
Vortragsabend 'Marlenes Bilder'„Unser Leben ist ein Lichtblitz zwischen ewigem Vorher und Nachher“
ALSFELD (ol). „Unser Leben ist ein Lichtblitz zwischen ewigem Vorher und Nachher.“ Dieses eindrückliche Zitat stammt von Dr. Heinz Dietrich Feldheim, dessen Leben und Leiden im Mittelpunkt einer Veranstaltung in Alsfeld mit dem Titel ‚Marlenes Bilder. Das Vermächtnis eines Häftlings‘ stand. Die Katholischen Öffentlichen Bücherei und das Bildungswerks Oberhessen hatte dazu ins Pfarrzentrum der Gemeinde St. Christophorus eingeladen.
In der Pressemitteilung des Katholischen Bildungswerks Oberhessen heißt es, lange – über 20 Jahre – habe er mit sich gerungen, über das persönliche Schicksal von Feldmann, der als junger Mann in die menschenverachtenden Mühlen des Nationalsozialismus geraten ist, zu schreiben und zu erzählen, sagte der Autor und Referent des Abends, Hans-Jürgen Zacher bei seinem Vortrag.
„Ich bin nicht Heinz Dietrich Feldheim. Ich kann nur weitergeben, was er mir anvertraut hat. Und was ich darüber hinaus recherchieren konnte.“ Mit diesen Worten verdeutlichte der engagierte Historiker und Pädagoge aus Werl schon zu Beginn seinen Zuhörern die Grenzen eines Menschen, der versuche, die Geschichte eines Anderen zu erzählen. Insbesondere, wenn dieser Andere solches Leid erfahren musste, das mit dem Mittel der Sprache kaum zu beschreiben ist.
Und so referierte Zacher auch nicht nüchtern die Biografie des in Dortmund als Sohn jüdischer Eltern geborenen Diplomvolkswirts, der aufgrund seiner Herkunft nicht Lehrer werden durfte und wegen eher geringfügigen Aktivitäten gegen die Nazis unter anderem eine 14 Monate dauernde Dunkelhaft in KZ Dachau erleiden musste und dies überlebte.
Im Blickpunkt des emotionalen Vortrags standen vielmehr seine Begegnungen mit dem Menschen Feldheim sowie die vielen Briefe, in denen dieser sich persönlich mit seinen Gedanken, Ängsten und Erfahrungen artikulieren konnte. Besonders eindrücklich schilderte der Referent eine Szene, in der Feldheim ihm anvertrauen konnte, welch große Bedeutung die Schauspielerin Marlene Dietrich für sein Überleben in Dachau hatte.
Er sei dankbar für das besondere Vertrauen, das Feldheim zu ihm entwickeln konnte und das ihn auch zum Empfänger von dessen Vermächtnis gemacht habe. „Es beschäftigt mich, dass ein kleiner Teil meiner Erinnerungen an jemanden geht, der ihn schätzt, für den er nicht wertlos ist.“ so die Worte Feldheims in seinem Testament. Dieses ‚Vermächtnis eines Häftlings‘ ist für Zacher nun ein Lebensschatz, der unbedingt bewahrenswert sei.

Foto: Katholisches Bildungswerk Oberhessen
Das Buch ‚Marlenes Bilder. Das Vermächtnis eines Häftlings‘, in dem die Geschichte Feldmanns eindrücklich und mit vielen Bildern und Dokumenten illustriert aufgezeichnet ist, ist inzwischen vergriffen und nur noch beim Autoren selbst erhältlich. Es kann jetzt jedoch in der Katholischen öffentlichen Bücherei Alsfeld ausgeliehen werden.
Das gilt auch für die Publikation des selben Autoren über seinen Freund Werner Halle, ebenfalls ein Opfer und Zeitzeuge der Verbrechen der Nationalsozialisten an jüdischen Mitmenschen. Diese Geschichte mit dem Titel ‚Vern‘ war Thema zweier Vorträge Zachers in der Max-Eyth-Schule Alsfeld für rund hundert Schüler des beruflichen Gymnasiums und sie hat auch dort unter anderem durch die besondere und authentische Erzählweise des Autoren einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
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