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2. Internationale KlimakonferenzEine Strategie für eine Ernährung der Zukunft erarbeiten

VOGELSBERG/ALSFELD (ol). Die Evangelische Jugend im Vogelsberg hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten und Generationen ins gemeinsame Gespräch über Klimagerechtigkeit, Ernährung und Visionen zu bekommen. Dazu veranstaltet das junge Projektteam bereits seit März an unterschiedlichen Orten im Vogelsberg monatliche Klimacafés, zu denen immer zwei „special guests“ eingeladen und von Moderatoren zu ihrer Lebenswelt und dem Bezug zum Klima befragt werden.

Referenten vom hessischen Umweltzentrum kommen so mit begeisterten Menschen aus Obst – und Gartenbau zusammen, Ökobauern und -Bäuerinnen, Galloway-Verbandsvorsitzenden und Biogasanlagenbesitzern diskutieren über die Herausforderungen eines nachhaltigen Lebensstils, heißt es in der Pressemitteilung des Evangelischen Dekanats. Die Besucherinnen und Besucher der Klimacafés können ihre Fragen einbringen und in den anschließenden Kleingruppen mit den Gästen und miteinander ins Gespräch kommen.

Und was wäre ein Café ohne Getränke? Selbstkreierte Milchshakes mit verschiedenen Milchsorten oder Eistees mit regionalen, saisonalen Produkten können im Klimacafé verkostet werden. Die Klimacafés stellen die inhaltliche Vorarbeit für die 2. internationale Jugendklimakonferenz im Herbst dar. Die Diskussionsergebnisse werden jeweils per graphic recording gesichert und für die Konferenz aufbereitet. Konfirmandinnen und Konfirmanden erstellen außerdem kleine Videodokumentationen.

Ein Blick ins Café

Beim Klimacafé in Billertshausen zum Beispiel, waren eine Landwirtin und ein Landwirt als „special guests“ dabei. Teenager, Erwachsene und Senioren diskutierten, moderiert von Sophie Schramm und Alex Theumer, in gemischten Kleingruppen zu Biogasanlagen und Ökolandbau. Dabei brachten sie ganz grundsätzliche Fragen ein, etwa ob Biogasanlagen überhaupt für eine nachhaltige Zukunft sinnvoll sind und wie sie funktionieren. Immer wieder ging es in der Diskussion auch um allgemeinere Fragen nach der Transparenz von Zusammenhängen und demokratischen Prozessen. „Wir haben keine freie Wahl mehr, weil die Wege undurchsichtig werden“, fasste eine Besucherin zusammen.

Alex Theumer und Sophie Schramm moderierten die Expertenrunden. Fotos: Kristina Eifert


Sie wurde von einem Vater zweier anwesender Schülerinnen ergänzt: „Schulen sollten „Friday for future“-Demonstrationen aufnehmen, um Demokratie spürbar zu machen.“ Auf die Frage, ob man sich besser fühle, wenn man auf nachhaltige Lebensweise achtet, sagte eine Jugendliche: „Ja, aber was bringt es? Dadurch verändert sich ja nichts.“ Es brauche viel Kraft, sich langfristig um nachhaltigen Lebensstil zu bemühen, immer wieder zu reflektieren und darüber im Gespräch zu bleiben: „Nachhaltigkeit nervt auch!“ berichtet eine 16-Jährige. „Überall, zum Beispiel in der Schule, ist es Thema, aber kaum einer kennt sich aus oder beschäftigt sich damit richtig. Wenn dann bekannt ist, dass man sehr in dem Thema drin ist, wird man ständig dazu befragt.“

Ausblick auf Konferenz und Gipfel

Vom 31. Oktober bis 3. November treffen sich rund 30 junge Klimabotschafterinnen und -botschafter aus verschiedenen Landeskirchen, Vereinen, Schulen und auch aus unterschiedlichen Ländern zur Jugendklimakonferenz in Hopfmannsfeld. Unterstützt von der Evangelischen Jugend auf dem Land und gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, stehen „Ernährungsstile der Zukunft zur Diskussion. Wie geht bewusster Fleischkonsum und welche Alternativen gibt es?

Am Samstag während der Konferenz tagt der Klimagipfel mit kreativen Veranstaltungen, wie World Café, Bühnentischgespräche oder einem philosophischen Talk und einer Fülle von Workshops. Einzelne Referentinnen und Referenten sowie Organisationen gestalten den Gipfel: So wird etwa eine junge Promotionsstudentin aus London ihr Konzept von Eco-Poetry-Slam vorstellen. Das Naturschutzzentrum und das Zentrum für Gesellschaftliche Verantwortung der EKHN sowie Fachleute aus den Naturwissenschaften bereichern die Konferenz mit Know-how über Zusammenhänge, Fakten und Prognosen. Theologen und Theologinnen bringen ihre Standpunkte zum Thema Schöpfung und grüne Reformation ein.

