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Bisher keine Corona-Fälle im VogelsbergMischak fordert „Fieber-Ambulanzen“ im Kampf gegen Coronavirus

VOGELSBERG (ls). Erst war das Coronavirus weit weg, dann hat es Deutschland erreicht und mittlerweile steigen die Zahlen an Infizierten im ganzen Land. In Hessen selbst gibt es mittlerweile zwölf bestätigte Fälle – und auch im Vogelsberg gab es Anfragen, die sich allerdings nicht erhärtet haben. „Bislang ist niemand im Vogelsbergkreis an Corona erkrankt“, erklärte Gesundheitsdezernent Dr. Jens Mischak und fordert im Kampf gegen das Virus „Fieber-Ambulanzen“.

Täglich steigt die Anzahl an Corona-Infizierten auf der ganzen Welt. Auch wenn sich der Brennpunkt noch immer in China befindet, breitet sich das Virus weiterhin aus – auch in Deutschland. Laut Informationen des Robert-Koch-Instituts ist das Virus mittlerweile in jedem deutschen Bundesland angekommen, ausgenommen von Sachsen-Anhalt. Weiterhin gilt Nordrhein-Westfalen mit 111 bestätigten Infizierten, überwiegend im Kreis Heinsberg, als Hochburg. Aus Heinsberg kommen unterdessen Hilferufe von Hausärzten, die die medizinische Situation mittlerweile als dramatisch beschreiben: Sie eskaliere und nehme bedrohliche Ausmaße an. Auch die Anzahl der Infizierten in Hessen ist mittlerweile auf insgesamt zwölf Fälle gestiegen.

Zwei Mal in der Woche tagt nun mittlerweile der Krisenstab des Bundesinnenministeriums und Bundesgesundheitsministeriums, die nächste Sitzung findet an diesem Mittwoch statt. Bei der zweiten Sitzung des Krisenstabs am 28. Februar gab Prof. Wieler vom Robert Koch-Institut bekannt, dass das Risiko für die Bevölkerung aktuell als „mäßig“ eingeschätzt wird, das Risiko für die Gesellschaft sei zwar gestiegen, doch die Gefahr für den Einzelnen sei weiterhin nicht groß.

Die ersten Auswirkungen hat man am Wochenende auch im Vogelsberg gespürt. Wer einkaufen war staunte teils nicht schlecht, denn bestimmte Lebensmittel und Produkte waren ausverkauft, stattdessen fand man nur leere Regale vor. Der Verdacht lag nahe, dass viele Menschen aus Angst vor dem Coronavirus Vorräte angelegt haben. Infektionen gibt es im Vogelsberg allerdings noch nicht, wie das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises auf Anfrage von Oberhessen-live in einer Pressemitteilung bekannt gibt.

„Fieber-Ambulanzen“ sollen aufgebaut werden

„Bislang ist niemand im Vogelsbergkreis an Corona erkrankt“, erklärte Dr. Jens Mischak, Gesundheitsdezernent laut der Pressemitteilung. An das Gesundheitsamt wurden zwar einige Anfragen gerichtet, doch der Verdacht habe sich nicht erhärtet. Die Fragen nach einer genauen Anzahl der Verdachtsfälle im Kreisgebiet und ob diese Fälle getestet wurden und entsprechend negative Testergebnisse haben, wurde dabei vom Kreis nicht explizit beantwortet.

Mischak, der am Mittwoch an einem Treffen hessischer Gesundheitsdezernenten im Sozialministerium in Wiesbaden teilgenommen habe, erklärte nach der Zusammenkunft: „Ich fordere die Kassenärztliche Vereinigung dazu auf, ‚Fieber-Ambulanzen‘ im Rahmen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes aufzubauen, um die niedergelassenen Hausarztpraxen auf der einen Seite zu entlasten und auf der anderen Seite auch zu schützen. Die Gesundheitsämter haben nicht die Aufgabe der individuellen Testung, sondern der Eindämmung, Beratung und Überwachung im Rahmen des Öffentlichen Gesundheitswesens.“

Wichtige Fragen und Antworten im Überblick

Was Bürger im Moment zu beachten haben, wie sich schützen können, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt – Antworten auf diese und weitere Fragen sind in der folgenden Übersicht durch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zusammengestellt.

Ich befürchte, mich angesteckt zu haben. Wo kann ich mich testen lassen?

Nicht nur in Krankenhäusern, auch in Arztpraxen werden seit Ende vergangener Woche Corona-Tests durchgeführt. Bevor Patienten eine Praxis aufsuchen, sollten sie sich aber unbedingt anmelden, teilt das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises mit. Gleiches gilt für den Besuch in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Falls in einzelnen Arztpraxen eine zeitnahe Testung beziehungsweise medizinische Versorgung von COVID-19 Patienten nicht möglich ist, kann diese über die Terminservicestelle unter der Telefon-Nummer 116117 organisiert werden.

Das Gesundheitsamt des Vogelsbergkreises ist Montag bis Donnerstag zwischen 8 und 16.30 Uhr und Freitag zwischen 8 und 12 Uhr unter der Telefon-Nummer 06641/977-170 zu erreichen. Außerhalb der Dienstzeiten läuft eine Bandansage. Das Hessische Ministerium für Soziales und Integration (HMSI) hat eine  Hotline eingerichtet, besorgte Patienten empfehlen können sich unter 0800 5554666 (täglich von 8 bis 20 Uhr) informieren.

Auf welche Symptome muss ich achten?

Eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus führt nach Information der WHO zu Krankheitszeichen wie Fieber, trockenem Husten und Abgeschlagenheit. In China wurden bei einigen Erkrankten auch Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen und Schüttelfrost berichtet. Bei einigen Erkrankten traten zudem Übelkeit, eine verstopfte Nase und Durchfall als Krankheitszeichen auf.

Wer ist besonders gefährdet?

Bei den bisherigen Erkrankungsfällen verliefen nach Informationen der WHO vier von fünf Erkrankungen mild. Bei einem Teil der Betroffenen kann das Virus zu einem schwereren Verlauf mit Atemproblemen und zu Lungenentzündungen führen. Das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf und Tod haben den Daten aus China zufolge Menschen über 60 Jahre und Menschen mit Grunderkrankungen. Die meisten Todesfälle traten in China bei den über 80-Jährigen auf, Männer waren häufiger betroffen als Frauen. In Deutschland sind noch keine Todesfälle aufgetreten.

Bei Kindern scheint die Erkrankung laut WHO vergleichsweise selten aufzutreten und dann mild zu verlaufen. Schwere oder gar kritische Verläufe wurden nur bei einem sehr kleinen Teil der betroffenen Kinder und Jugendlichen beobachtet. Schwangere scheinen der WHO zufolge kein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu haben.

Wie wird das Coronavirus übertragen?

Das neuartige Corona Virus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Diese Übertragung kann direkt von Mensch zu Mensch erfolgen, wenn Virus-haltige Tröpfchen an die Schleimhäute der Atemwege gelangen. Auch eine indirekte Übertragung über die Hände, die mit der Mund- oder Nasenschleimhaut sowie mit der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden, ist möglich. Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Wie viele Menschen sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben und keine Krankheitszeichen zeigen, ist bisher unklar. Laut Angaben der WHO und Informationen aus China spielt die Übertragung des Virus von Personen, die keine Krankheitszeichen zeigen, jedoch bei der Verbreitung des neuartigen Coronavirus keine größere Rolle.

Die neuartigen Coronaviren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob das Virus auch über den Stuhl verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Für den Ausbruch in China scheint dieser Übertragungsweg nach Angaben der WHO jedoch keine Rolle zu spielen.

Wie lange dauert die Inkubationszeit?

Derzeit wird davon ausgegangen, dass es nach einer Ansteckung bis zu 14 Tage dauern kann, bis Krankheitszeichen auftreten. Laut WHO beträgt diese sogenannte Inkubationszeit im Durchschnitt fünf bis sechs Tage.

Wie kann ich mich schützen?

Wie bei Influenza und anderen Atemwegserkrankungen schützen das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette, eine gute Händehygiene, sowie Abstandhalten zu Erkrankten (etwa 1 bis 2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit angeraten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Nicht alle Erkrankungen nach Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verlaufen schwer, auch bei den meisten in China berichteten Fällen war der Krankheitsverlauf mild. Im Zentrum der Behandlung der Infektion stehen die optimalen unterstützenden Maßnahmen entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes. Eine spezifische, d. h. gegen das neuartige Coronavirus selbst gerichtete Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung.

Warum müssen Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne?

Eine weitere Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland soll so weit wie möglich verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Hierfür ist es notwendig, die Personen, die Kontakt zu Menschen hatten, bei denen das Virus im Labor nachgewiesen wurde, möglichst lückenlos zu identifizieren und ihren Gesundheitszustand für die maximale Dauer der Zeit, die zwischen einer Ansteckung und dem Auftreten von Krankheitszeichen (14 Tage) liegt, in häuslicher Quarantäne zu beobachten. In dieser Zeit ist das Gesundheitsamt mit den Betroffenen täglich in Kontakt, um den Gesundheitszustand zu beobachten und rasch zu handeln, falls Krankheitszeichen auftreten sollten. Gleichzeitig werden die Kontakte der Betroffenen auf ein Minimum reduziert, damit das Virus im Zweifelsfall nicht weiterverbreitet werden kann.

Für Kontaktpersonen legt das Gesundheitsamt im Einzelfall das konkrete Vorgehen fest. Zu den Empfehlungen kann gehören, zu Hause zu bleiben, Abstand zu anderen Personen zu halten sowie auf eine gute Belüftung der Wohn- und Schlafräume zu achten und Haushaltsgegenstände wie beispielsweise Geschirr und Wäsche nicht mit anderen zu teilen, ohne diese Gegenstände zuvor wie üblich zu waschen. Wenn die Möglichkeit besteht, sollte ein eigenes Badezimmer genutzt werden. Hygieneartikel sollten nicht geteilt werden und die Wäsche sollte regelmäßig und gründlich wie üblich gewaschen werden. Das Einhalten der Husten- und Nies-Etikette, die Benutzung von Einwegtaschentüchern beim Naseputzen und regelmäßige Händehygiene sind wichtig, damit die Viren im Falle einer tatsächlichen Ansteckung nicht unnötig in der Umgebung verteilt werden.

Angehörige können die Kontaktperson im Alltag zum Bespiel durch Einkäufe unterstützen. Enger Körperkontakt sollte vermieden werden. Auch können sie helfen, indem sie für gute Belüftung der Wohn- und Schlafräume sorgen und auf regelmäßige Händehygiene achten. Oberflächen, mit der die betroffene Person in Berührung kommt, wie beispielsweise Tische oder Türklinken, sollten regelmäßig mit Haushaltsreiniger gereinigt werden.