
Staatsminister Axel Wintermeyer zu Besuch beim ersten Demografie-Preis-Träger, dem VogelsbergkreisIm Gespräch mit Jugendlichen über das Leben im Vogelsbergkreis
ALSFELD (akr). In diesem Jahr feiert der Hessische Demografie-Preis sein zehnjähriges Bestehen, deshalb werden in den kommenden Monaten Vertreter der Hessischen Landesregierung die Preisträger der vergangenen Jahre besuchen. Den Anfang machte Staatsminister Axel Wintermeyer und besuchte den aller ersten Preisträger, den Vogelsbergkreis.
Vor neun Jahren – genauer gesagt im November 2010 – hat die Hessische Staatskanzlei erstmalig den Hessischen Demographie-Preis verliehen. Der mit insgesamt 30.000 Euro dotierte Hessische Demographie-Preis ging an drei herausragende Projekte zur Gestaltung des demographischen Wandels – und der Vogelsbergkreis hat dabei den ersten Platz geholt. 15.000 Euro gab es damals für das Projekt „Demografischer Wandel – Chancen und Ressouren für eine beteiligungs- und sozialraum-orientierte Kinder- und Jugendarbeit im ländlichen Raum“, das von Silvia Lucas und Norbert Kelbassa initiiert wurde.
Insgesamt 26 Kommunen und Landkreise hatten sich damals mit verschiedenen Projekten beworben, fünf Projekte wurden schließlich in die engere Wahl genommen. Am stärksten beeindruckt hat die Jury das Projekt des Vogelsbergkreis, das den Fokus auf die beteiligungsorientiere Kinder- und Jugendarbeit legte, denn das machte schlussendlich das Rennen um Platz 1.
Der zweite Platz ging nach Kassel, über den dritten durfte sich Erbach freuen. Hauptbewertungskriterien für die Jury waren der Innovationsgehalt der Projekte, ihre Nachhaltigkeit sowie die Frage der Übertragbarkeit. Hinzu kam die Einbindung ehrenamtlichen Engagements sowie der tatsächliche Nutzen der Projekte im Hinblick auf die Situation junger Familien.

Bevor der Staatsminister mit den Jugendlichen ins Gespräch kam, gab es für ihn zunächst eine Führung durch den Bürgergarten.
Mit jungen Menschen ins Gespräch kommen
Nun, fast zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass der Vogelsbergkreis sich über diese Auszeichnung freuen durfte. Eigentlich hieß es zunächst, dass sich der Staatsminister über die Entwicklung der Siegerprojekte informieren möchte, doch der Besuch verlief ein wenig anders: Der Minister wollte direkt mit den Jugendlichen im Vogelsbergkreis ins Gespräch kommen. Dennoch kam er kurz mit den Beteiligten auf das Projekt zu sprechen, lobte die Arbeit, die geleistet wurde. Auch vom Freiwilligenzentrum und dem Bürgergarten zeigte er sich begeistert.
Über 30 Jugendliche (Vetreter des Kreisjugendparlaments, der Stadtjugendparlamente und der Dekenatsjugend) hatten sich für das Gespräch mit Wintermeyer im Freiwilligenzentrum versammelt, um dem Chef der Staatskanzlei mitzuteilen, was sie hier im ländlichen Raum bewegt.

Als kleines „vorab-Geschenk“ gab es noch 500 Euro für das Freiwilligenzentrum, das seit Jahren zahlreiche Projekte in der Jugendarbeit unterstützt.
Ein großes Thema war wieder der ÖPNV. „Der ÖPNV ist ein Ding der Unmöglichkeit, teilweise müssen wir uns zu 180 in einen Bus quetschen, der für 100 Personen ausgelegt ist, manchmal kommt man nach der Schule gar nicht zurück in sein Dorf, teilweise sind die Fahrer sogar alkoholisiert“, betonte eine Jugendliche. Wintermeyer kennt das Problem, für ihn ist es kein unbekanntes Thema. Man sei stets bemüht, den ÖPNV durch Landes- und Bundesgelder zu stärken, „er hat sich in den letzten Jahren aber schon verbessert“, erklärte er.
Durch die hohe „Fahrzeugdichte hier im Vogelsbergkreis“, sei der ÖPNV generell nicht so stark frequentiert. Würde man beispielsweise weitere Haltestellen anbieten, dann würde sich dadurch auch die Fahrzeit wieder verlängern, dann dauere die Fahrt auf einmal 40 statt 20 Minuten. Auch Dr. Jens Mischak betonte, dass der Vogelsbergkreis sich gerade mit dem Thema intensiv auseinandersetzt: „Wir sind gerade wieder am Nahverkehrsplan zu Gange“. Er erzählte, dass man beispielsweise überlege eine Buslinie von Alsfeld nach Marburg einzuführen. „Ich wünsche mir auch, dass wir was verbessern“, sagte Mischak.

