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Nach dem Feuer im Alsfelder Postzentrum - mit VideoPolizei vermutet technischen Defekt als Brandursache

ALSFELD (akr). Am Tag nach dem großen Brand im Alsfelder Postzentrum machen sich Experten auf die Suche nach der Ursache des Feuers. Dabei gerät eine Ladestation für Elektrofahrräder in ihren Fokus. Das alte Hafu wird zum Ausweichquartier – und ein Abrissunternehmer wittert ein Geschäft. Eindrücke von der Einsatzstelle.

Das Jaulen einer Alarmanlage dringt am Morgen nach dem Feuer aus dem zerstörten Postgebäude auf dem BGS-Gelände. Irgendetwas scheint den Sicherheitsmechanismus ausgelöst zu haben. Vielleicht waren es die Feuerwehrleute bei ihrer Suche nach den letzten Glutnestern. Neben einer Tür hat jemand zwei Pakete abgelegt. In Alsfeld und Umgebung werden die Postboten heute nicht kommen. Schon am Donnerstag gab es jedoch Hoffnung, dass wenn überhaupt größtenteils nur Werbepost bei dem Feuer vernichtet wurde.

Inzwischen hat die Polizei das Gebäude in Beschlag genommen. Beamte machen sich ein erstes Bild, fotografieren die Schäden aus allen möglichen Winkeln, vermessen und dokumentieren die Hinterlassenschaften des Feuers. Experten des Landeskriminalamts sollen herausfinden, warum die gut 60 mal 20 Meter große Halle am Donnerstagabend Feuer fing. Von der Decke tropft derweil immer noch Löschwasser. Noch immer riecht es verbrannt. Mitarbeiter der OVAG kümmern sich um die wohl beschädigte Stromversorgung und passen auf, dass niemand einen Schlag erleidet. Ein Zeuge hatte das Feuer am Donnerstag gegen 20.45 Uhr gesehen und die Feuerwehr verständigt.

Die Arbeit wird morgen weiter gehen. Nicht am BGS-Gelände, sondern in einem Ersatzgebäude – dem ehemaligen Hafu. Das teilte Thomas Kutsch, Pressesprecher bei der Deutschen Post, vor Ort mit.

Fotos vom Brand und dem Tag danach

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Im Laufe des Mittags bestätigt die Polizei, dass das Feuer tatsächlich rechts am Eingang ausgebrochen ist – und damit an der Stelle, an der Akkus für Elektrofahrräder, die auf dem Gelände zum Einsatz kommen, aufgeladen wurden. Die Ermittler gehen zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass ein technischer Defekt an dieser Stelle für den Brand verantwortlich ist. Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandstiftung habe es nicht gegeben, heißt es in einer Mitteilung der Beamten.


Durch die Hitze ist die Dacheindeckung durchgebrannt, erzählt ein Polizist an der Einsatzstelle. Bei dem Dach handelt es sich um Trapezblech, mit einer Bitumenbeschichtung darunter. Das Wort Bitumen stammt aus dem Lateinischen und heißt übersetzt soviel wie Erdpech. Dieser Stoff habe sich durch die Hitze entzündet und sei auch von der Decke hinunter getropft. Auch im Büro, dort fingen Papiere Feuer. Die Möbel im Büro seien nahezu unversehrt. Von außen ist das Ausmaß des Brandes kaum zu sehen, zersprungene Fensterscheiben und Rußreste deuten dennoch auf das Unglück hin.

Im Inneren sieht es allerdings anders aus, es ist das reinste Chaos. Kabel hängen von der Decke, der Boden ist nass, die Wände tiefschwarz gefärbt. Doch auch wenn es chaotisch aussieht, so konnten die Flammen dennoch nicht die gesamte Halle verwüsten. Der hintere Teil ist zum größten Teil unversehrt. Er war, beziehungsweise ist, durch eine Brandschutzwand vom restlichen Teil der Halle abgetrennt. Dort lagerten zum Zeitpunkt des Feuers etwa zwei bis drei Paletten mit Paketen. Die Flammen haben diesen Bereich nicht erreichen können. Die Pakete sind vom Rauch etwas mit Ruß bedeckt. Sie werden derzeit sauber gemacht und dann ausgeliefert. Die Behörden schätzen die Schadenshöhe mittlerweile auf mehrere Hunderttausend Euro. Die Polizei sprach erst von einem Schaden im Millionenbereich, korrigierte sich später jedoch leicht nach unten.

