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Kreisfeuerwehrverband Vogelsberg zeigt bei Delegiertenversammlung die Bedeutung des EhrenamtsFeuerwehr zieht Bilanz: Einsatz, Ausbildung und Ehrenamt im Mittelpunkt

BERNSFELD/VOGELSBERGKREIS (ol). Bei der Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg in Bernsfeld wurde deutlich, welche zentrale Rolle die Feuerwehren im Landkreis spielen. Neben über 1.100 Einsätzen im Jahr 2025 standen besonders Nachwuchsarbeit, Ausbildung und ehrenamtliches Engagement im Fokus.

Am 6. Juni 2026 kam der Kreisfeuerwehrverband Vogelsberg zu seiner Delegiertenversammlung zusammen. Was auf der Tagesordnung nüchtern nach Berichten, Zahlen, Kassenlage und Beschlüssen klang, wurde im Verlauf des Nachmittags zu einem eindrucksvollen Spiegelbild dessen, was Feuerwehr im ländlichen Raum heute bedeutet: Einsatzbereitschaft, Ausbildung, Nachwuchsarbeit, Kameradschaft — und die stille, oft unsichtbare Unterstützung jener Menschen und Unternehmen, die das Ehrenamt möglich machen, so heißt es in der Pressemitteilung des Kreisfeuerwehrverbandes.

Es gibt Versammlungen, die beginnen mit Formalien und enden doch bei etwas Größerem. Bei der Delegiertenversammlung des Kreisfeuerwehrverbandes Vogelsberg am 6. Juni in Bernsfeld war genau das zu spüren. Zwischen Eröffnung, Feststellung der Beschlussfähigkeit, Totenehrung, Grußworten und Jahresberichten lag mehr als ein Verbandsnachmittag. Es lag ein ganzes Jahr Feuerwehrleben darin. Der Kreisfeuerwehrverband Vogelsberg zählt zum Jahresende 2025 insgesamt 25.399 Mitglieder.

Eine Zahl, groß genug, um nüchtern in einem Bericht zu stehen — und doch zu klein, um das zu beschreiben, was dahintersteht: Menschen, die nachts aufstehen, wenn andere schlafen. Menschen, die Kinder und Jugendliche ausbilden, Fahrzeuge pflegen, Lehrgänge besuchen, Musikzüge erhalten, Kameradschaft pflegen und in kritischen Momenten Verantwortung übernehmen.

Die Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes blickte auf ein Jahr zurück, in dem sich der Verband nach seiner Neuausrichtung im Mai 2025 sichtbar weiterentwickelt hat. Termine, Veranstaltungen und Feuerwehrleben sollen dadurch sichtbarer werden. Auch die Berichte des Kreisbrandinspektors Marcell Büttner machten deutlich, wie stark die Feuerwehren im Vogelsbergkreis gefordert sind. In allen 19 Städten und Gemeinden stehen Feuerwehren bereit, verteilt auf 161 Einsatzabteilungen. Im Jahr 2025 wurden die Wehren zu insgesamt 1.159 Einsätzen alarmiert.

Darunter 244 Brandeinsätze und 752 technische Hilfeleistungen. Zahlen, hinter denen sich konkrete Bilder verbergen: ein Scheunenbrand in Angersbach, ein tödlicher Wohnhausbrand in Schotten, eine Explosion auf einem Campingplatz in Kirtorf, Waldbrände in Herbstein und Lauterbach sowie der Großbrand bei der Firma Boomex in Alsfeld, bei dem mehr als 150 Einsatzkräfte über Kreisgrenzen hinweg zusammenarbeiteten. Gerade solche Lagen zeigen, dass Feuerwehr längst nicht mehr nur das Löschen von Feuer bedeutet. Sie ist technische Hilfe, Katastrophenschutz, Krisenkommunikation, Menschenführung, Psychologie und Ausbildung zugleich. Anfang Mai sorgte ein heftiges Unwetter für rund fünfzig Einsätze im Kreisgebiet. Verkehrsunfälle, Personensuchen, Sturmschäden und neue Einsatzbereiche durch die A49 erweitern das Spektrum. Der Vogelsbergkreis bleibt ein Raum weiter Wege — und
kurzer Alarmierungszeiten.

Die Einsatzabteilungen zählten 4.239 Mitglieder. 221 Neueintritten standen 270 Austritte gegenüber. Dahinter stehen demografischer Wandel, veränderte Arbeitswelten, Pendlerrealitäten und die Frage, wie verbindlich sich Menschen heute noch langfristig engagieren können. Feuerwehr verlangt Ausbildung, Verfügbarkeit, Disziplin und Verantwortung. Dass sich dennoch so viele Menschen dafür entscheiden, ist eine stille gesellschaftliche Leistung. Besonders eindrucksvoll zeigte sich das in der Nachwuchsarbeit. 100 Jugendfeuerwehren und 67 Kindergruppen sind im Vogelsbergkreis gelistet. 1.162 Jugendliche und 638 Kinder gehören dazu. Die Betreuerinnen und Betreuer leisteten im Berichtsjahr fast 10.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit allein in der Jugendfeuerwehr. Ein Jahr hat 8.760 Stunden — diese Zahl sagt alles. Nachwuchsarbeit in der Feuerwehr ist nicht nur Brandschutzerziehung. Sie ist Wertebildung,
Gemeinschaft, Verlässlichkeit und Heimat.

