Fokusthema1

Dr. Mischak im Gespräch mit Vogelsberger ApothekernApotheker an der Belastungs- und Altersgrenze?

VOGELSBERGKREIS (ol). Alle 27 Stunden wird irgendwo in der Republik ein Schlüssel umgedreht, eine Apotheke zum letzten Mal abgeschlossen. Niemand steht dort mehr um Mitternacht für den Apotheken-Notdienst bereit und berät am Vormittag wieder zu pharmazeutischen Fragen. Das berichten Apothekerinnen und Apotheker während eines Gesprächtermins in der Kreisverwaltung mit dem Ersten Kreisbeigeordneten Dr. Jens Mischak.

Im Vorfeld einer bundesweiten Protestaktion hatte der zuständige Dezernent Apothekerinnen und Apotheker zum Gespräch eingeladen. Der Anlass: Die aktuell sehr schwierige Situation, in der sich Apotheker in der gesamten Republik, und eben auch im Vogelsbergkreis wiederfinden.

Laut der Pressemitteilung des Vogelsbergkreises zeichnen sich auch bei den Apotheken Probleme ab, die ähnlich gelagert in vielen anderen Branchen diskutiert werden. Fachkräftemangel und dadurch Lücken in der medizinischen Versorgung, komplizierte Abrechnungsmodalitäten, schwierige politische Rahmenbedingungen, hohe Belastungen durch den Notdienst und hohe finanzielle Aufwendungen seien nur einige drängende Aspekte.

„80 Prozent der Apothekerinnen und Apotheker im Vogelsbergkreis sind älter als 50 Jahre – darunter auch einige, die mit weit über 70 oder 80 Jahren noch berufstätig sind“, ist aus den Reihen der Apotheker zu vernehmen. Und die Stimmung für die Zukunft sei getrübt, denn die aktuell „aufreibenden Rahmenbedingungen“ machten die Freude an eigentlich schönen Pharmazie-Berufen zunichte. Die Ausbildungen etwa zur Apothekerin oder zum Pharmazeutisch-Technischen-Assistenten (PTA) sei oft mit hohen Ausgaben verbunden und gerade bei PTAs seien die Wege hin zum schulischen Teil der Ausbildung sehr weit, berichtet eine Apothekerin. Auch das führe im ländlichen Raum zu Nachwuchssorgen.

„Um auch in diesem Zusammenhang die Versorgungssicherheit zu gewährleisten, müssen die Bundes- und Landesregierung die von den Apothekern aufgezeigten Probleme anpacken“, sagt Dr. Mischak. Nur so könnten die mehr als 20 Apotheken im Kreisgebiet auch in Zukunft gehalten werden, Nachfolger gefunden und Fachkräfte gewonnen werden, mahnt der Gesundheitsdezernent in Richtung zuständiger Stellen.

Reformen im Abrechnungssystem mit den Krankenkassen oder die Organisation des Apotheken-Notdienstes seien nur zwei Aspekte, um etwa den Kostendruck auf die Apotheken abzufedern, die Fachkräftesicherung zu erleichtern und Hürden für den Schritt in die Selbstständigkeit für junge Menschen abzubauen. Denn die Vergütung sei – trotz steigender finanzieller Belastungen – seit Jahren nicht angepasst worden, wie die Apotheker berichten.

Die Organisation des Notdienstes als weiteres Problemfeld

Der Trend der vergangenen Jahre gehe eher in die entgegengesetzte Richtung: Rabattverträge, etwa zwischen Herstellern und Krankenkassen, sorgten beispielsweise für die Verlagerung der Produktion ins Ausland, instabile Lieferketten oder gar dramatische Lieferengpässe. Denn es würden immer wieder Medikamente dorthin verkauft, wo Gewinne damit zu erzielen seien. Laut der Mitteilung mit gravierenden Folgen, denn „teilweise sind Menschen wegen eines Fieberzäpfchens oder -safts für Kinder stundenlang unterwegs, und fahren alle Notdienstapotheken zwischen Marburg und Fulda an“, berichtet ein Apotheker und verweist auf ein weiteres Problemfeld: Die Organisation des Notdienstes.

Während in anderen Bundesländern beispielsweise die Anzahl der Notdienste für Apotheken nach oben hin begrenzt sei und der Notdienstplan mittels Künstlicher Intelligenz optimiert würde, seien in Hessen sehr oft eng getaktete Notdienste mit hohen Belastungen zu finden. Auch komme es immer wieder vor, dass teilweise benachbarte Apotheken gemeinsam Notdienst hätten. Das bedeutete weitere Wege, wenn beide Apotheken nicht für den Notdienst eingeteilt sind.

Selbstverständlich sei es, dass Apotheker wichtiger Bestandteil der medizinischen Versorgung der Region sind, doch die vielen bürokratischen Hürden, der Kostendruck, fehlender Nachwuchs, Lieferengpässe und hohe finanzielle Risiken durch Abrechnungsmodalitäten der Krankenkassen erschwerten es den Apotheken, ihren Kernaufgaben nachzukommen.

„Zum Wissenstransfer und zum Austausch hat daher der Vogelsbergkreis bereits einen Dialog gemeinsam mit der Ärzteschaft in der Region initiiert, der auch in Zukunft weitergeführt wird“, kündigt Gesundheitsdezernent Dr. Mischak an. Auch werde er die Sorgen und Nöte, die die Apotheker beim bundesweiten Protest am Mittwoch thematisierten, im Gesundheitsausschuss des Hessischen Landkreistags auf die Agenda setzen und „die Problematik bei Mandatsträgern auf Landes- und Bundesebene thematisieren“, stellt er abschließend klar.

Ein Gedanke zu “Apotheker an der Belastungs- und Altersgrenze?

  1. Als Bürger dieses Landes hat man das gefühl das die Damen und Herren in Berlin die Menschen vergessen haben. Für Waffen und alles mögliche ist Geld da aber für alte Menschen und Kinder nicht.In der Welt umher Fliegen ung Geld verschenken das können sie gut.

    35
    10

Comments are closed.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren