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Diakonisches Werk Vogelsberg legt Statistik 2019 vorSteigende Beratungszahlen überwiegend in Familienangeboten und bei geflohenen Menschen

VOGELSBERG (ol). „Im Jahr 2019 haben 1.969 Menschen in den unterschiedlichen Arbeitsgebieten in Alsfeld und Lauterbach die Angebote des Diakonischen Werkes Vogelsberg zur Beratung und zur Begleitung wahrgenommen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Anzahl der Klienten um weitere 300 Menschen angestiegen“, berichtet die Leiterin des Diakonischen Werks Vogelsberg, Martina Heide-Ermel. Vor kurzem wurde bei der Vogelsberger Diakonie die Statistik von 2019 vorgelegt.

Das, so aus der Pressemitteilung der Diakonie, sei auf die Weiterführung Arbeitsgebiete, einmal der Flüchtlingsverfahrensberatung und Gesundheitsförderung von Müttern, Vätern und pflegender Angehöriger zurückzuführen. Andererseits seien die Zahlen in den anderen Arbeitsgebieten wie Wohnungslosennotfallhilfe, Familien- und Erziehungsberatung auch weiter gestiegen. „Auch aus dem offenen Treffpunkten wie Familienfrühstück und Bewerbertraining für Geflohene und Migranten finden Menschen Zugang zu den differenzierten Angeboten der Beratungsstelle“, bewertete Diakonie-Leiterin Martina Heide-Ermel die Jahresergebnisse.

Die Kontakthäufigkeit der einzelnen Klienten bliebe konstant hoch. Der höchste Bedarf an Beratungen lag auch im vergangenen Jahr weiterhin im Bereich Familien. Das resultiere aus den großen Belastungssituationen und Anforderungen, die der Alltag an sie stellt. Dem Druck und den Stresssituationen, die sich aus existenziellen Belastungen in finanzieller und psychischer Hinsicht ergeben, sei eine Vielzahl der Menschen nicht mehr gewachsen.

111 Frauen und Paare bei der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung

Umfangreiche und kompetente Beratung und Unterstützung erhalten Schwangere in Alsfeld sowie in Lauterbach. In der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung wurden 111 Frauen und Paare beraten. „Wie in den letzten Jahren konnten wieder Zuschüsse für viele Frauen und Familien aus der Bundesstiftung „Mutter und Kind“ vermittelt werden. Hier handelt es sich um eine einkommensabhängige Beihilfe, die nicht zurückgezahlt werden muss“, erläuterte Martina Heide-Ermel.

189 Beratungen wurden von Frauen und Männern im Rahmen der Gesundheitsförderung wahrgenommen. Ein Großteil konnte in Mutter/Vater-Kind-Kurmaßnahmen vermittelt werden. „Viele Klientinnen und Klienten in diesem Beratungsbereich kommen auf Anraten von Krankenkassen und Ärzte zum Diakonischen Werk. Hier ist die Tendenz, dass die Zahlen weiterhin so hoch bleiben bzw. ansteigen werden“, prognostizierte Martina Heide-Ermel, „da gerade der Druck, der auf Familien mit Kindern lastet, wie eingangs beschrieben noch ansteigen wird.“

Die Anzahl der wohnungslosen Frauen erheblich gestiegen

Ein weiterer Schwerpunkt in der Arbeit des Diakonischen Werks Vogelsberg ist die Wohnungsnotfallhilfe. Menschen ohne festen Wohnsitz können in Alsfeld das Übergangswohnheim La Strada nutzen. Dort befindet sich auch die Fachberatungsstelle als Anlaufstelle für wohnungslose oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen, ein Tagesaufenthalt mit Küchennutzung und Betreutes Wohnen. In diesem Bereich wurden 410 Menschen mit vielfältigen Hilfsangeboten unterstützt (darunter 112 wohnungslose Frauen).

Die Anzahl der wohnungslosen Frauen ist in den letzten Jahren erheblich angestiegen. Ein deutlicher Trend, dass die Zahlen der wohnungslosen Menschen zunehmen, spiegelt sich auch hier im ländlichen Raum wieder. Besonders zu erwähnen sind auch die Kontakte, die durch die Auszahlung der Tagessätze und die Bereitstellung von Bekleidung (Ausgabe aus der Kleiderkammer) bestehen. Daneben ist eine umfassende Nachbetreuung im Bereich des Betreuten Wohnens für eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sowie zur Inklusion in die Gesellschaft notwendig.