Die Kinderfeuerwehren führen die Jüngsten spielerisch an das Thema heran, die Jugendfeuerwehren machen daraus Verantwortung. In einer Zeit, in der viele Vereine um Nachwuchs ringen, zeigt die Feuerwehr, was Bindung schaffen kann: klare Strukturen, echte Aufgaben, sichtbare Vorbilder und das Gefühl, gebraucht zu werden. Auch die Ehren- und Altersabteilungen standen im Blickpunkt. 2.336 Mitglieder zählt dieser Bereich, ein Plus von 45 gegenüber dem Vorjahr. Sie tragen Erfahrung, Erinnerung und Kameradschaft weiter. Ob Sitzungen, Tagesfahrten zum Hessischen Landtag, Sommerfest oder Begegnungen in den Städten und Gemeinden — hier wird deutlich, dass Feuerwehr nicht mit dem Ende des aktiven Dienstes aufhört.

Sie verändert nur ihre Form. Der Kreisstabführer berichtete zudem über die Feuerwehrmusik im Vogelsbergkreis. Vier Musikgruppen, 95 Musikerinnen und Musiker, 16 Auszubildende und 35 Spielverpflichtungen stehen für eine Tradition, die oft unterschätzt wird. Feuerwehrmusik ist mehr als Begleitung. Sie ist Klang gewordene Gemeinschaft, sie gibt Festen Würde, Abschieden Tiefe und Jubiläen ihren Rahmen.

Hinter diesen Zahlen steht die solide Grundlage für Jugendarbeit, Musik, Ehrungen, Veranstaltungen, Ausbildung und Verbandsarbeit. Ein besonderer Moment der Versammlung waren die Ehrungen. In Anerkennung besonderer Verdienste im Brandschutzwesen wurde Hubert Helm von der Freiwilligen Feuerwehr Lautertal-Meiches durch den Kreisfeuerwehrverband Vogelsbergkreis mit dem Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Eine solche Ehrung ist mehr als ein formaler Akt. Sie ist ein öffentliches Zeichen dafür, dass Treue, Einsatz und jahrzehntelanges Wirken nicht selbstverständlich sind.

Ebenso wurde die Prüfsachverständigengesellschaft Ziersch mbH aus Mücke als „Partner der Feuerwehr“ gewürdigt. Das Unternehmen stellt ehrenamtliche Feuerwehrkräfte jederzeit für den Dienst an der Allgemeinheit frei und unterstützt damit ganz praktisch die Einsatzfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehren. Gerade im Alltag entscheidet sich, ob Ehrenamt funktioniert: nicht in großen Reden, sondern dann, wenn ein Alarm eingeht und ein Arbeitgeber sagt: Geh.

Die Allgemeinheit braucht dich. Diese Auszeichnung macht sichtbar, was oft im Hintergrund bleibt. Feuerwehren brauchen nicht nur Einsatzkräfte, Fahrzeuge und Geräte. Sie brauchen Rückhalt — in Familien, in Betrieben, in Kommunen und in der Gesellschaft. Ohne Arbeitgeber, die Verständnis zeigen, wird Tagesalarmsicherheit zur Rechenaufgabe. Mit ihnen wird sie zur gelebten Verantwortung. Die Delegiertenversammlung in Bernsfeld war deshalb nicht nur ein Rückblick auf das Jahr 2025.
Sie war auch ein Blick auf die Aufgaben der Zukunft: Mitgliedergewinnung, Tagesalarmsicherheit,

Digitalisierung, Klimafolgen, Ausbildung, Katastrophenschutz und interkommunale Zusammenarbeit. Der Vogelsbergkreis arbeitet an Konzepten, an Strukturen, an Technik — aber im Kern bleibt Feuerwehr immer menschlich. Am Ende stand das Bild eines Verbandes, der sich verändert, ohne seine Wurzeln zu verlieren. Ein Verband, der Social Media nutzt, aber den Handschlag nicht ersetzt. Der Zahlen erhebt, aber Menschen meint. Der über Haushalte beschließt, aber Haltung lebt.
Bernsfeld wurde an diesem 6. Juni 2026 für einige Stunden zu einem Ort, an dem sichtbar wurde, was sonst oft erst im Einsatz auffällt: Die Feuerwehr ist da. Nicht irgendwann. Nicht theoretisch. Sondern dann, wenn sie gebraucht wird.

Fotos: Philipp Stock

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