
Zum Schutz von Kindern und SchwangerenHessisches Präventionsprojekt „Rauchfreie Autos“
VOGELSBERG (ol). Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen und das landesweite Netzwerk der Fachstellen für Suchtprävention starten zum Weltnichtrauchertag am 31. Mai 2022 das Präventionsprojekt „Rauchfreies Auto für mein Kind!“. Aufgelegt werden 12.000 Parkscheiben, die über die Risiken von Passivrauchen für Kinder und Schwangere im Auto informieren.
Bereits seit längerer Zeit wird diskutiert, ob in Deutschland das Rauchen im Auto verboten werden sollte. Auch der Bundesrat hat sich im März 2022 erneut für ein Rauchverbot in geschlossenen Fahrzeugen ausgesprochen, wenn Minderjährige oder Schwangere anwesend sind, heißt es in der Pressemitteilung des Beratungszentrum Vogelsbergkreis.
Nach Schätzungen des Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) seien in Deutschland über eine Million Kinder und Jugendliche von einer Tabakrauchbelastung im Auto betroffen. Schon wenige Züge an einer Zigarette im Auto erhöhen die Feinstaubbelastung im Innenraum enorm. Dies könne unter anderem zu akuten und chronischen Atemwegserkrankungen und zu akuter und chronischer Mittelohrentzündung führen. Bei Babys gehöre das Passivrauchen zudem zu den Hauptrisikofaktoren für den plötzlichen Kindstod.
Auch E-Zigaretten und Tabakerhitzer belasten den Fahrzeuginnenraum mit lungengängigen Partikeln und Nikotin, heißt es weiter. Des Weiteren stellte laut Pressem itteilung das DKFZ im Zuge diverser Untersuchungen fest, dass sich selbst bei einer Fahrt mit geöffnetem Fenster im Auto so viel Tabakrauch ansammelt, wie in einer Raucherkneipe. Da Kinder schneller atmen, nehmen sie automatisch mehr Schadstoffe auf, was eine langfristige Schädigung nicht ausschließt. Was Eltern oft nicht bewusst sei: Tabakqualm sei die gefährlichste und zugleich bedeutendste vermeidbare Gesundheitsgefahr für Kinder.
Susanne Schmitt, Geschäftsführerin der HLS, betont: „Angesichts dieser schwerwiegenden Risiken, denen besonders Kinder ausgesetzt sind, wenn im Auto geraucht wird, setzen wir uns dafür ein, dass dort konsequent auf das Rauchen verzichtet wird. Ein gesetzliches Rauchverbot in Fahrzeugen, wenn Minderjährige und Schwangere mitfahren, würden wir sehr begrüßen.“
Die Zustimmung der deutschen Bevölkerung zum Schutz von Kindern vor Passivrauch im Auto ist laut DKFZ jedenfalls da: 87 Prozent stimmen einem Rauchverbot im Auto in Anwesenheit von Kindern und Jugendlichen zu. Mit 78 Prozent ist auch unter Rauchenden die Zustimmung zu einem solchen Verbot hoch.
Das Projekt „Rauchfreies Auto für mein Kind!“
Um diesem wichtigen Thema mehr Gewicht zu verleihen, starten die HLS und die Fachstellen für Suchprävention in Hessen zum 31. Mai 2022 das Präventionsprojekt „Rauchfreies Auto für mein Kind!“. Aufgelegt wurden 12.000 Parkscheiben, die über die Risiken von Passivrauchen für Kinder im Auto informieren.
„Passivrauchen im Auto ist für Kinder eine vermeidbare Gesundheitsgefahr. Deshalb starten wir Präventionsprojekte, die ein gesundes Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen fördern“ so Lisa Peppler, Fachstelle für Suchtprävention im Vogelsberg. „Uns ist es außerdem wichtig, dass Eltern dort die Informationen haben, wo sie sich im Alltag aufhalten, also auch im Auto – auf dem Weg zum Einkauf oder beim Familienausflug am Wochenende. Denn unsere Erfahrungen zeigen, dass eine Parkscheibe im Alltag (nicht nur) von Eltern regelmäßige Anwendung findet und damit auf der Rückseite Präventionsbotschaften gut platziert sind und immer wieder gelesen werden.“
Die Parkscheiben werden in allen hessischen Landkreisen und kreisfreien Städten an Eltern, Erziehende und Familien ausgegeben, zum Beispiel in Bürgerämtern und Zulassungsstellen, in kommunalen Willkommenspaketen oder Supermärkten.
Kurzbeschreibung der Fachstelle
Die Fachstelle für Suchtprävention ist eine Abteilung des Beratungszentrums Vogelsberg. Während sich das Angebot der Beratung für Jugendliche und Erwachsene auf den Einzelfall bezieht und individuelle Hilfestellung bei konkreten Problemen gegeben werden, befasst sich die Suchtprävention mit den Bedingungen, die zu einem späteren problematischen Suchtmittelkonsum führen können.
Wirkungsvolle Suchtprävention basiere auf einer frühzeitigen, langfristigen und kontinuierlichen Arbeit im Rahmen einer breit vernetzten Gesundheitsförderung. Hier ist das Elternhaus, der Kindergarten, die Schule, die Jugendarbeit und ggf. die Jugendhilfeeinrichtung gefordert. Denn: Nicht die verfügbaren Drogen seien das Hauptproblem, sondern die Gründe, warum immer mehr Jugendliche zu diesen „Hilfsmitteln“ greifen.
Ziel der Suchtprävention ist es die suchtfördernden Umstände gemeinsam zu erkennen und unter Einbeziehung aller Ressourcen zu bearbeiten. Gleichermaßen ist die Stärkung der Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen bedeutsam. Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Konflikt- und Beziehungsfähigkeit sind wichtige Schutzfaktoren, einem Rauschmittelmissbrauch, süchtigem Verhalten und anderen Auffälligkeiten vorzubeugen. Hier müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Kindern und Jugendlichen Risikoerfahrungen und deren Reflexion zu ermöglichen.
Die Fachstelle für Suchtprävention des Beratungszentrums Vogelsberg unterstützt, koordiniert und vernetzt die regionalen Institutionen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Ein zentrales Aufgabenfeld ist die Schulung von Multiplikatoren.
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