
Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule widmen sich Geschäftsideen von A bis ZZum Schuljahresende ein Startup gründen: 24 Ideen in 4 Tagen
LAUTERBACH (ol). In der letzten Woche vor den Ferien haben Schülerinnen und Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule eine Woche lang Geschäftsideen entwickelt und zum Abschluss einer fachkundigen Jury vorgestellt.
Ideen für ein Business haben heute schon viele Schülerinnen und Schüler. Inspiriert von Erfolgsgeschichten vor der Haustür oder in den sozialen Medien, können nicht wenige von ihnen sich vorstellen, früher oder später mit einem Angebot am Markt teilzunehmen. Doch die Idee ist nur der Anfang von allem und auch nur eine Seite der Medaille. Wie man sie umsetzen kann – vom Slogan über die Finanzierung bis hin zum Marketing -, damit konnten sich in der letzten Woche vor den großen Ferien die Schülerinnen und Schüler der E-Phase und der zehnten Klasse der Alexander-von-Humboldt-Schule (AvH) intensiv befassen, wie due Schule mitteilt.
Von der Idee zum Pitch wurde das Angebot im Rahmen der Berufsorientierung des Gymnasiums begleitet von Florian Albinger, Projektmanager bei der Region Fulda Wirtschaftsförderungsgesellschaft mbH und dort zuständig für Gründer. Aus Lauterbach nahm Jeremias Rockel von der zweikopf-Agentur an den Vorbereitungen bis zum Pitch am vorletzten Schultag teil – sein Unternehmen ist ein gelungenes Beispiel, wie eine Idee mit viel Herzblut, Knowhow, Leistungsbereitschaft und Mut wachsen und gedeihen kann. Von Seiten der AvH ist Studiendirektor Oliver Stoy verantwortlich für dieses Projekt, das in den hessischen Schulen seinesgleichen sucht: Eine Woche lang wurden Schülerinnen und Schüler zu Entrepreneuren.
Zum Auftakt der Woche begrüßte Stoy auch Andrea Ortstadt und Stefanie Feuerfeil von der Wirtschaftsförderung des Vogelsbergkreises, die mit ihrem Netzwerk den Workshop überhaupt erst möglich gemacht haben, sowie Michael Mutz aus dem Bereich Existenzgründung der Industrie und Handelskammer Gießen-Friedberg, der mit seinem Vortrag die Grundlagen für die Businesspläne gelegt hatte.

Studiendirektor Oliver Stoy ermutigte die Schülerinnen und Schüler, ihre Ideen zu präsentieren. Foto: T. Schlitt
Zu Beginn entwickelten die Sechzehn- bis Siebzehnjährigen in Kleingruppen ihre verschiedenen Geschäftsideen: Welches Angebot fehlt? Was könnte das Schulleben verbessern? Was passt zur Region? Welche Menschen könnte man damit erreichen? Die Schülerinnen und Schüler zeigten sich dabei nicht nur äußerst kreativ, sondern auch realitätsbezogen: Sie betrachteten die Demographie im Vogelsberg und entwickelten Hilfsangebote für ältere Menschen, beispielsweise im IT-Bereich oder bei Unterstützung im Alltag. Nachhaltigkeitsideen zum Retten von Lebensmitteln oder Mitfahrgelegenheiten hatten sie genauso im Portfolio wie Finanzberatung. Im Lauf der Woche entwickelten sie zu ihren Ideen Logos und Slogans, machten eine Marktbeobachtung und eine Kostenanalyse und informierten sich über die verschiedenen Finanzierungswege von Förderungen bis Franchising.
Am Ende entwickelten sie einen Pitch: Fünf Minuten hatten die Gruppen, um ihre Idee einem Expertengremium vorzustellen, das am Ende einen Sieger ermitteln würde. Zuvor jedoch wurden in den einzelnen Klassen die Ideen mit dem größtmöglichen Potenzial gewählt – die besten fünf stellten ihr Startup am vorletzten Schultag der Jury in der Aula vor. Besetzt war diese mit Florian Albinger, Bastian Fugmann (zweikopf-Agentur), Lea Baumbach (Netzfabrik Rudolf Baumbach, Hessischer Gründerpreis 2025) und Christian Wagner (Rotary Club Lauterbach-Schlitz). Sie bewerteten Faktoren wie die Geschäftsidee (Innovationsgrad, Realisierbarkeit, Regionalität), Business-Modell und Wirtschaftlichkeit (Einnahmequellen, Kostenstruktur, Wettbewerbsanalyse), Präsentation und Teamarbeit (Vortrag, Fragerunde, Rollenverteilung) sowie Kreativität und Design (Struktur des Pitches, visuelle Gestaltung und kreative Elemente).