„Immer weniger Menschen flüchten vor Verfolgung nach Deutschland“

Verfahrensberatung in der Flüchtlingsarbeit wird in Lauterbach und in Alsfeld mit einer je 0,5 Stelle angeboten. „Immer weniger Menschen flüchten vor Verfolgung nach Deutschland. Doch auch diejenigen, die schon Jahre im Land sind, brauchen Hilfe im Umgang mit Behörden“, erläuterte Heide-Ermel die Beratungszahlen an den Standorten Lauterbach (222 Menschen) und Alsfeld (203 Menschen). In Kooperation mit dem Dekanat Vogelsberg und dem Caritasverband werde eine gemeinsame offene Sprechstunde in Alsfeld praktiziert. Ein weiteres offenes Unterstützungsangebot besteht für Männer (im Asylverfahren und in der Migration) bei der Arbeitssuche.

Drei freiwillig Engagierte unterstützen weiterhin Migranten Bewerbungsunterlagen zu erstellen oder bereits vorhandene Bewerbungsunterlagen zu überarbeiten sowie im Internet freie Stellen zu recherchieren. Dieses Angebot besteht nun schon seit 1,5 Jahren und findet mittwochs von 14.30 Uhr bis 16 Uhr statt.

„Seit 8 Jahren führen wir Beratung bei Häuslicher Gewalt („DIA log“) durch“, beschrieb Martina Heide-Ermel, „die Fallzahlen sind konstant geblieben. Das Angebot hat mittlerweile einen hohen Bekanntheitsgrad im Vogelsberg und darüber hinaus in andere Arbeitskreise und –angebote des Landkreises integriert.“ Eine große Anzahl der Zuweisungen erfolgt über Familiengerichte und Jugendamt, gefolgt von Auflagen der Polizei, aber auch durch Selbstmeldung finden gewalttätige Männer den Weg in die Beratungsstelle.

Zur Präventionsarbeit im Rahmen der Häuslichen Gewalt wurde in 2019 wiederholt eine Vortragsreihe zum Thema „Gewaltfreie Kommunikation“ unterteilt in sechs themenunabhängige Module angeboten.

Ziel: Ein Netzwerk im Vogelsberg schaffen

Die Vernetzungs- und Informationsarbeit ist in diesem Arbeitsfeld weiterhin von großer Bedeutung. Der Ausbau der Kontakte zu Schulen, Behörden wie Polizei und Kreis dient dazu, das Arbeitsgebiet bekannter zu machen und einen Bewusstseinsprozess der Menschen dahingehend einzuleiten, dass Gewalt keine Lösung für Probleme darstellt.

Das am 1. Januar 2016 gestartete DRIN Projekt „Dabeisein – Räume entdecken – Initiativ werden – Nachbarschaft leben“ im Bereich der Gemeinwesendiakonie des Diakonischen Werk Vogelsberg wurde nach Abschluss des 3. Qualifzierungskurses in Altenschlirf abgeschlossen und beendet. „Hier wurden 10 Teilnehmende von der Altenseelsorgerin des Dekanats Vogelsberg und der Sozialarbeiterin aus dem Diakonischen Werk Vogelsberg geschult“, teilte Heide-Ermel mit und bedauere: „Leider war es in den 3 Jahren nicht möglich finanzielle Unterstützung durch Kommune, Landkreis, Land und Kirche zu erhalten, um die Nachhaltigkeit des Projektes zu sichern.“

Zum gestarteten Projekt AGIL – aktiv geht’s immer leichter“ in 2018 berichtet Heide-Ermel: „In Zusammenarbeit mit der Diakonie Hessen und dem Landessportbund Hessen e.V. sind Übungen für Senioren entwickelt, die Muskelkraft, Balance und die Koordination trainieren. Diese Übungen werden in Form von handlichen Karten an die Adressaten weitergegeben. Sportmedizinische Studien zeigen, dass bereits kleine, kurze und täglich durchgeführte Übungen bereits nach kürzester Zeit bemerkenswerte Effekte erzielen – und dies auch bei Menschen, die sich bislang nicht regelmäßig bewegt haben.“

In Lauterbach und in Alsfeld haben sowohl ehrenamtlich Engagierten als auch hochaltrige Senioren die Möglichkeit, am Projekt teilzunehmen. Das Ziel sei es, ein Netzwerk aus Nachbarschaftshilfen, Kirchengemeinden, Besuchsdiensten und Interessierten im Vogelsberg aufzubauen, um ein wohnumfeldnahes „Trainieren“ für Senioren zu ermöglichen und Vereinsamung vorzubeugen.

