
Studienfahrt auf historischen SpurenGeschichts- und Museumsverein Alsfeld erkundet Bad Hersfeld und Burg Herzberg
ALSFELD (ol). Die jährliche Studienfahrt des Geschichts- und Museumsvereins Alsfeld führte im August nach Bad Hersfeld und zur Burg Herzberg. Unter der Leitung von Matthias Nicolai beschäftigten sich die Teilnehmer mit der Geschichte der Stiftsruine, der Entwicklung Bad Hersfelds und dem Sternerbund. Auf Burg Herzberg gab Jochen Weppler Einblicke in die Geschichte und Sanierung der Anlage.
Die jährliche Studienfahrt des Geschichts- und Museumsvereins Alsfeld führte im August unter der Leitung von Matthias Nicolai nach Bad Hersfeld und anschließend zur Burg Herzberg. In Bad Hersfeld erfuhren die Teilnehmer viel Wissenswertes, zunächst ging es um die historische Bedeutung des Areals rund um die heutige Stiftsruine. Bereits in vorchristlicher Zeit war das Gebiet besiedelt; Grabfunde aus dem 7. Jahrhundert v. Chr. belegen dies eindrucksvoll, heißt es in der Pressemitteilung des Geschichts- und Museumsvereins Alsfeld.
Der Rundgang begann an der Stiftsruine, dem ehemaligen Kloster Hersfeld. Hier erfuhren die interessierten Gäste aus Alsfeld, dass der Mönch Sturmius genau da im frühen 8. Jahrhundert eine Einsiedelei gründete, bevor Bischof Lullus 769 ein Benediktinerkloster errichtete. Unter Karl dem Großen wurde Hersfeld zur Reichsabtei, was dem Kloster große wirtschaftliche und politische Bedeutung verlieh. Im Hochmittelalter erlebte es seine Blütezeit. Nach einem verheerenden Brand im 11. Jahrhundert entstand eine neue monumentale Kirche, die 1144 vollendet wurde – damals die größte romanische Kirche nördlich der Alpen.
Mit der Reformation verlor das Kloster an Einfluss; die geistliche Gemeinschaft löste sich auf, die Gebäude wurden fortan verwaltungstechnisch genutzt – ähnlich wie beim Augustinerkloster in Alsfeld. Im Siebenjährigen Krieg zerstörte ein erneuter Brand 1761 die große Kirche fast vollständig. Die beeindruckende Ruine bildet heute die Kulisse der Bad Hersfelder Festspiele und gilt als größte romanische Kirchenruine Europas.
Auf dem Weg wurde der Blick auf das Statuenensemble von Konrad Duden und Konrad Zuse gelenkt. Duden war einst Leiter der Klosterschule, Zuse baute in Bad Hersfeld die ersten Computer in Serie. Am Marktplatz erfuhren die Teilnehmer, wie sich Hersfeld aus der klösterlichen Gründung zu einem bedeutenden Markt- und Handelsplatz entwickelte. Die Lage an wichtigen Verkehrswegen – darunter die Straße Durch die kurzen Hessen – begünstigte den Aufstieg der Stadt. Wie in Alsfeld gewann die Bürgerschaft ab dem 14. Jahrhundert zunehmend Einfluss. Nach dem Stadtbrand von 1439 wurde Hersfeld im Stil der Renaissance wieder aufgebaut; selbst die Alsfelder Strebe findet sich an einigen Gebäuden.

Foto: Werner Weppler
Nach der Mittagspause führte die Fahrt zur Burg Herzberg. Matthias Nicolai erläuterte unterwegs den Sternerbund, einen Zusammenschluss von Adelsfamilien um 1370, der sich gegen die Machtpolitik der hessischen Landgrafen stellte. Die Burg Herzberg war ihr militärischer Stützpunkt und dank ihrer Lage an der Straße Durch die kurzen Hessen strategisch bedeutsam. Trotz Belagerungen wurde die Burg nie eingenommen.
Vor Ort begrüßte Jochen Weppler, Vorsitzender des GMV und seit 2013 mit der baulichen Betreuung der Anlage betraut, die Gruppe. Er erläuterte die Geschichte der Burg, deren Bau 1298 abgeschlossen wurde und die seit 1477 im Besitz der Familie von Dörnberg ist. Die Teilnehmer besichtigten Rittersaal, Gerichtsturm, Verlies, Wohnturm und Kapelle und erfuhren viel über historische Schäden und moderne Sanierungsmaßnahmen.
Die Teilnehmer zeigten sich von der gesamten Studienfahrt tief beeindruckt – von der Geschichte Bad Hersfelds ebenso wie von der eindrucksvollen Burg Herzberg. Mit großem Dank an Matthias Nicolai und Jochen Weppler endete der Tag, verbunden mit der Vorfreude auf die nächste gemeinsame Studienfahrt.
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