
Lesung der Literatur-Preisträgerinnen Emilia Bauer, Luana Cimiotti und Julia Rausch in der Buchhandlung LesenswertBlaubeeren, Boxer, Ballkleider
ALSFELD (ol). Es waren nur drei Geschichten. So unterschiedlich wie die jungen Frauen, die sie geschrieben hatten und vortrugen, doch eins hatten sie gemeinsam: Sie zogen das Publikum in ihren Bann. Vor wenigen Tagen haben die Ovag-Preisträgerinnen Emilia Bauer, Luana Cimiotti und Julia Rausch – allesamt Schülerinnen der Albert-Schweitzer-Schule – nämlich ihre ausgezeichneten Geschichten in der Buchhandlung Lesenswert vorgelesen.
Den Anfang machte Emilia Bauer. Sie sei nicht nur alphabetisch gesehen die Erste, so Buchhändlerin Johanna Mildner in ihrer kurzen Begrüßung, sondern sie habe tatsächlich den ersten Preis gewonnen. Mit ihrer Geschichte „Der Geschmack von Blaubeeren“ nahm sie ihr Publikum mit auf eine Zeitreise, heißt es in der Pressemitteilung.
Was wie eine süße, klebrige und warme Sommererinnerung beginnt, endet in einem Drama, das den Protagonisten – die Achtzehnjährige schreibt aus der Perspektive eines über sechzigjährigen Mannes – auch fünfzig Jahre später nicht losgelassen hat. Mit einem Schlag entzaubert Bauer nicht nur die Jugenderinnerungen, sondern auch den süßen, vollen Geschmack der Blaubeeren.
Sie tut dies in einer unglaublich schönen, metaphernreichen Sprache, die viele Assoziationen zulässt und den Lesern und Zuhörern eigene Welten sichtbar macht. Johanna Mildner nutzte die Anwesenheit der jungen Autorinnen, um sie nach ihrer Motivation und Inspiration zu fragen. Dazu sagte Emilia Bauer unter anderem: „In den glücklichsten Momenten braucht es oft nicht viel, bis die Situation kippt.“ Ihre Jugendgeschichte aus dem Jahr 1973 ist dafür das beste Beispiel.
„Der letzte Schlag“
Auch in ihrer Geschichte „Der letzte Schlag“ versetzt Luana Cimiotti ihre Leser und Zuhörer in ein Drama – ein kleines zunächst; denn Paulchen, das Kind eines Boxers, wartet auf nichts sehnlicher als darauf, dass sein Vater endlich Zeit für es hat – für normale Dinge, etwas den Schwimmbadbesuch am Wochenende. Sehr lebendig schildert die Siebzehnjährige die aufgeheizte Stimmung in der Boxarena, immer wieder nimmt sie dafür die Perspektive des vielleicht achtjährigen Jungen ein, versetzt sich aber auch in die Gespräche zwischen dem Boxer und seinem Trainer.
Nicht zuletzt stellt sie in wenigen Sätzen auch die Gefühlswelt der Frau und Mutter vor – und nimmt damit die Tragödie voraus: Denn ob der Boxer sich von seinem letzten Schlag erholen wird, ist – obwohl er den Kampf gewonnen hat – unklar. Sie habe sich mit Absicht auf ein ganz neues Feld begeben, indem sie sich für ihre Geschichte mit dem Boxsport auseinandergesetzt habe, so die Autorin, die wie Emilia Bauer vor ihr und Julia Rausch nach ihr, mit ihrem Vorlesen eigene Akzente setzte und ihrer Geschichte die richtige Portion Authentizität verlieh.
„Ballkleidgefühle“ zum Abschluss
Etwas weniger Drama, dafür viel Einfühlungsvermögen, präsentierte zum Abschluss der Lesung Julia Rausch. „Ballkleidgefühle“ heißt ihre Siegergeschichte und sie nahm ihre Zuhörer mit auf einen Abiball, dessen ganzes Ambiente in einer fein dekorierten Turnhalle sie einfängt. Doch es geht ihr um die Menschen, die ihre Protagonistin – eine eher schüchterne Hobbyfotografin – an diesem Abend auf ihrer Speicherkarte festhält.
Darum, was diese Menschen fühlen, wie sie sich fühlen, aus welcher Situation heraus sie sich feingemacht haben und zum Ball gekommen sind. Darum, was wahre Schönheit ist, und was es bedeutet, gesehen zu werden. Mit diesem Anliegen flaniert die Fotografin durch die Gästeschar und teilt ihre Gedanken mit den Lesern.
Als mystisches Element fügt Julia Rausch die Begegnung mit dem alten und jungen Ich ihrer Protagonisten in ihre Geschichte ein, die – trotz mancher Traurigkeit – einen positiven Grundton hat und somit einen schönen Abschluss des Leseabends bot.
Alle drei Autorinnen hatten ihr Publikum und ihre Gastgeberinnen Johanna Mildner und Barbara Möser nicht nur mit ihren Geschichten und ihrer Vorlesekunst gefesselt, sondern auch mit ihrem Mut, ihre Geschichten zu schreiben und zu veröffentlichen. Sie alle wollen weiterschreiben – so wird man sicher noch das eine oder andere von Emilia Bauer, Luana Cimiotti und Julia Rausch lesen.
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