gerieten und dann den Flug ab Frankfurt fast verpasst hätten. Nur die Tatsache, dass ihre Maschine nach Detroit Verspätung hatte, sorgte dafür, dass die Reise nicht vorzeitig gefährdet oder gar beendet war.

In Detroit den Anschlussflug verpasst

Dafür verpassten sie aber in Detroit den Anschlussflug. Da half auch nicht, dass sie zuvor im Flugzeug einen argentinischen Nationalspieler kennengelernt hatten, der sie mit seinem FIFA-Ausweis an einer langen Schlange bei der Grenzkontrolle vorbei lotste. „Das war natürlich noch einmal ein echter Funfact, aber unseren Flug haben wir trotzdem genau um zwei Minuten verpasst.“ So ein Ärger.

Das Stadion ist erreicht: Ein Bild hält den großen Moment fest. Foto: privat

„Und dann war auch noch unser Koffer versuselt worden“, erzählt Jan Weitzel. Ohne Koffer mussten sie sich eine Unterkunft suchen – in einem gerade von Touristen gefluteten Land. In Chicago fanden sie dann eine „schäbige Absteige“, wo die beiden ein Zimmer fanden – für immerhin 300 Dollar die Nacht.

Um einen Tag verspätet erreichten sie dann den Spielort Houston, das große WM-Abenteuer konnte beginnen. Zur richtigen Fan-Ausstattung gehörte natürlich die große Deutschlandfahne. Früh morgens, als sich um 8 Uhr auf den Weg zum Stadion machen wollten, hatte Jannis die Idee: „Lass uns einen Gruß an Alsfeld raufmalen.“ Ein Gruß an die Heimat aus dem sieben Tagesstunden entfernten Houston sollte es sein. Noch in der Hotellobby breiteten die beiden die Fahne auf einem Tisch aus und gingen zu Werk.

Begegnung mit fröhlichen Fans aus Curacao. Foto: privat

Begegnungen mit Fans aus Curacao

Zwei mühevolle Stunden bei 34 Grad Hitze mit großer Luftfeuchtigkeit später erreichten Vater und Sohn das Stadion, das zum Glück klimatisiert ist. Mittags sollte Anpfiff sein, da reichte die Zeit auch noch für ein paar lebendige Begegnungen mit fröhlichen Fans von Curacao.

Aber dann das Spiel: Deutschlands frühes 1:0, der plötzliche Ausgleich, der Böses ahnen ließ. Dann die erneute Führung, und Kai Havertz mit seinem 3:1 kurz vor der Pause. Der Jubel war groß, die Fahne zappelte in jubelnden Armen. Und dabei passierte es: „Wir haben gesehen, dass die Kamera in unsere Richtung zeigte“, erzählt Jan Weitzel. Dass sie tatsächlich auf dem TV-Schirm zu sehen sein würden, hatten sie aber nicht erwartet – erst recht nicht, dass „Alsfeld“ so fröhlich grüßen würde. Dabei waren die Bedingungen dafür gar nicht schlecht: Die beiden saßen in der vierten Reihe, und die drei Reihen für ihnen waren aus technischen Gründen leer. „Wir saßen quasi in der ersten Reihe.“

Glücklich auf dem Flug ins große Abenteuer: Vater Jan mit Sohn Jannis im Flugzeug. Foto: privat

Aber, dass etwas passiert sein musste, fiel ihm wenige Minuten später auf, als er in der Spielpause aufs Handy schaute: „260 unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten. Das ist nicht normal“, lacht er im Nachhinein. Die Botschaft immer gleich: „Ihr wart im Fernsehen!“ Und das Bild vom Gruß an Alsfeld fing jemand prompt vom Bildschirm ein, seither wird es in Sozialen Medien weitergereicht.

Weiter mit dem Mietwagen durch Louisiana

Jan und Jannis Weitzel haben aber noch mehr vor. Mit dem Mietwagen wollen sie durch Louisiana fahren gen Washington – ein echter amerikanischer Roadtrip also. Mit dem Flugzeug soll es dann weitergehen nach Toronto zum zweiten Spiel. Anfang kommende Woche geht es retour. Jannis muss zur Schule. An der Stelle geht der Dank von Jan Weitzel an die Albert-Schweitzer Schule, dass sie Jannis das Abenteuer ermöglichte. „Und ich dankte meiner Frau, dass sie mir das ermöglicht hat“, sagt der Vater vierer Kinder.

Die Aufschrift „Alsfeld“ ist den Amerikanern in Houston übrigens noch erhalten geblieben, zumindest eine Weile. Als sie die Fahne mit dem Eddingstift bearbeiteten, haben sie so stark durchgedrückt, dass die Schrift auf dem Tisch darunter sichtbar kleben blieb. „Die waren aber ganz cool und wollten das später abwischen.“

von Axel Pries

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