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Appell von Verkehrswende-Initiativen für vom Weiterbau der A49 betroffene MenschenDannenröder Appell: Ein Votum für ein „besseres Ende der A49“

HOMBERG OHM (ol). Zur Bewahrung stabiler klimatischer Lebensbedingungen für die Menschen ist die Notwendigkeit einer grundsätzlichen Veränderung der Lebensgewohnheiten unbestreitbar. Dazu bedarf es auch einer grundlegenden Neuausrichtung der Verkehrspolitik. Das jedenfalls finden diverse Verkehrswende-Initiative, die mit dem „Dannenröder Appell“ ein Votum für den Schutz der existentiellen Lebensgrundlagen fordern.

„Wir verlangen in Anbetracht des immer nachdrücklicher wirkenden Klimanotstandes ein bundesweites Straßenbau-Moratorium und schlagen anstelle des Weiterbaus der A49 eine Ertüchtigung des vorhandenen Straßennetzes vor“, fasste Barbara Schlemmer aus Homberg Ohm den sogenannten „Dannenröder Appell“ zusammen. Die Mitinitiatorin des inzwischen von 27 Verkehrswende-Initiativen unterzeichneten Appells stellt vor allem die von den entlang der A49-Strecke von Edermünde bei Kassel bis in den Vogelsberg aktiven Bürgerinitiativen entwickelten Idee „für ein besseres Ende der A 49“ heraus.

„Denn natürlich bedarf es trotz eines Stopps des A49-Weiterbaus eines verkehrsgerechten Überganges vom Ende des aktuellen Bauabschnitts bei Schwalmstadt in das nach Süden anschließende Netz“, stellte Jörg Haafke, Sprecher der Initiative „Schwalm ohne Autobahn“ heraus. Er verweist, so aus der Pressemitteilung, dabei insbesondere auf die bestehenden Probleme in den Bundestraßen-Ortsdurchfahrten von Neustadt sowie Schwalmstadt- Wiera. „Daher gehört eine Umfahrung dieser beiden Orte, möglicherweise sogar im Verlauf der geplanten A 49-Trasse für uns zu den Notwendigkeiten eines geordneten Stopps des Weiterbaus der Autobahn“, erläutert Haafke.

Dannenröder Appell bereits von 21 Initiativen unterzeichnet

Diese Umfahrung könne westlich von Neustadt an die bestehende B454 angebunden werden. Weitere punktuelle umweltverträgliche Optimierungen im nach Süden folgenden Straßennetz sowie im Verlauf der in Höhe Kirchhain kreuzenden Ost-West-Bundesstraße B62 als auch im Verlauf der Bundesstraße B3 gehören ebenfalls zu dem Alternativpaket der Bürgerinitiativen. Über solche Maßnahmen soll unter Einbindung der jeweils betroffenen Kommunen entschieden werden.

Die Vorteile würden dabei klar auf der Hand liegen:

    • Die wertvollen Waldbestände bei Dannenrod und im Herrenwald könnten erhalten bleiben.
    • Das Trinkwasserschutzgebiet im Gleental bliebe geschützt.
    • Kirchhain und Stadtallendorf erhielten durch den zielgerichteten Ausbau der bestehenden Fernstraßen eine dennoch leistungsfähige Anbindung an das überregionale Fernstraßennetz.
    • Und Marburg und Homberg (Ohm) hätten keine Mehrbelastungen zu befürchten.
    • Die Verkehrsbelastungen in Treysa, Neustadt und Wiera würden verringert.
    • Und die schon bestehenden erheblichen Lärmbelastungen durch die A49 in Baunatal und Edermünde ließen sich begrenzen, da die Verlagerung des Verkehrs von der A7/A5 auf die Achse Kassel-Gießen nur in geringem Umfang erfolgen werde.“

Der am 22. Dezember 2019 anlässlich des sonntäglichen Waldspazierganges an der vom Aktionsbündnis „Keine A 49!“ eingerichteten Mahnwache zum Dannenröder Forst von mehreren Vertretern der Unterzeichner-Initiativen vorgetragene Dannenröder Appell wurde zunächst von 21 Gruppen unterzeichnet.

Seither haben sich nach Angaben der Initiatoren bereits weitere Gruppen dem Appell angeschlossen und zudem mehrere andere ebenfalls die Unterzeichnung in Aussicht gestellt. Die Initiatoren zeigen sich erfreut, dass es gelungen sei, eine gemeinsame Haltung aller Verkehrswende-Initiativen entlang der A49 herbeizuführen – bis weit in den Norden.

Zuspruch sollte „Denkanstoß für Politiker“ sein

„Für die bereits seit Jahrzehnten stark von der A49 lärmgeplagten Orte Baunatal und Edermünde wäre der Verzicht auf einen Weiterbau als Transitautobahn ein Segen“, stellte Oliver Steyer von den Grünen Edermünde klar. So blieben die unmittelbar an der Autobahn gelegenen Siedlungen von dem prognostizierten Verkehrszuwachs und den damit verbundenen Schadstoff- und Lärmimmissionen bei einem Durchbau der A49 bis zur A5 verschont.

