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Innovatives Wohnen Ü 60 stößt auf große Resonanz – langer Atem wird nötig seinGrundstück für die gute Idee gesucht

LIEDERBACH (ol). Sie haben offenbar einen Nerv getroffen mit ihrer Idee: Margit Enderer, Hans-Dieter Lange und Volker Zellmann hatten eingeladen zu einem Ideenaustausch über neues Wohnen in kleinen Häusern. Wohnen auf einem großen Grundstück, das Gemeinsamkeit erlaubt, eine gemeinsame Logistik ermöglicht und bei Bedarf auch ein gemeinsames Pflegekonzept, das aber dennoch den Anspruch an Eigenständigkeit und Individualität erfüllt.

Zwei Dutzend Menschen aus unterschiedlichen Lebenssituationen und dem ganzen Vogelsberg fühlten sich angesprochen – was sie eint: Sie möchten ihr Wohnumfeld im Alter verkleinern, meist dennoch etwas Eigenes haben, eine mögliche Betreuung abgesichert wissen und autonom bleiben.

„Ein Leben im Altersheim ist keine Option für uns. Und wenn man davon ausgeht, dass heute keinesfalls mehr die Kinder zurückkommen oder bleiben, um ihre alten Eltern zu versorgen, dann wird es Zeit, selbst initiativ zu werden“, stellte Margit Enderer am vergangenen Freitagabend den Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen dar. Ein Blick auf das eigene Wohnen, ein großes Haus mit viel Platz, der nach dem Auszug der Kinder nicht mehr benötigt wird, aber sauber und instandgehalten werden muss, habe sie und ihren Mann Hans-Dieter Lange darin bestärkt, eine neue Wohnformt zu finden.

Viele Recherchen haben sie schon hinter sich von Berichten über Wohnprojekte und -kooperationen in größeren Städten über fachliche Abhandlungen zu möglichen Rechtsformen bis hin zu Besuchen in Wohnparks und bei Herstellen von Tiny Houses und Modulhäusern. Mit Volker Zellmann, seit Jahrzehnten selbstständig im Bereich des ökologischen Bauens und mit einiger Erfahrung im Bereich Modulhäuser, ist das Initiatoren-Team komplett und konnte den Interessierten im Gruppenraum des Kinderhauses Panama, dessen Betreiber Enderer und Lange sind, schon viele Informationen und Anregungen geben.

In einer kleinen Vorstellungsrunde wurde deutliche, dass ihr Anliegen ein bedeutendes Thema für Menschen Mitte 50, Anfang 60 und älter berührt: Viele sind auf der Suche nach praktikablen Wohnformen mit Pflege und Logistik außerhalb von Plegeheimen, betreutem Wohnen und Seniorenresidenzen und viele hätten auch Wohneigentum, von dem sie sich trennen würden, um sich zu verkleinern.


„Die Politik wird dies anerkennen und mit Leben füllen müssen“

„Die Politik wird dies anerkennen und mit Leben füllen müssen“; so eine Hoffnung an diesem Abend, schließlich gäbe es immer mehr ältere Menschen, deren Bedürfnisse man ernst zu nehmen habe. Mit diesem Thema müsse man die Kommunalpolitiker gewinnen, so ein Ergebnis des Abends, denn wenn man in Stadtnähe ein 3.000 bis 5.000 Quadratmeter großes Grundstück haben wolle, dann ginge das wohl nur in Kooperation mit der involvierten Kommune. Das bevorzugte Gebiet – auch wenn nicht alle der Interessierten unbedingt stadtnah wohnen wollen – wäre in Alsfeld oder auch Lauterbach.

„Wir sind sicher, dass eine Stadt, die ein solche Projekt mitträgt, damit ein Vorzeigeobjekt in Sachen modernes Wohnen im Alter für sich verbuchen könnte“, so eine Idee aus der Runde. Diskutiert wurden bereits mögliche Kosten, die Größe der Häuser, die Möglichkeit barrierefreier Modulhäuser oder ein sinnvolles Energiekonzept.

Dennoch steht das Projekt ganz am Anfang, sodass am Ende des Abends klar war: Wer von dieser Wohnformt träumt, muss aktiv werden und einen langen Atem mitbringen. Das wollen offenbar alle Anwesenden. Fast vollständig trugen sie sich in die Liste derer ein, die das Projekt voranbringen und ihre Kompetenzen einbringen wollen. Zum nächsten Mal treffen sich die Interessierten am Mittwoch, 27. November, um 19.30 Uhr, wieder im Kinderhaus Panama in Liederbach. Die Idee nimmt Fahrt auf – auch im Vogelsberg. Rückfragen dazu kann man an Hans-Dieter Lange richten (0160 97738856 oder enwala@t-online.de).


3 Gedanken zu “Grundstück für die gute Idee gesucht

  1. …zu dem Thema Tinyhouse-Village. Dem Märchen vom billigen Wohnen in Stadtnähe dank Minihaus-Dörfern muss man ebenso deutlich entgegen treten wie der Behauptung, dass in vielen Städten schon entsprechende Projekte kurz vor der Eröffnung stehen. Die Wahrheit ist (siehe Link zum Focus-Bericht!), dass gerade erst das erste Tinyhouse-Dorf eröffnet wurde; auf einem ehemaligen Campingplatz im Fichtelgebirge, meilenweit von jeder Stadt. Und von wegen „Die Politik wird dies anerkennen und mit Leben füllen müssen“. Genau das wird sie nicht tun. Ich finde es zumindest blauäugig, die Erwartung zu wecken, Tinyhäuser könnten das Problem von Wuchermieten in der Stadt lösen. Sehr vielen Träumern wird derzeit das letzte Ersparte mit falschen Versprechungen über das eigene Heim für wenige Zehntausend Euro aus der Tasche gezogen.

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  2. Wird wohl auch nicht so sein oder eben von der Qualität der Kommentare abhängen (Man muss ja nicht alles abdrucken!).
    Mir fällt allerdings auf, dass hier ein Alternativ-Projekt gelobt wird (Eigenlob), das in Wahrheit vor allem eine Geschäftsidee darstellt.
    Zielgruppe (Kunden): Leute, die Geld mitbringen (z.B. aus dem Verkauf ihres großen Hauses), das jetzt in ein kleines Haus investiert werden soll.
    Anbieter: Ein dreiköpfiges „Initiatoren-Team“, bestehend aus „Volker Zellmann, seit Jahrzehnten selbstständig im Bereich des ökologischen Bauens und mit einiger Erfahrung im Bereich Modulhäuser“, sowie den Kinderhausbetreibern Lange und Enderer, die dann wohl für „Pflege und Logistik“ zuständig sein werden.
    Es handelt sich um ein Bauträger-Projekt, für das Investoren gesucht werden.

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