Dabei können die ehrenamtlich Engagierten (Multiplikatoren) lernen, wie sie Senioren in den Übungen anleiten und somit zur Bewegung aktivieren können. Die meist alleinlebenden Senioren erhalten dadurch regelmäßig Besuch der Ehrenamtlichen und tun nebenbei etwas für ihre Gesundheit. „Interessierte können sich für den Schulungskurs am 7. März in Lauterbach anmelden“, warb Heide-Ermel. Die beiden Kurse in 2019 seien außerordentlich gut besucht gewesen.

Schweigepflicht werde sehr ernst genommen

Seit April 2019 findet in den Räumen des Diakonischen Werks ein Familienfrühstück statt. Das Angebot richte sich an alle Menschen/Familien, die andere kennenlernen, sich zu verschiedensten Themen austauschen oder informieren wollen. Die Treffen stehen in der Regel unter einem Thema und finden an dem Vormittag statt, an dem im Haus gleichzeitig eine offene Sprechstunde angeboten wird. So können die Menschen sich gleich einen Termin geben lassen oder mit ihren Fragen eine Beratung wahrnehmen.

Die Mitgestaltung der sozialpolitischen Landschaft im Vogelsbergkreis ist Auftrag und Anliegen des Diakonischen Werks Vogelsberg. So wurde in über 40 kirchlichen, sozialpolitischen und gemeinwesenorientierten Gremien aus den vielfältigen Arbeitsbereichen mitgearbeitet. Als evangelischer Wohlfahrtsverband könne das Diakonische Werk Beratungen kostenfrei anbieten, die Vertraulichkeit sei selbstverständlich. Daneben sei die Beratung konfessionsunabhängig.

Abschließend wies Martina Heide-Ermel nochmals darauf hin, dass hilfesuchende Menschen sich darauf verlassen könnten, dass die Schweigepflicht sehr ernst genommen werde, die Beratungen kostenfrei seien und alle Menschen die Beratungen in Anspruch nehmen können, unabhängig ihrer Konfession.

Ein Gedanke zu “Steigende Beratungszahlen überwiegend in Familienangeboten und bei geflohenen Menschen

  1. Immer wieder das alte Lied! Die „Mitgestaltung der sozialpolitischen Landschaft im Vogelsbergkreis“ besteht darin, ständig neue Projekte ins Leben zu rufen, sobald seitens der Kirche Gelder für eine Anschubfinanzierung zur Verfügung stehen oder Fördermittel aus EU, Bund oder Land fließen. Bestes Beispiel:
    „Das am 1. Januar 2016 gestartete DRIN Projekt ‚Dabeisein – Räume entdecken – Initiativ werden – Nachbarschaft leben‘ […] wurde nach Abschluss des 3. Qualifzierungskurses in Altenschlirf abgeschlossen und beendet […], teilte Heide-Ermel mit und bedauer[t]e: ‚Leider war es in den 3 Jahren nicht möglich, finanzielle Unterstützung durch Kommune, Landkreis, Land und Kirche zu erhalten, um die Nachhaltigkeit des Projektes zu sichern.'“
    An sinnvollen Einsatzmöglichkeiten für Ehrenamtliche besteht kein Mangel. Gerade allein stehende Senioren können Zuwendung durch „Besuchsdienste“ und Angebote zur geriatrischen Prophylaxe gut gebrauchen. Und dann wird mit großem Tamtam wieder irgend ein Programm aus der Taufe gehoben, das diesen Menschen ein paar Monate oder Jahre mitmenschliche Zuwendung zuteil werden lässt, aber sofort eingestellt wird, wenn die finanziellen ZUWENDUNGEN auslaufen. Sowohl für die teilnehmenden Senioren als auch für die Ehrenamtlichen, die viel Zeit in Schulungen und in Hausbesuche investieren, ist dies ein unerträglich frustrierender Zustand. Und nach jedem abgebrochenen Projekt werden neue Forderungen laut, man möge doch etwas gegen die Vereinsamung älterer Mitbürger unternehmen und durch haushaltsnahe Dienstleistungen dafür sorgen, dass sie so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden leben können. Wie lange noch will man die betroffenen Bürger an der Nase herum führen?

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