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Dr. Jürgen Sauer ist neuer Schiedsmann für den Bezirk I in AlsfeldIm Streitfall war er zur Stelle: Schiedsmann Friedhelm Kalbhenn nach 15 Jahren verabschiedet

ALSFELD (akr). Die Hecke ist zu hoch, der Baum des Nachbarns versperrt die Sicht oder wieder einmal ist die Einfahrt der Garage blockiert: Es gibt viele Gründe für Streitigkeiten zwischen Nachbarn – und genau damit setzten sich die sogenannten Schiedspersonen auseinander. Es muss nämlich nicht immer das Gericht die erste Anlaufstelle sein. In vielen Fällen von Streitereien können Schiedspersonen helfen. Friedhelm Kalbhenn war einer von ihnen. 15 Jahre lang hat er sich ehrenamtlich um solche Angelegenheiten gekümmert. Nun wurde er offiziell in den Ruhestand verabschiedet und sein Nachfolger, Dr. Jürgen Sauer, vorgestellt.

Schlichten statt Richten – unter diesem Motto steht die ehrenamtliche Tätigkeit einer Schiedsperson. Sie dienen als Anlaufstelle für Bürger, um Streitigkeiten außergerichtlich zu schlichten und sorgen dafür, dass sich Gerichte nicht mit kleineren Streitereien zwischen Nachbarn auseinandersetzen müssen. Schiedspersonen werden von den Stadtverordneten auf fünf Jahre gewählt und danach von der Leitung des jeweiligen Amtsgerichts bestätigt. In Alsfeld gibt es zwei Schiedsamtbezirke: Alsfeld I und Alsfeld II. Alsfeld I umfasst die Kernstadt und Altenburg, Alsfeld II alle übrigen Stadtteile.

Für den Bezirk I hatte 15 Jahre lang Friedhelm Kalbhenn das Amt des Schiedsmanns inne – zunächst als Stellvertreter, ehe er 2009, als Nachfolger von Bernd Zinn, zum hauptamtlichen Schiedsmann gewählt wurde. Am Donnerstag wurde er im Rahmen einer kleinen Feierstunde im Alsfelder Rathaus von Bürgermeister Stephan Paule und den beiden Vertretern des Amtsgerichts, Direktor Klaus Schwaderlapp, und Geschäftsleiter Jens Götting, offiziell verabschiedet und sein Nachfolger, Dr. Jürgen Sauer, vorgestellt.

Bürgermeister Stephan Paule dankte Friedhelm Kalbhenn für seine treuen Dienste. Fotos: akr

Kalbhenn ist in Alsfeld kein Unbekannter. Er kümmerte sich nicht nur 15 Jahre lang um die Schlichtung streitiger Rechtsangelegenheiten, sondern war auch 20 Jahre lang als Pfarrer in Alsfeld tätig. Aber auch sein Nachfolger ist in Alsfeld kein unbekanntes Gesicht. Der 64-Jährige Dr. Jürgen Sauer aus Altenburg dürfte aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde sowie als Dekan bekannt sein. „Zwei evangelische Pfarrer, das ist schon eine Besonderheit“, freute sich Klaus Schwaderlapp.

„Ich habe das Amt gerne gemacht. Es macht Spaß, wenn man merkt, dass man etwas erreicht hat und sich beide Parteien wieder vertragen haben“, blickt Kalbhenn zurück. Er habe schon teilweise den Eindruck gehabt, dass sein ehemaliger Beruf als Pfarrer ihm dabei geholfen habe. „Ich war nicht nur der Herr Kalbhenn, ich war auch Pfarrer Kalbhenn“, lächelt er.

Zuhören, Empathie, Neutralität und ein gesunder Menschenverstand

Spezielle Vorkenntnisse sind für das Amt zwar nicht vonnöten, allerdings gibt es einige Punkte, die berücksichtigt werden müssen, wenn eine Person für das Schiedsamt vorgeschlagen wird. Schiedspersonen müssen beispielsweise mindestens 30 – in manchen Bundesländern 25 – und höchstens 75 Jahre alt sein, müssen die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter besitzen, in dem Bezirk des Schiedsamts beziehungsweise bei Gemeinden mit mehreren Schiedsämtern in der Gemeinde wohnen und dürfen nicht unter Betreuung stehen. „Ich hatte mich also knapp vor der Altersgrenze nochmal beworben“, lacht Kalbhenn. Neben diesen Punkten sollte eine Schiedsperson allerdings auch gut zuhören können, einen gesunden Menschenverstand besitzen, Empathie und Neutralität mitbringen.

Die Schiedspersonen für Alsfeld. In der Mitte: Dr. Jürgen Sauer (Schiedsamtbezirk I) und Ute Koch (Schiedsamtbezirk II) sowie der Stelvertreter Holger Feick (links) und Stellvertreter Jürgen Boß (rechts).

Der Gang zum Schiedsamt ist übrigens nicht immer Muss – aber oft der schnellste Weg, um Konflikte schnell, unbürokratisch und auch kostengünstig aus der Welt zu schaffen. Es gibt aber eben auch Fälle, beispielsweise bestimmte Nachbarkeitsstreitigkeiten, bei denen zuerst das Schiedsamt angerufen werden muss. Erst wenn diese Schlichtungssversuche scheitern, dürfen die Betroffenen beim Amtsgericht klagen.

Bei Schlichtungsversuchen gibt es keine Gewinner und Verlierer. Im Falle einer Einigung kann die Schiedsperson einen sogenannten Vergleich erschließen. Das gelingt natürlich nicht immer. „Manche kamen auch vorbei und wollten direkt die Bescheinigung ausgestellt haben, damit sie die Angelegenheit vor Gericht klären können“, erzählt Kalbhenn.

Viele kleinere Streitereien habe Kalbhenn in „Tür- und Angelgesprächen“ klären können. „In zehn Jahren hatte ich zehn Streitschlichtverhandlungen. Man kann also sagen, jedes Jahr eine“, lächelt er. In den meisten seiner Fälle ging es um kleinere Streitereien zwischen Nachbarn. „Da war dann der Baum zum Bespiel zu nah an der Grenze gepflanzt“, erzählt er. Wenn er helfen könne, dann brauche er nicht immer den Verwaltungsakt.

Auch wenn es ab und an mal nicht ganz so einfach gewesen sei, und es zwischendurch auch mal laut werden konnte, habe ihm die Arbeit als Schiedsmann Spaß gemacht und er habe viele schöne Momente erlebt – insbesondere, wenn er beiden Parteien gerecht werden konnte und sie sich vertragen haben. „Nicht so toll war es, wenn sie wiedergekommen sind“, lacht er – das sei nämlich auch schon vorgekommen.

Kalbhenn wünschte seinem Nachfolger alles Gute und viel Erfolg bei den Schlichtungsverhandlungen. Die erste steht für Dr. Jürgen Sauer übrigens am Montag auf dem Programm. Darüber hinaus bedankte sich Kalbhenn noch bei allen Beteiligten, die ihn in all den Jahren immer mit Rat und Tat zur Seite standen. Aber auch im galt Dank, wie Paule, Götting und Schwaderlapp betonten. Dank, für 15 Jahre ehrenamtliches Engagement, gelebte Bürgernähe und seine treuen Dienste für die Alsfelder Bürger.

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