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Rezeptur bleibt gleichWarum das Alsfelder Bier nun in Lauterbach gebraut wird

ALSFELD/LAUTERBACH (jal). Es war ein Abschied auf Raten. Schon seit rund vier Jahren wird das Alsfelder Bier in Lauterbach in Flaschen abgefüllt, auch die Tanks, in denen es gärt, stehen schon länger in der Kreisstadt. Doch gebraut wurde das Alsfelder Bier bislang immer noch in Alsfeld. Damit ist seit gut einem Monat Schluss, wie Ulrich Klesper, Chef der Vogelsberger Landbrauereien, nun im Gespräch mit Oberhessen-live bestätigte. Dem Gesetz entsprechend sollen ab nächster Woche Hinweise auf den Flaschen für die nötige Transparenz sorgen und Lauterbach als Brauort ausweisen.

Man hätte gerne weiter in Alsfeld gebraut, Emotionen seien beim Bier ein wichtiger Faktor. Doch betriebswirtschaftlich habe das in Alsfeld keinen Sinn mehr gemacht. Das Leitungs- und Kühlsystem im Sudhaus dort sei zu marode, die Betriebssicherheit in Gefahr, eine Investition von mehr als 100.000 Euro unwirtschaftlich. „Da mussten wir jetzt leider diesen Schritt gehen“, sagt Klesper, der zusammen mit seiner Schwester Ruth Herget-Klesper die Namensrechte am Alsfelder Bier gekauft hat und mittlerweile unter dem Dach der Vogelsberger Landbrauereien Alsfelder, Lauterbacher und das aus Schlitz stammende Auerhahn-Bier vertreibt.

Der schlechte Zustand der Technik hänge auch mit der schlechten finanziellen Situation zusammen, in der die alte Alsfelder Brauerei gewesen sei. Die vier Jahre seit der Übernahme war der Betrieb der Anlage demnach noch machbar, doch mittlerweile seien zu viele Mängel aufgetaucht.

Alsfelder Bier, das nun gänzlich nicht mehr im Stadtgebiet entsteht – wie erklärt man das seinen Kunden? Ulrich Klesper hat darauf folgende Antwort: „Das Alsfelder ist nach wie vor ein regionales Bier, was zwar jetzt in der Vogelsberger Landbrauerei in Lauterbach gebraut wird, aber nach alter, Alsfelder Rezeptur.“ Auch seien in der Belegschaft etwa acht Mitarbeiter, samt dem Braumeister, die aus der alten Alsfelder Brauerei stammten und so die Verbindung zum Ursprungsort des Bieres halten würden. „Das ist letztendlich wahrscheinlich wichtiger als die Mauern, die drum herum sind“, sagt Klesper.

Zukunft des Brauereigeländes ungewiss

„Auf keinen Fall“, so betont der Brauereibesitzer, habe man vor, die Marke Alsfelder einzustampfen. Das Ansinnen, die Vielfalt der regionalen Biere aus dem Vogelsberg zu stärken, käme auch in der „Vogelsberger Genusstour“ zum Tragen – eine Führung mit Verköstigung durch die Lauterbacher Brauerei, die das Unternehmen aktuell bewirbt. Natürlich, so sagt Klesper, müsse der Kunde die Veränderung mittragen. Er hoffe jedoch, dass „die Kleinstaaterei nicht so ausgeprägt ist, dass man Bier aus der Nachbarschaft als nicht mehr akzeptabel empfindet“.


Seine Brauerei habe noch Lagerraum auf dem Areal gemietet und wolle das auch erst einmal beibehalten, sagt Klesper – doch was mit dem Grundstück der Alsfelder Brauerei an sich passieren soll, ist ungewiss. Eigentümerin ist schon seit Jahren die Firma Rhönsprudel mit Sitz in Ebersburg-Weyhers. Nach den Verwendungsplänen dafür gefragt, hieß es von dort nur ganz knapp am Telefon, man wolle sich zu dem Thema nicht äußern.

Ein ganz alter Teil der Alsfelder Brauerei wird jedoch auf jeden Fall weiterleben – und zwar in Bayern. Die historische Dampfmaschine, mit der früher das Bier gekühlt wurde, wird gerade nach München transportiert. Was mit ihr dort geschehen soll, lesen Sie hier.

Blick zurück: Die Bierproduktion in Alsfeld im Jahr 2014


14 Gedanken zu “Warum das Alsfelder Bier nun in Lauterbach gebraut wird

  1. Sowohl die Lauterbach als auch die Alsfelder Brauerei haben sich zu lange auf die faule Haut gelegt und gehofft, es werde schon so weitergehen wie bisher. Das allerdings war ein Fehler. Zumal die Nachfrage nach der Sorte „Pils“ schwächelt. Siehe auch: http://www.n-tv.de/wirtschaft/Die-Deutschen-trinken-immer-mehr-Helles-article21288071.html

    Das bittere Gebräu war bis vor Jahren aber das einzige, was man von beiden Brauereien bekam.

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  2. …und sicherlich fahren täglich Tanklastzüge das Brunnenwasser aus Alsfeld nach Lauterbach, um keinen Qualitätsverlust beim „Alsfelder Bier“ zu haben! Leute, nennt das Bier einfach beim Namen, den es auch verdient -Lauterbacher Eselsbräu- ;-)

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  3. Ja vielleicht schmeckt das Bier sogar gleich…es müßte heißen Lauterbacher Bier mit Alsfelder Geschmack:-)
    Schottischer Whisky kommt aus Schottland, die Spreewaldgurke aus dem Spreewald, Alsfelder Bier aus….? Also ein Fake Bier. Wenn man sich als Verbraucher nicht wehrt wird man nur getäuscht.

