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Löschzug Mitte trainiert Menschenrettung in Lauterbacher NetzfabrikWenn Routine über Leben entscheidet

LAUTERBACH (ol). Der Löschzug Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Lauterbach hat in der Netzfabrik eine anspruchsvolle Einsatzübung durchgeführt. Angenommen wurde ein Gebäudebrand mit mehreren vermissten Personen und Menschenleben in Gefahr. Im Mittelpunkt standen Menschenrettung, Anleitern und das koordinierte Zusammenspiel der Einsatzkräfte unter realitätsnahen Bedingungen.

Die Netzfabrik in Lauterbach wurde kürzlich für einige Stunden zu einem Ort, an dem der Ernstfall greifbar wurde. Rauch drang aus dem Gebäude, Leitern wurden in Stellung gebracht, Einsatzkräfte bewegten sich konzentriert über den Hof und an der Fassade entlang. Was von außen wie ein realer Brandeinsatz wirken konnte, war eine geplante, aber bewusst fordernd angelegte Übung des Löschzugs Mitte.

Angenommen wurde eine Lage nach dem Einsatzstichwort F 3 Y – ein Brandereignis, bei dem Menschenleben in Gefahr sind. Insgesamt sieben Personen galten im Szenario als vermisst. Sie mussten durch die eingesetzten Trupps lokalisiert, betreut und aus dem Gefahrenbereich gerettet werden. Damit rückte jener Teil der Feuerwehrarbeit in den Mittelpunkt, der im Einsatzfall zu den schwierigsten Aufgaben gehört: die Menschenrettung unter Zeitdruck, unter eingeschränkter Sicht und unter körperlicher Belastung, berichtet die Lauterbacher Feuerwehr in einer Pressemitteilung.

Der Schwerpunkt der Übung lag auf dem Anleitern sowie auf der Rettung aus dem Gebäude unter erschwerten Bedingungen. Tragbare Leitern und die Teleskopmast wurden eingesetzt, um Zugangs- und Rettungswege zu schaffen. Parallel arbeiteten weitere Trupps die Lage im und am Gebäude ab. Dabei zeigte sich, wie eng im Feuerwehreinsatz Technik, Taktik und Vertrauen ineinandergreifen. Eine Leiter ist dann nicht nur Gerät, sondern Rettungsweg. Eine Rückmeldung über Funk ist dann nicht nur Information, sondern Orientierung. Und jeder Handgriff muss Teil eines größeren, abgestimmten Ablaufs sein.

Die Einsatzkräfte gingen die Lage strukturiert an. Zunächst galt es, das Objekt zu erkunden, Gefahrenbereiche einzuschätzen und die vermissten Personen zu lokalisieren. Anschließend wurden Trupps eingeteilt, Rettungswege festgelegt und die einzelnen Maßnahmen aufeinander abgestimmt. Besonders im Fokus stand dabei das Zusammenspiel der Kräfte: Wer sichert? Wer rettet? Wer hält Verbindung? Wer behält den Überblick, wenn sich eine Lage dynamisch entwickelt?

Insgesamt waren 29 Einsatzkräfte an der Übung beteiligt. Unterstützt wurden sie von mehreren Mitgliedern der Jugendfeuerwehr, die sich als verletzte beziehungsweise vermisste Personen zur Verfügung stellten. Dadurch gewann das Szenario zusätzlich an Realitätsnähe. Denn Übung bedeutet nicht nur, Geräte zu bewegen und Abläufe zu wiederholen. Übung bedeutet auch, Stress, Verantwortung und Entscheidungsdruck so weit wie möglich erfahrbar zu machen.

Übungsleiter Marvin Becker zeigte sich mit dem Verlauf zufrieden. Das gesetzte Übungsziel sei erfolgreich erreicht worden. Für den Löschzug Mitte war der Abend damit ein weiterer wichtiger Baustein in der kontinuierlichen Ausbildung – und zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, mit welcher Ernsthaftigkeit sich die Freiwillige Feuerwehr Lauterbach auf komplexe Einsatzlagen vorbereitet.

Denn wenn im Ernstfall Menschenleben in Gefahr sind, entscheidet nicht allein die vorhandene Ausrüstung. Entscheidend sind Ausbildung, Erfahrung, klare Kommunikation und das Vertrauen darauf, dass jeder im Team seine Aufgabe kennt. Genau dieses Zusammenspiel wurde in der Lauterbacher Netzfabrik eindrucksvoll trainiert: ruhig, konzentriert und mit dem Bewusstsein, dass aus Übung im entscheidenden Moment Sicherheit wird.

Fotos: Freiwillige Feuerwehr Lauterbach

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