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Katastrophenschutzeinheiten des DRK trainieren medizinische Versorgung unter realitätsnahen BedingungenDRK-Einheiten errichten Behandlungsplatz 50 bei Großübung in Storndorf

ALSFELD/STORNDORF (ol). Bei einer groß angelegten Katastrophenschutzübung haben zahlreiche ehrenamtliche Einsatzkräfte des DRK-Kreisverbandes Alsfeld in Storndorf einen sogenannten „Behandlungsplatz 50“ aufgebaut und betrieben. Angenommen wurde der Ausfall des Kreiskrankenhauses Alsfeld nach einem Bombenfund. Neben Sanitäts- und Betreuungseinheiten war auch die Personenauskunftsstelle eingebunden.

Auf Kommando des Kreisbereitschaftsleiters Henning Schmehl rückten am zweiten Mai-Wochenende zahlreiche Einheiten des DRK-Kreisverbandes Alsfeld zu einer groß angelegten Katastrophenschutzübung aus. Beteiligt waren unter anderem der Sanitätszug, der Betreuungszug sowie die Personenauskunftsstelle, heißt es in der Pressemitteilung des DRK. Ziel der Übung war der Aufbau und Betrieb eines sogenannten „Behandlungsplatzes 50“ (BHP 50) unter realitätsnahen Bedingungen. Das angenommene Szenario stellte die Einsatzkräfte vor eine besondere Herausforderung: Aufgrund eines Bombenfundes galt das Kreiskrankenhaus Alsfeld als nicht betriebsbereit. Damit musste innerhalb kürzester Zeit eine alternative medizinische Versorgungsstruktur geschaffen werden, um verletzte und erkrankte Menschen weiterhin behandeln zu können. Genau für solche außergewöhnlichen Schadenslagen ist der Katastrophenschutz vorgesehen.

Pünktlich um 8 Uhr erfolgte die Alarmierung aller beteiligten ehrenamtlichen Kräfte des Deutschen Roten Kreuzes. Nach und nach trafen die Helferinnen und Helfer am Sammelpunkt ein. Dort wurden sie zunächst mit Getränken versorgt, bevor der Einsatzauftrag ausgegeben wurde. Anschließend verlegten die Einheiten nach Storndorf, wo auf dem Festplatz an der Sportanalge der ein Behandlungsplatz aufgebaut werden sollte.

„Ein sogenannter Behandlungsplatz 50 – kurz BHP 50 – ist eine standardisierte sanitätsdienstliche Einrichtung des Katastrophenschutzes. Seine Aufgabe besteht darin, bei einem Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten eine geordnete medizinische Versorgung sicherzustellen. Die Zahl „50“ steht dabei für die Kapazität, bis zu 50 Patienten pro Stunde medizinisch zu versorgen,“ erklärt Henning Schmehl, Kreisbereitschaftsleiter des DRK KV Alsfeld e.V.

„Ein Behandlungsplatz kommt insbesondere dann zum Einsatz, wenn die regulären Kapazitäten des Rettungsdienstes oder der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen oder teilweise ausgefallen sind – beispielsweise bei Großschadenslagen, Naturkatastrophen, Evakuierungen oder größeren Unglücksfällen,“ ergänzt Marius B. Zimmer, Fachdienstbeauftragter Sanität beim DRK KV Alsfeld e.V.

Der BHP 50 gliedert sich dabei in mehrere Bereiche. Zunächst werden alle Patienten in einem sogenannten Sichtungsbereich registriert und medizinisch eingeschätzt. Dort wird entschieden, wie schwer die Verletzungen sind und welche Priorität die Behandlung hat. Anschließend erfolgt die Zuweisung in unterschiedliche Behandlungsbereiche. Diese reichen von leicht verletzten Personen bis hin zu schwerverletzten Patienten, die dringend medizinische Hilfe benötigen.

Ein solcher Behandlungsplatz arbeitet nach festen Strukturen der Katastrophenmedizin. Ziel ist es, trotz begrenzter Ressourcen möglichst vielen Menschen schnell und effektiv zu helfen. Unterstützt werden die Sanitätseinheiten dabei durch den 1. Betreuungszug, Führungs- und Dokumentationseinheiten, sowie die Personenauskunftsstelle des DRK.
Auch bei der Übung des DRK-Kreisverbandes Alsfeld wurde diese Struktur praxisnah umgesetzt. Insgesamt errichteten die Helferinnen und Helfer acht Einsatzzelte, die zum Teil aus der Eigenvorhaltung des DRK-Kreisverbandes Alsfeld sowie seiner Ortsvereine stammen. Bereits kurz nach Eintreffen der ersten Fahrzeuge begann der Aufbau des sogenannten Sichtungszeltes.

Dieses Zelt bildet das Herzstück eines Behandlungsplatzes. Dort werden alle eintreffenden Patienten zunächst untersucht und in verschiedene Kategorien eingeteilt. Dabei wird festgestellt, welche Verletzungen oder Erkrankungen vorliegen und welche medizinische Priorität notwendig ist. Gleichzeitig dient dieser Bereich dazu, jederzeit den Überblick über die Anzahl der Patienten und deren Zustand zu behalten.