Überzeugt vom guten Angebot des Klimacafés zeigte sich Pfarrer Walter Bernbeck (rechts).

Die Foren an den Abenden sowie der Gipfel-Samstag sind offen für alle. Konfi-Gruppen und Schulklassen sind eingeladen, an Workshops und Plenardiskussionen teilzunehmen. Beim Gipfel wird ein Ideenpaket geschnürt, das Anregungen für Politik, Institutionen, Gemeinden oder auch den privaten Alltag enthält. Damit die Konferenz nicht nur im Vogelsberg wahrgenommen wird, sondern auch überregionale Strahlkraft entwickelt, arbeiten die Jugendlichen an einer digitalen Live-Übertragung. So können nicht nur deutschlandweit Leute an den Gesprächen teilhaben, sondern auch interessierten Menschen im Ausland. Teilnehmende der 1. Konferenz im Jahr 2015 haben hier bereits Interesse angemeldet.


Am 3. November endet die Tagung mit einem Jugendgottesdienst, in dem die Klimabotschafter und -botschafterinnen einen Segen mitbekommen, der sie auf dem oft schwierigen und anstrengenden Weg im eigenen Leben, aber auch im jugendpolitischen Einsatz hin zu einer nachhaltigen Zukunft begleiten soll.


2 Gedanken zu “Eine Strategie für eine Ernährung der Zukunft erarbeiten

  1. Im letzten Satz fehlt ein „und“:
    Aber es müssen am Ende konkrete Ergebnisse und Forderungen herauskommen, die von der gesamten Gesellschaft auch als solche wahrgenommen werden UND eine Mehrheit überzeugen.
    Sorry

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  2. Gegenüber allen massiven Defiziten, die im Bereich der staatlichen Daseinsvorsorge zu verzeichnen sind und die gezeigt haben, dass der Politik das Wohlergehen einzelner Industriezweige in der Vergangenheit wichtiger war als die Zukunft der ganzen Gesellschaft, der nachwachsenden Generation oder gar der gesamten Menschheit, gehört die Mobilisierung der Zivilgesellschaft (Beispiele Flüchtlingshilfe, ökologische Landwirtschaft, Fridays for Future u.a.m.) zu den wenigen erfreulichen und ermutigenden Phänomenen. Besonders die evangelische Bildungsarbeit vermittelt hier den Eindruck eines regelrechten Aufbruchs in Richtung moderner Daseinsvorsorge. Und der ist bitter nötig. Immer mehr Menschen erkennen, dass in den alten, eher parteipolitisch orientierten Formen der „demokratischen Beteiligung“ nicht mehr weiter gewurschtelt werden kann. Soeben hat das Gerangel um die Spitzenämter in der EU dies wieder eindrücklich vor Augen geführt.
    „Ernährungsstile der Zukunft“ – ein wichtiges Thema mit – je nach den gefundenen Antworten – sehr weit reichenden gesellschaftlichen Folgen. Aber das ist ein weites Feld und wirkt manchmal, vor allem wo es überwiegend von Jugendlichen oder „Menschen wie du und ich“ beackert wird, etwas überambitioniert. Man wird darauf achten müssen, dass man bei aller Unkonventionalität der Ideen, allen neuen Trends, „Fachbegriffen“ usw., die im „Einsatz hin zu einer nachhaltigen Zukunft“ sicherlich ihre Berechtigung haben, die „Normalbevölkerung“ noch erreicht und mitnimmt. Vor allem vor einer Unübersichtlichkeit der Kommunikationsstrukturen ist zu warnen. Kirche neigt dazu, diese stark zu perfektionieren, aber damit auch zu hierachisieren und zu komplizieren. Wer kann dann die Vielzahl der Diskussionsorte, Veranstaltungen, Projekte, Workshops usw. noch überblicken? Trotzdem große Hochachtung vor dem Mut, sich von der Konfirmanden- bis zur Seniorenarbeit den großen Zukunftsthemen zu stellen. Aber es müssen am Ende konkrete Ergebnisse und Forderungen herauskommen, die von der gesamten Gesellschaft auch als solche wahrgenommen werden eine Mehrheit überzeugen.

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