Ein Einblick in die Gesprächsrunde.
„Der Vogelsbergkreis ist da gar nicht so schlecht aufgestellt, wie man denkt“, sagte Wintermeyer. Allein 497 Haltestellen gebe es hier. „Was bringen mir die Haltestellen, wenn nur zwei Mal am Tag ein Bus fährt? Das ist doch nur eine Zahl auf einem Papier“, konterte ein Mädchen leicht verärgert.
Es war aber nicht nur der ÖPNV, der die Jugendlichen bewegte. Ein Mädchen merkte an, dass sie und ihre Freunde sich wünschen, einen Ort zu haben, wo man sich treffen, etwas unternehmen kann. „Es gibt nicht in jedem Dorf einen Jugendraum“, betonte sie. Stadtrat Heinrich Muhl nutzte direkt die Gelegenheit, um auf das dritte IKEK-Forum am 31. Oktober in Angenrod aufmerksam zu machen. Er lud die Kinder ein, sich daran zu beteiligen, ihre Wünsche zu äußern. In dem Jugendforum, das vor Kurzem stattfand, seien vier Projekte zustande gekommen und eines der Projekte setze sich auch mit dem Punkt „Jugendraum“ auseinander.

Den Vogelsbergkreis verlassen oder hier wohnen bleiben?
Nachdem man sich dann noch kurz über weitere Themen wie beispielsweise die Digitalisierung und den Breitbandausbau austauschte, machte sich der Staatsminister dann auch schon wieder auf den Weg – der nächste Termin stand an. Doch er wolle den Dialog mit den Jugendlichen hier im Vogelsberg weiter fortsetzen, sie dafür begeistern, sich immer wieder für das Land zu entscheiden.
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Ja, ach ja, wenn ein alter, äh erster Kreisbeigeordneter so ins Erzählen kommt. „Wir sind gerade wieder am Nahverkehrsplan zu Gange“. Das heißt, „dass man beispielsweise überlege, eine Buslinie von Alsfeld nach Marburg einzuführen.“ Wer überlegt so spät noch bei Nacht und Wind / Es ist der Mischak, der auf Verbesserung sinnt. Aber bitte eine F(l)ixbuslinie mit maximal drei Haltestellen, sonst fährt man das lieber in der halben Zeit mit dem eigenen Auto.
„Durch die hohe ‚Fahrzeugdichte hier im Vogelsbergkreis‘, sei der ÖPNV generell nicht so stark frequentiert.“ Weiß der messerscharf beobachtende 1. Kreisverkehrsbeigeordnete. Mmh. Gerangel um den Mangel, dumme Henne oder faules Ei?
WILLST ZUR HALTESTELLE LAUFEN DU NICHT LAUFEN / MUSST DU DIR ZWEI AUTOS KAUFEN. Was Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr keine Chance lässt.
Denn leere Busse, die oft überall halten / rechnen sich nicht, und es bleibt alles beim Alten.
Und ewig grüßt der Problembär/Erklärbär. Aber auch er weiß seit Jahrzehnten schon keine Lösung für eine Quadratur des Kreises, die sich in den Schwanz beißt. Und Mischak weiß auch keine. Und Wintermeyer hat seine hundert Bürgerbusse in ganz Hessen verteilt und jetzt sein ganzes Pulver verschossen. Aber jetzt erst mal das Gespräch mit den Jugendlichen. Die Botschaft: Der Vogelsbergkreis ist da gar nicht so schlecht aufgestellt, wie man denkt!“
Jugendpolitik ganz listig
Überrumplt mit Statistik
Fast 5 x 100 Haltestellen
Da muss das Herz ja überquellen
Wo auf dem abgehängten Lande
ÖPNV verläuft im Sande
Und macht der Bürgerbus mal Pause
Bleibt halt das Kind auch gern zu Hause
Und träumt der Eltern alten Traum
Von einem eigenen Jugendraum
Ja, Politik ist eine Schnecke
Auch wenn ich noch so oft IKEKE
Finger in’n Po und dran gerochen
Schön, dass darüber wir gesprochen
Und manches hat sich doch verbessert
(Was war das noch? Ich hab’s vergessert!)
Hauptsache dass, trotz aller Leiden
Genug Leut‘ sich fürs Land entscheiden.