Im Anschluss wurden weitere Behandlungszelte errichtet. Diese waren nach verschiedenen Versorgungsstufen gegliedert. So gab es Bereiche für leicht verletzte Personen, für schwer verletzte Patienten sowie für Menschen, die vor allem Betreuung oder Unterbringung benötigten. Zusätzlich mussten Materiallager, Behandlungsplätze, Aufenthaltsbereiche und technische Infrastruktur geschaffen werden.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Übung war die Sicherstellung der Stromversorgung für das gesamte Gelände. Hierzu wurden entsprechende technische Komponenten, wie zum Beispiel ein 60kvA Aggregat des Nieder-Ohmen, aufgebaut und in Betrieb genommen, um Beleuchtung, medizinische Geräte und Kommunikationsmittel zuverlässig betreiben zu können.

Die beiden Zugführer Marius Zimmer für den Bereich Sanität sowie Jan Niklas Decher für den Bereich Betreuung koordinierten gemeinsam ihre Einsatzkräfte und sorgten für einen reibungslosen Ablauf der einzelnen Arbeitsschritte. Unterstützt wurden sie durch zahlreiche ehrenamtliche Helferinnen und Helfer aus den verschiedenen Bereitschaften.

Personenauskunftsstelle als wichtiger Bestandteil

Ein weiterer bedeutender Bestandteil der Übung war die Einrichtung einer Personenauskunftsstelle unter der Leitung von Timo Schneider. Diese Einrichtung spielt insbesondere bei größeren Schadenslagen eine wichtige Rolle.
Die Aufgabe der Personenauskunftsstelle besteht darin, Informationen über betroffene Personen zu sammeln und Angehörigen Auskünfte zu erteilen. Gerade bei Evakuierungen, größeren Unglücksfällen oder Katastrophen ist dies ein wichtiger Baustein, um Menschen zusammenzuführen und Unsicherheiten zu reduzieren. Einigen wird die PaSt noch aus Kriegszeiten bekannt sein, um Angehörige zu finden. Die Gruppe befindet sich im Vogelsbergkreis nicht zuletzt aufgrund größerer Fluchtbewegungen nun wieder im Aufbau.

Im Eingangsbereich des Übungsgeländes wurde daher eine entsprechende Registrierungs- und Auskunftsstruktur aufgebaut. Hier wurden die angenommenen Patientendaten aufgenommen und dokumentiert. Die Koordination der gesamten Übung erfolgte parallel aus dem Einsatzleitwagen des DRK-Mücke.

Im weiteren Verlauf der Übung wurden mehrere Übungspatienten, darunter auch die Leitenden Notärzte Iva Fischer und Manfred Haas, durch die Sichtung geschleust und anschließend den jeweiligen Behandlungsbereichen zugewiesen. Die Leistungskräfte des Vogelsbergkreises wollten sich selbst ein Bild der schlagfertigen Katstrophenschutzeinheiten machen. Die Helferinnen und Helfer konnten so die
internen Abläufe realitätsnah trainieren und wichtige Erfahrungen für den Ernstfall sammeln.

Neben der medizinischen Versorgung stand vor allem die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachdienste im Mittelpunkt. Gerade bei größeren Schadenslagen ist ein eingespieltes Zusammenwirken aller Beteiligten entscheidend, um Menschen schnell und effizient helfen zu können.

Die Verantwortlichen zeigten sich mit dem Ablauf der Übung sehr zufrieden. Der Aufbau des Behandlungsplatzes verlief ruhig, strukturiert und zügig. Auch die Zusammenarbeit zwischen Sanitätsdienst, Betreuungsdienst, Technik und Personenauskunftsstelle funktionierte reibungslos.

Nach Abschluss der Übung wurde der komplette Behandlungsplatz zurückgebaut. Anschließend gab es für alle Einsatzkräfte noch eine gemeinsame Stärkung, bevor die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer die Rückfahrt zu ihren jeweiligen Unterkünften antraten.

Ehrenamt als tragende Säule des Katastrophenschutzes

Besonders hervorzuheben ist, dass sämtliche eingesetzten Kräfte ehrenamtlich tätig waren. Die Übung zeigte eindrucksvoll, wie wichtig das Engagement zahlreicher freiwilliger Helferinnen und Helfer für den Bevölkerungsschutz im Vogelsbergkreis ist.

Der DRK-Kreisverband Alsfeld stellt neben seiner Eigenvorhaltung unter anderem die Personenauskunftsstelle, die Drohneneinheit sowie weitere Komponenten des Katastrophenschutzes. Darüber hinaus besetzt der Kreisverband einen kompletten Sanitätszug und einen Betreuungszug im Vogelsbergkreis. Ergänzt werden diese Strukturen in einem solchen Szenario durch den DRK-Kreisverband Lauterbach, der ebenfalls einen Sanitäts- und Betreuungszug stellt, bei der Übung allerdings personell geschwächt fehlte.

Durch regelmäßige Übungen wie diese werden die Einsatzkräfte auf unterschiedlichste Schadenslagen vorbereitet. Gleichzeitig dienen solche Übungen dazu, bestehende Abläufe zu überprüfen, die Zusammenarbeit zu stärken und die Einsatzbereitschaft dauerhaft sicherzustellen.

„Gerade in außergewöhnlichen Lagen zeigt sich, wie wichtig ein funktionierender Katastrophenschutz ist. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer leisten hierbei einen unverzichtbaren Beitrag für die Sicherheit der Bevölkerung“, betonte der einer der anwesenden Organisatorischen Leiter Rettungsdienst des Vogelsbergkreises, Nils Freitag, abschließend.

Fotos: DRK Alsfeld

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