Dirk Merz ist der Niederlassungsleiter der Post in Kassel, wohnt aber in Homberg (Ohm) und hat sich schon in der Nacht nach Alsfeld aufgemacht. Man arbeite vor allem jetzt daran, die Brief- und Paketzustellung wieder zum Laufen zu bringen. Sprach die Polizei am Anfang noch davon, dass die Statik der Halle in Mitleidenschaft gezogen worden sein könnte, äußerten sich Ermittler Berichten nach am Freitag bereits optimistischer. Die wichtigen Stahlträger schienen den Fachleuten unbeschädigt zu sein. Ein Mitarbeiter einer Abrissfirma ging aber lieber auf Nummer sicher. Während die Experten die Brandstelle untersuchten, verteilte der Herr vorsichtshalber Visitenkarten.

Im Jahr 2014 schrieb OL zu der damals noch nicht fertiggestellten Postanlage: „Hier werden Briefe und Pakete angeliefert, sortiert und an die Kunden in 27 verschiedenen Bezirken ausgeliefert. Voraussichtlich werden gut 50 Menschen hier Arbeit finden. Bereits zu Beginn des neuen Jahres soll der Stützpunkt in Betrieb genommen werden.“ In der Anlage wird die Post für die Umgebung rund um Alsfeld – darunter auch Orte wie Romrod oder Kirtorf – sortiert.

Ab morgen wird wieder zugestellt, wenn auch improvisiert.

Vor Ort sind an diesem Tag auch einige Postangestellte, obwohl die Arbeit ruht. In ihren Gesichtern sind große Fragezeichen zu lesen. Wie soll es jetzt nur weitergehen? „Ich wurde gestern von einem Kollegen angerufen, der mir sagte, dass die Halle brennt, ich bin sofort hingefahren“, erzählt einer der Mitarbeiter. „Es ist wirklich kein schönes Gefühl, absolut nicht. Es nimmt einen sehr mit. Ich habe hier viel Zeit und Energie reingesteckt“, erzählt er weiter und blickt durch die Eingangstür auf die verbrannten Überreste seiner Arbeitsstelle.


„Man fühlt sich machtlos“, murmelt ein anderer Mitarbeiter etwas leise vor sich hin. Gestern aber habe er helfen können. Gemeinsam mit etwa zehn weiteren Kollegen habe er die Postautos weggefahren, die beim Ausbruch des Brandes noch vor der Halle standen. Die Mitarbeiter wirken nicht nur besorgt, sie sind es auch. Es ist nicht so, dass sie sich freuen heute frei zu haben. Sie ahnen vielmehr, was ihnen durch das Unglück jetzt bevorsteht. „Die Arbeit häuft sich an. Vor allem jetzt in der Starkphase“, sagt er und legt die Stirn in Falten. Starkphase, so nennen sie hier die Vorweihnachtszeit, die Hochsaison im Postbetrieb. „Es wird einen immensen Rückstau geben“, sagt der Mann.

„Ab morgen wird wieder zugestellt, wenn auch improvisiert“, sagt Postmitarbeiter Merz. Es müsse aber noch einiges organisiert werden. Handscanner, Ladestationen. Eben all das, was am Postverteilzentrum Standard war. Eine Herausforderung für die Arbeiter, weil man dort das, was im Verteilerzentrum automatisch ablief, jetzt erst einmal mit der Hand erledigen muss. „Wir geben unser Bestes, aber die Pakete werden jetzt länger brauchen. Ich hoffe, die Betroffenen haben dafür Verständnis“, sagt einer der Mitarbeiter.

Video vom Feuerwehreinsatz am Donnerstag


4 Gedanken zu “Polizei vermutet technischen Defekt als Brandursache

  1. Beim Bücking Brand 2013 haben sie nach Jahren keine „Brandursache“ gefunden, hier nach 12 Stunden wie kommt das angeblich „technische Defekt“ als Begründung ? :D
    Was ist ein technischer Defekt und warum wird ein technischer Defekt nicht verhindert in der moderne in der wir Leben, warum brennt ein Akku Station einfach so?
    Hier stimmt 100% was nicht.

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    1. Es ist bekannt, dass es Probleme mit den Akkus gibt. Wenn man davon ausgeht, dass der Brand eben wegen dieser Akkus an der Ladestation der Auslöser war, steht die Frage im Raum warum die Ladestation direkt am Gebäude aufgestellt wurde.

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  2. Nach so einer Tragödie Visitenkarten zu verteilen ist geschmacklos auch wen man alles Aufträge braucht und noch ein Lob an die Feuerwehr und alle Helfer

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