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  4. Man kann, trotz vorhandenen Rezeptes, in Lauterbach kein Alsfelder Bier brauen, wenn eine der Zutaten fehlt:
    Das hervorragende Alsfelder Wasser aus der brauereieigenen Quelle………

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  5. Ach ja, die gute Alsfelder Brau-Tradition… Hopfen und Malz, hinne inne Hals. Gutes, altes Arschgeweih, du gehst mir am Arsch vorbei. Dafür sorgen Millionen vermeintliche Bierkenner, die ihr „Heimatbier“ unter Tausenden herausschmecken zu können glauben. Und bei jeder ihnen mit falschem Etikett oder Augenbinde untergeschobenen Industriebrühe rufen sie dann: „Das isses! Unverkennbar!“
    Als gebürtiger Dortmunder bin ich schon so oft verwaist und verwitwet, wie in »Düörpm« die zahlreichen Brauereien nach und nach von den Pilsmonstern aus dem Sauerland gefressen wurden. Mein als Ersatz erkorenes „Wicküler“ wanderte aus dem Bergischen Land nach Duisburg und von da nach Dortmund. Männer wie wir! Jetzt kann ich wieder Dortmunder trinken. Oder ich versuch’s mal mit Als[felds]terwasser mit Zitronensprudel aus Vogelsberger Landzitronen.

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  6. Ich verfolge mit Herz und gleichzeitig kaufmännischem Verstand die Geschehnisse um die Mittelhessische Braukunst. Familie Klesper setzt die Folgen wirtschaftlicher Entwicklung in Anlehnung an Tradition regioneller Verbundenheit und Genuss in Verbindung mit wirtschaftlicher Effizienz um. Die kleinen Betriebe konnten,jeder für sich alleine, nicht gegen die wirtscgftlichen Folgen von Wachstum,Fianzpolitik und gesellschaftlicher Entwicklung ankommen. Die regionale Verbundenheit der Menschen aus der Tradition heraus mit den wirtschaftlichen Begebenheiten der Gegenwart und vor Allem der Zukunft in Einklang zu bringen ist eine Herausforderung. Familie Klesper hat sich dieser angenommen und arbeitet daran, traditionelle örtliche Braukunst beizubehalten und mit einer tragbaren wirtschaftlichen Aufstellung eines Großunternehmens umzusetzen. Die Alsfelder, Schlitzer, Mottener und weiterer Kleinbrauereien in eine wirtschaftliche und zukuftsorientierte Großunternehmensgestaltung erfolgreich zu integrieren ohne dabei den Charakter jedes einzelnen Produktes zu verlieren, ist eine Aufgabe, die großen Respekt verdient. Wir Alle haben mit unserem Konsumverhalten dazu beigertragen, dass „neue“ wirtschaftliche Zeiten angebrochen sind.- Daher sollten wir deren Umsetzung für die Zukunft nun auch unterstützen. Ich freue mich, wenn mein gutes Asfelder weiterhin gebraut wird und das Unternehmen, welches es herstellt, langfristig davon ünberleben kann. Marko Berg, Alsfeld

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    1. abgefüllt und frisch verkorkst von Alsfelder-Trinker Marko Berg. Da fließt sogar das Lauterbacher Cuvée den Berg hoch, um dort einen Zustand der geistigen – sagen wir – Benommenheit zu erzeugen. Die einen saufen halt für den Regenwald, die anderen für das Überleben der heimischen Braukunst, wo immer diese dann auch stattfindet. Rülps.

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  7. Kein Bier aus Lauterbach das mit der Bezeichnung „Alsfelder Bier“ verkauft wird! Dann soll es doch besser Vulkandonnerbräu heißen. Man wußte genau was man mit der Brauerei Alsfeld kaufte. Es bestand nie die Absicht in den Stanort zu investieren aber jetzt jammern. Kleine regionale Bierbrauereien sind mit Tradition und dem Standort fest verbunden und verwurzelt.

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    1. Richtig @Holzkopf.

      Auf dem ehemaligen Gelände der damals echten Alsfelder Brauerei befindet sich ein lukrativer Brunnen mit guten Wasser aus den Vogelsberg – so habe ich es in Erinnerung. Den wollte offenbar Rhönsprudel haben. Der Rest interessierte nicht. Die Abfüllanlagen für andere Erzeugnisse (Limo etc.) gingen in den Osten der BRD. Die Lizenz für Alsfelder Bier nach Lauterbach verkauft. Ein mir bekannter Gastronom aus Alsfeld hat alle ehemaligen Brauereiprodukte durch andere nicht regionale Produkte ersetzt zumal er sich eh nicht an die Alsfelder Brauerei hat binden lassen. Die Kondition von Rhönsprudel … das ist eine andere Geschichte.

      Schade … wieder ein Stück Heimat verloren.

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  8. „Was mit dem Gelände passiert, das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass seit einem Monat hier schon nicht mehr gebraut wird“, erzählt Sailer. Eine Anfrage bei den Vogelsberger Landbrauereien in Lauterbach dazu blieb zunächst unbeantwortet.“ Ausschnitt aus dem aktuellen Bericht zum Abtransport der Dampfmaschine. Für mich sind die Vogelsberg er Landbrauereien absolut nicht verlässlich und ich wäre absolut dafür Rezept und Rechte sofort zurückzukaufen. Ich bin echt sauer!

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