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Jubiläum der SelbsthilfegruppeFreundeskreis für Suchtkrankenhilfe Vogelsberg feiert 50-jähriges Bestehen

ALSFELD/OTTRAU (ol). Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Vogelsberg hat sein 50-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gästen gefeiert. Dabei wurde die Bedeutung der Selbsthilfe für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen hervorgehoben. Vertreter aus Politik, Verbänden und Kooperationspartner würdigten das langjährige ehrenamtliche Engagement der Gruppe.

„Fünfzig Jahre Suchtkrankenhilfe – das bedeutet fünfzig Jahre gelebte Hoffnung, gegenseitige Unterstützung und mutige Schritte in ein suchtfreies Leben.“ Unter dieser Gewissheit feierte der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Vogelsberg vor wenigen Tagen in der Steinmühle bei Ottrau sein 50-jähriges Bestehen, heißt es in der Pressemitteilung des Freundeskreises. Zahlreiche Mitglieder, Weggefährten sowie Vertreter verschiedener Gremien und aus der Politik waren der Einladung der Selbsthilfegruppe gefolgt, um gemeinsam auf Erreichtes zurückzublicken, sich auszutauschen und neue Kraft zu schöpfen.

Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Achim Geisel eröffnete Sylvia Bräuning den Tag mit einer Andacht. Sie ist selbst Mitglied im Freundeskreis und ausgebildete Lektorin der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Neben dem geistlichen Aspekt blickte Bräuning auf die Bedeutung des Freundeskreises für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen: „Jeder Austausch, jedes offene Wort und jede ausgestreckte Hand sind Bauteile einer Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die auch in schwierigen Zeiten trägt.“ Sie erinnerte an die Anfänge der Gruppe in Wohnzimmern, angetrieben von dem Wunsch, abstinent zu werden und zu bleiben. Inzwischen gibt es zwei Gruppen in Alsfeld und Homberg, die alle Suchtformen bearbeiten, den Mitgliedern eine Ausbildung zu Suchtkrankenhelfern ermöglichen, Gesprächsrunden und Eigenseminare anbieten sowie suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen in vielen Lebensbereichen unterstützen.

Auch Achim Geisel nutzte seine Ansprache, um auf die Geschichte der Selbsthilfegruppe im Vogelsberg einzugehen. Gegründet wurde sie am 27. April 1976 von Abhängigen und ihren Angehörigen in Alsfeld, von Beginn an als Mitglied im Diakonischen Werk Hessen und seit 1979 als Mitglied im Landesverband der Freundeskreise. Geisel freute sich besonders, mit Reinhold Kniese ein Gründungsmitglied und mit Walter Weitzel den langjährigen Vorsitzenden zu begrüßen; beide sind Ehrenvorsitzende. Im Laufe der Zeit bildeten sich weitere Gruppen im Vogelsberg, wobei der südliche Teil des Landkreises im Freundeskreis Lauterbach aktiv ist. Die Zahl der Aktivitäten wuchs, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation und Finanzierung mussten gestemmt werden. Seit dem Jahr 2000 arbeitet der Freundeskreis Vogelsberg eng mit dem Beratungszentrum Vogelsberg zusammen, dessen Räume auch genutzt werden. Aktuell hat der Verein 87 Mitglieder sowie monatlich etwa 150 Gruppenteilnehmer, führte Geisel aus. Eine Zahl, die deutlich macht, dass großer Bedarf besteht. Geisel dankte dem Diakonischen Werk und dem Landesverband der Freundeskreise für die Unterstützung bei Verwaltung, Finanzierung und Fortbildung. Aus dem Gedanken des Freundeskreises heraus sei heute ein Netzwerk der persönlichen Hilfe entstanden, das den Menschen in den Mittelpunkt stelle. Gleichzeitig verwies der Vorsitzende auf Herausforderungen durch den demografischen Wandel und Sparmaßnahmen im sozialen Bereich. Geisel abschließend: „Umso wichtiger ist es, eine Anlaufstelle für die Menschen zu haben, die ihre Sucht bekämpfen wollen, und Menschen zu finden, die mit ihnen den Weg zu einem gesunden, abstinenten Leben gehen.“

Für den Bundesverband der Freundeskreise war dessen Vorsitzender Ralf Vietze nach Ottrau gekommen. „Die Geschichte der Freundeskreise ist vor allem eine Geschichte von Menschen“, sagte er. Trost, Entlastung, Anerkennung und Perspektiven für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen seien ohne das ehrenamtliche Engagement in den Selbsthilfegruppen nicht möglich. Daher galt sein Dank besonders den Aktiven im Verein. Angesichts neuer Herausforderungen, unter anderem durch neue Suchtformen, gelte nach wie vor die Prämisse „Menschen brauchen Menschen“, so Vietze, der das Jubiläum als Zeichen dafür würdigte, dass Gemeinschaft trägt.

Thomas Steinhäuser, Vorsitzender des Landesverbandes, betonte, dass insbesondere der Freundeskreis Vogelsberg eine feste Größe im Landesverband sei, die unglaublich viel auf die Beine gestellt habe. Auf der Grundlage von Freundschaft und gegenseitigem Zuhören könne auch künftig viel erreicht werden.

Das Beratungszentrum als langjähriger Kooperationspartner war mit zahlreichen Mitarbeitenden vertreten. Dessen Leiter Peter Pfeiffer würdigte die Leistung all derjenigen, die „beweisen, dass man für ein tiefgründiges Gespräch, herzhaftes Lachen, gute Partys und echte Verbundenheit keine Promille braucht.“ Der Freundeskreis biete dauerhaften Zusammenhalt, wo man in Kneipen oft nur Kollegen für die Dauer eines vollen Glases finde. „Wir blicken auf fünfzig Jahre, in denen ihr Familien gerettet und gezeigt habt, dass Aufgeben keine Option ist. Ihr habt aus Stolpersteinen Meilensteine gemacht!“

Die Glückwünsche des Vogelsbergkreises überbrachte der Kreisbeigeordnete Hans-Jürgen Herbst. Das Jubiläum sei ein beeindruckendes Zeichen für Beständigkeit, gegenseitige Unterstützung und gelebte Solidarität. Die Arbeit in der Selbsthilfegruppe zeige, wie aus eigener Betroffenheit Verantwortung, Mitmenschlichkeit und engagierte Hilfe für andere erwachsen könne, sagte Herbst und unterstrich den ganzheitlichen Ansatz der Freundeskreise, die Familien miteinbeziehen. Mit all dem leiste der Freundeskreis einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft.

Die Reihe der Grußworte schloss Winnie Sell ab. Der ehemalige Leiter der Suchtkrankenhilfe der Diakonie Gießen ist der Vogelsberger Selbsthilfegruppe seit vielen Jahren verbunden und freute sich sichtlich, viele Bekannte wiederzutreffen. Auch dies – die Begegnung und der Austausch – waren Teil des Jubiläumstages. Ganz im Zeichen der Freundschaft konnten die Anwesenden gemeinsam essen, die Mühle entdecken, zusammensitzen, sich unterhalten, tanzen oder sich an einer clownesken Einlage erfreuen. Für alle Anwesenden wurde an diesem Tag deutlich: Die Gemeinschaft ist auch nach 50 Jahren noch lebendig.

Fotos: Freundeskreis Vogelsberg

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