„Der starke Zuspruch für den Dannenröder Appell von Nord bis Süd zeigt nicht nur die Richtigkeit unseres Bemühens, sondern sollte vor allem auch ein Denkanstoß für die zuständigen Politikerinnen und Politiker sein das Projekt A49 vor dem Hintergrund des Klimanotstandes neu zu denken”, stellten Schlemmer und Haafke heraus.

“Wir sind überzeugt, dass im Sinne des Klimaschutzes eine grundsätzliche Verände- rung unserer Lebensgewohnheiten nötig ist. Dazu gehört vor allem auch eine grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik”, hob Barbara Schlemmer hervor. Gerade erst habe die hessische Umweltministerin erklären müssen, dass Hessen insbesondere im Verkehrssektor seine Klimaziele deutlich verfehle. Auch auf Bundesebene würden ganz besonders im Verkehrssektor die gesetzten Klimaziele verfehlt, da nicht die Ursachen für die Auto- und Lkw-Fahrten betrachtet würden.

Neue Raumordnungspolitik gefordert

Der Dannenröder Appell fordere daher auch eine neue Raumordnungspolitik, die weites Pendeln überflüssig mache sowie insbesondere die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Dass solche Forderungen umsetzbar seien, beweise die Initiative des Holzwerkes Pfeiffer in Lauterbach, das nun einen eigenen Gleisanschluss erhält. Damit sollen allein bei dieser Firma jährlich rund 20.000 Lkw-Fahrten eingespart werden.

Der Dannenröder Appell verweise weiter darauf, dass die Begründungen für den Bau der A49 in den beiden Planungsabschnitten VKE 30 und VKE 40 nicht hinreichend seien. Um die Autobahn durch das europarechtlich geschützte Gebiet Herrenwald bei Stadtallendorf bauen zu können seien sogenannte „zwingende Gründe des überwiegenden öffentlichen Interesses“ in Anspruch genommen worden. „Wir haben neuen Grund zu der Annahme, dass die angeblich zwingenden Gründe des übergeordneten öffentlichen Interesses einer genauen Prüfung nicht stand halten”, erläuterte Reinhard Forst von der Aktionsgemeinschaft Schutz des Ohmtales und schon seit Jahrzehnten Kritiker der A49-Planung.

Insbesondere sei die Rodung von etwa 110 Hektar gesundem alten Mischwald für das veraltete Autobahnkonzept nicht zu verantworten, wie inzwischen auch seitens der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sowie durch den bekannten Förster Peter Wohlleben bescheinigt werde. Die Initiatoren des Dannenröder Appells dankten daher besonders den Klimaaktivisten, die durch ihre Baumbesetzungen im Dannenröder Forst die gesellschaftliche Aufmerksamkeit auf die Widersprüchlichkeit der aktuellen Planungen zu den umweltpolitischen Anforderungen gelenkt hätten.

Das Initiativen-Bündnis des Dannenröder Appells appelliere an alle verantwortlichen Politiker, den Bekundungen für eine neue Klimapolitik nun auch konsequentes Handeln folgen zu lassen. Im Sinne eines wirksamen Klimaschutzes relativiere sich der Bedarf an Bundesfernstraßen und das erwähnte Moratorium sei geboten, um die Verkehrskonzeption im Zusammenhang mit der A49 auf eine neue zukunftsfähige Grundlage zu stellen. Die Initiatoren des Dannenröder Appells verweisen schließlich darauf, dass sich weitere Gruppen, aber auch Einzelpersonen jederzeit anschließen können.

Lesen Sie hier den Originaltext des Dannenröder Appells! Hier können Sie alle Artikel über den Ausbau der A49 auf Oberhessen-live sehen.

4 Gedanken zu “Dannenröder Appell: Ein Votum für ein „besseres Ende der A49“

  1. Das hat aus meiner Sicht nichts mehr mit Vernunft zu tun!!! Wie kleine Kinder, „Nein ich esse meine Suppe nicht“

  2. Warten wir es mal ab… es muss generell vollkommen umgedacht werden! Der Bau von Autobahnen ist nicht mehr zeitgemäß! Der Verkehr muss reduziert und der ÖPNV ausgebaut werden! Der ländliche Bereich ist für Arbeitnehmer attraktiver zu machen! Daran hat die Politik zu arbeiten und nicht an Verkehrsführungen aus dem letzten Jahrhundert! Wir haben nur diese eine Erde… das scheinen ein paar „spinnenden Anwohner der B62“ nicht zu verstehen.

  3. Was vergessen wurde, ist das der Verkehr dann trotzdem Über die B62 läuft die durch Lehrbach, Kirtorf, Ober Gleen, Angenrod, Leusel und Alsfeld führt bos diese auf die A5 fahren dies wird hier vergessen. Die Menschen wollen es nicht einsehen, dass genug andere Bäume angepflanzt werden und das Wasserschutzgebiet eher durch Idioten,die dort ihr Öl entsorgen verschmutzt wird. Die A49 gehört gebaut und die Grünen Spinner von den Bäumen geholt.

    1. Da sieht nur jeder sich selbst!!!
      Seit Jahren steht das fest, und es wäre eine erhebliche Entlastung für die Dörfer in denen Menschen leben. Das scheint diesen Personen egal zu sein!

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