Mit sichtlicher Freude, ganz viel Kreativität und Leidenschaft stellten sich die fünf Klassensieger der Jury: Zunächst lernte diese die „AlltagsEnkel“ kennen. Dieses Angebot ist als Hilfe für ältere Menschen in allen Fragen der Digitalität gedacht: Fotos verschicken, WhatsApp-Gruppen einrichten oder die Schrift vergrößern – für all das kann man sich an die AlltagsEnkel wenden, denn die Schülerinnen, die diese Idee sowohl analog als auch digital anbieten, wissen, dass es viele ältere Menschen in der Region ohne direkten Familienanschluss für kleine, schnellen Hilfen gibt.
Die zweite Gruppe möchte mit einer Rundum-Kamera den Kühlschrank überwachen und so verhindern, dass Lebensmittel unbemerkt ablaufen: Infos an die Besitzer mit den Ablauffristen sowie Rezeptvorschlägen und Einkaufslisten sollen den Alltag erleichtern und für Nachhaltigkeit sorgen. „Food Saver“ heißt ihre Idee, die für viele interessierte Nachfragen aus der Jury und der Schulgemeinde sorgte.
Die „Renties“, das Startup der dritten Gruppe, stehen für alles rund um den Alltag zur Verfügung, das ältere Menschen nicht mehr allein erledigen können: Gartenarbeit, Einkäufe, Arztbesuche, Fahrdienste – sie möchten das teilweise selbst anbieten und auch die Vogelsberger miteinander vernetzen, sodass man sich gegenseitig helfen kann. Abzurechnen könnte das Angebot über die Pflegekassen oder privat sein; in ihre Kosten hatten die Schüler auch die Anschaffung zweier Lieferwagen eingerechnet.
Weniger Warten in der Cafeteria
Der „Snack Point“ möchte die Cafeterien in den Schulen auf ein neues Level heben: Vorbestellung und Abholung in Regalen statt langer Schlangen in den Pausen. Gesundes, frisches Essen und Kartenzahlung. Hier merkte man deutlich, dass sie sich viele Gedanken gemacht hatten, um die Situation in den Schulkantinen zu verbessern, gar zu „revolutionieren“, wie sie in ihrer Präsentation versprachen. Als Finanzierungsmöglichkeit brachten sie Franchising ins Spiel – ein weiteres Indiz dafür, wie tief die Schülerinnen und Schüler in dieser Woche ins Businessleben eingestiegen waren.
Zu guter Letzt boten die „Five Tech“ ihre Dienstleitungen an. „Wir sind da“, versprachen sie ihren Kunden, und zwar mit Blick auf alles rund um die IT im privaten Umfeld: Von der Einrichtung eines neuen Tablets bis hin zu einem Heimnetzwerk wollen sie die Menschen unterstützen, die sich gut und sicher digital aufstellen wollen. Sie wollen dem Bedürfnis nach Face-to-Face-Betreuung entgegenkommen und somit auf die Vereinsamung und die Hilflosigkeit vieler Menschen nach der Pandemie und im Angesicht nutzloser Chatbots reagieren. Ihr Plus: Sie möchten mit ihrem eigenen Equipment und im Rahmen eines Nebengewerbes klein starten, dann langsam wachsen.
Dies war es dann auch, was am Ende den Ausschlag gab, wie Florian Albinger von der Jury am Ende des Pitches und der Beratungen der Experten bekanntgab: „Vierundzwanzig Ideen in vier Tagen – das war eine tolle Leistung“, sagte er. Alle Ideen, gerade die im finalen Pitch, seien extrem gut gewesen, mitunter besser, als man es auf professioneller Ebene manchmal sehe. Die Startups seien für die Region relevant, wirtschaftlich durchdacht und mit verschiedenen kleinen Verbesserungen durchaus realistisch.
In ihren kurzen Bewertungen der Pitches lobten die Jurymitglieder die Kreativität und die Leidenschaft, mit der die Schülerinnen und Schüler sich selbst in ihrer Freizeit noch um ihr Startup gekümmert hatten. Christian Wagner dankte der Schule dafür, dass sie den Schülerinnen und Schülern ein solches Format ermöglicht. Wie wertvoll dies nicht nur für die jungen Leute, sondern auch für die Wirtschaft in der Region ist, zeigt die Tatsache, dass alle Jurymitglieder auch im nächsten Jahr wieder dabei sein möchten und dieses innovative Angebot der Berufsorientierung unterstützen möchten.
Und das Format ist damit nicht zu Ende: Der Foundershub des Regionalmanagement Mittelhessen lädt die siegreichen Gruppen zu ihrem alljährlich stattfindenden Startup-Weekend Mittelhessen ein: Hier können sich die Schülerinnen und Schüler der AvH über zehn Freikarten freuen und ihre Gründungsideen im Mai nächsten Jahres zu einem tragfähigen Geschäftsmodell weiterentwickeln.
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