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19. Mittelhessisches Rettungsdienst-Symposium im Uniklinikum MarburgRettungsdienstsymposium: Schwerpunktthema Reanimation stieß auf großes Interesse

VOGELSBERG (ol). Im Januar fand das 19. Mittelhessische Rettungsdienst-Symposium im Uniklinikum Marburg statt. Die zweitägige, überregionale Fortbildungsveranstaltung griff in Workshops und Vorträgen aktuelle notfallmedizinische Themen in Theorie und Praxis auf und stieß auf überaus große Resonanz bei Einsatzdienst-Mitarbeitenden und Notfallmedizinern. Der diesjährige Schwerpunkt lag auf der „Königsdisziplin“ der Notfallmedizin, der Reanimation – ein Thema, das großes Interesse fand und intensiv diskutiert wurde.

Bereits am ersten Tag fanden Workshops zu Themen wie Kinder-Reanimation oder e-CPR (extrakorporale, kardiopulmonale Reanimation) statt, in denen sich die Teilnehmenden praktisch fortbilden konnten. Weitere Workshops boten Simulationstrainings zu Telemedizin sowie interaktive Fallkonferenzen an, zudem gab es Angebote zur Unfallchirurgie im Rettungsdienst und zur Stillung von Blutungen.

Wie fordernd das Management von Reanimationen für Einsatzteams sein könne, zeigten die Vorträge am Folgetag auf. Weiter heißt es in der Pressemitteilung, insbesondere die Frage, wann eine Reanimation beendet werden muss, stellt Notfallsanitäter und Notärzte vor schwierige Entscheidungen, die unter Zeitdruck und unter Berücksichtigung einer Viel- zahl von Einflussfaktoren getroffen werden müssen. Die Referenten beleuchteten dies aus medizinischer, rechtlicher und ethischer Sicht.

Dabei zeigte sich, dass nur für innerklinische Reanimationen Daten zur Einschätzung des Reanimationserfolgs vorliegen. Im präklinischen Bereich sind Notfallmediziner und Einsatz- teams dagegen auf die Beurteilung der individuellen, im Einsatz ermittelbaren Patientendaten und ihr Erfahrungswissen angewiesen. Die Referentin Dr. Birgit Plöger stellte fest: „Wir brauchen weitere Forschung in diesem Bereich!“

Aus ethischer und rechtlicher Sicht keine einfache Entscheidung

Auch aus rechtlicher und ethischer Sicht sei das Durchführen und der Abbruch einer Reanimation nicht einfach zu entscheiden, denn aus beiden Perspektiven sei der Patientenwille maßgebend – allerdings ist dieser in einer Notfallsituation meist nicht zu ermitteln. Aus rechtlicher Sicht gebe es eine Vielzahl von Prüfkriterien, allen voran die Frage, ob eine Patientenverfügung vorliegt, ob diese Gültigkeit hat, ob sie eindeutige Formulierungen bezüglich Reanimation enthält und ob der Patient überhaupt geschäftsfähig ist. Ist eine Sachverhaltsprüfung nicht möglich, gelte der mutmaßliche Wille als fachlicher Standard – d.h. der Notarzt müsse aus medizinisch-fachlicher Sicht selbst entscheiden und habe damit eine enorme Verantwortung.

Ethische Grundsätze, wie dem Menschen keinen Schaden zuzufügen, die Fürsorgepflicht, der Respekt vor Autonomie und Selbstbestimmung sowie die Gerechtigkeit allen Patienten gegenüber, sollten im Einsatz ebenfalls eine Rolle spielen, meint Dr. Steffen Grautoff, Oberarzt und Notfallmediziner aus Herford. Er plädierte dafür, dass Notfallmediziner im Reanimationsablauf Zeitfenster für notwendige Klärungen finden, während das Rettungsteam die Reanimation fortsetze.

Die Entscheidung zum Reanimationsabbruch sollte nach seiner Auffassung nicht der Notarzt allein treffen, sondern gemeinsam mit dem Einsatzteam. Auch die richtige Beendigung des Einsatzes sei aus ethischer Perspektive bedeutsam – das heißt Zeit für die Angehörigen und ggf. die Organisation weiterer Unterstützung, aber auch Zeit für eine Einsatznachbesprechung im Team.

Zeitfaktor als ausschlaggebende Größe für Behandlungserfolg

Auch andere Aspekte der Versorgung im Notfall kamen im Symposium zur Sprache, denn in kritischen Situationen ist der Zeitfaktor häufig eine ausschlaggebende Größe für den Behandlungserfolg. Gerade im ländlichen Raum mit langen Transportwegen wirft dies die Frage nach neuen Konzepten auf, damit mehr lebenserhaltende Interventionen als bisher auch präklinisch möglich werden.

Als ein Beispiel wurde hier das Heidelberger Medical Intervention Car (MIC) vorgestellt, das im Rahmen eines Forschungsprojektes unterwegs ist. Es werde von hochqualifizierten Ärzten besetzt und sei für die Unterstützung des vor Ort befindlichen Rettungsteams gedacht. Selbst Notoperationen können mit dem Equipment dieses Fahrzeug am Einsatzort stattfinden.

Ein wichtiges Thema mit interessanten Perspektiven sei die Telemedizin im Rettungsdienst, die derzeit in den mittelhessischen Landkreisen erprobt wird. Sie mache es möglich, dass Patientendaten aus dem Einsatzfahrzeug 1:1 an einen Telenotarzt übermittelt werden. Er beurteile die Werte und unterstütze damit das Einsatzteam bei zu treffenden Entscheidungen. Damit – so Referent Dr. Dennis Humburg – könnte perspektivisch die Zahl der Einsätze reduziert werden, bei denen der Notarzt zu nicht lebensbedrohlichen Situationen gerufen wird.

Mit dem neuen Berufsbild des Notfallsanitäters arbeiten im Rettungsdienst hoch qualifizierte Fachkräfte, die viele Einsätze auch ohne ärztliche Unterstützung bearbeiten könnten bzw. von der Unterstützung eines zugeschalteten Telenotarztes profitieren.

Ein Gedanke zu “Rettungsdienstsymposium: Schwerpunktthema Reanimation stieß auf großes Interesse

  1. Wir brauchen endlich eine Elektronische Patientenakte.
    Zugriffsrechte werden vergeben oder legt der Patient mit dem Hausarzt oder Arzt seines Vertrauens fest. Notärzte hätten vollen Zugang um Behandlungen, Medikamente, Unverträglichkeiten, etc. natürlich auch abgelegt Verfügungen sofern vorhanden einsehen zu können und bei dem Notfall korrekt handeln zu können. Seit mehr als 20 Jahre wird darüber diskutiert und nichts vernünftiges Passiert. Ne Chipkarte zum Abrechnen, dass is passiert.

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