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Grüne-Fraktionsvorsitzender Dr. Udo Ornik: „Mobilität muss für alle Bürgerinnen und Bürger möglich sein"Vogelsberger Grüne vermissen eine Vision für den Nahverkehr

VOGELSBERG (ol). Ein deutlicher Ausbau des Nahverkehrsangebotes würde nach Ansicht der Grünen die Mobilität und damit die Lebensqualität der Vogelsberger Bürger verbessern. Und genau diese Zukunftsvision zum Nahverkehr, vermissen die Grünen bei der Kreiskoalition.

Ohne KFZ bequem und entspannt reisen innerhalb des Verbandsgebietes und insbesondere zu den Arbeitsorten in Gießen, Fulda und Rhein-Main sollte, so aus der Pressemitteilung der Vogelsberger Grünen, überall im Vogelsberg möglich sein. So würde vor allem auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet und der Schadstoffgehalt der Luft würde verringert. Um dieses Ziel zu erreichen halten die Grünen umfassende Veränderungen und Verbesserungen für erforderlich.

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag, Dr. Udo Ornik sagt dazu: „Mobilität muss für alle Bürgerinnen und Bürger möglich sein. Die von uns vorgeschlagenen Maßnahmen führen nicht nur zu einer besseren Anbindung des ländlichen Raums, sondern auch zu einer Entlastung beim motorisierten Individualverkehr, bei Schadstoffemissionen und im überlasteten Straßennetz“.

Insbesondere Schüler und ältere Menschen seien auf Busse und Bahnen angewiesen, um zum Beispiel zur Schule oder zum Arzt zu kommen. Die Fahrtzeiten seien teilweise unzumutbar, das Angebot an Fahrten zu gering, nach 18 Uhr bestehe vielerorts überhaupt keine Fahrtmöglichkeit mehr. Wer den ländlichen Raum stärken wolle und als Wohngebiet attraktiv machen will, müsse den ÖPNV ausbauen.

Weitere Fahrten müssten dazu kommen

Aus diesem Grund haben die Grünen den Kreistag aufgefordert, bei der bevorstehenden Aktualisierung des Nahverkehrsplanes ein deutliches Zeichen zu setzen und die Angebote zu verbessern. Die CDU-SPD-Koalition im Kreis habe das abgelehnt und kümmere sich lediglich um den Erhalt des bisherigen Zustands. Das reiche jedoch nach Meinung der Grünen nicht aus, es müssten weitere Fahrten hinzukommen.


Zusätzlich zum bestehenden Verkehrsangebot wird ein am Bedarf orientierter Einsatz von Schnellbussen und -bahnen gefordert. Montag bis Freitag sollen die Verbindungen von jeder Kerngemeinde in die Zentren gewährleisten, dass man in zumutbarer Fahrtzeit den Arbeits- oder Schulort zwischen 7 und 8 Uhr erreichen kann.  Dabei sollte die maximale Fahrtzeit, auch für den Rückweg nach Hause, etwa beim eineinhalbfachen der vergleichbaren Fahrtzeit mit dem PKW liegen.

„An allen Wochentagen ist außerdem eine Spätverbindung mit Anbindung an den überregionalen Verkehr aus den Zentren in jede Kerngemeinde zu realisieren, Abfahrt bis 24 Uhr. An Wochenenden sollen die Angebote bis um zwei Uhr zu erweitert werden“, so die Grüne Kreistagsfraktion.

Anruflinientaxis bzw. Rufbusse sollen weiterhin in die Planung einbezogen werden, das Angebot an Fahrten müsse jedoch ausgeweitet werden, auch am Abend und an den Wochenenden. Die Anruflinientaxis seien bisher im Ortsbild weniger erkennbar. Deshalb sollte künftig durch besondere Werbemaßnahmen und ein einheitliches Erscheinungsbild sowie eine deutliche Hervorhebung der Haltestellen auf die Linientaxis aufmerksam gemacht werden.

Grüne fordern Sicherheitskonzept

Weiterhin fordern die Grünen ein Sicherheitskonzept für Nutzer und Personal. Bahnhöfe, Haltestellen und Verkehrsmittel müssten sichere Orte sein. Auch der Einsatz von E-Mobilität und Informationstechnik bis hin zu Fahrten auf Abruf von der Wohnung bis zur Wohnung sollten in die Planung mit einbezogen werden. Für das festzulegende Ziel eines „Schadstofffreien Nahverkehrs“ und den Systemwechsel zur E-Mobilität solle ein Konzept mit entsprechenden Meilensteinen erarbeitet werden.

„Die Koalition fordert mittlerweile zwar einen Ausbau des ÖPNV, doch weitere deutliche Verbesserungen sieht man als nicht finanzierbar an. Natürlich sind hier auch Mittel des Bundes und des Landes notwendig, doch die müssen auch angefordert werden“, sagte Ornik. „Die gleiche Koalition, die gleichzeitig nicht müde wird, den naturzerstörerischen und millionenverschlingen Ausbau der A49 zu fordern, ist bei diesem Thema bemerkenswert zurückhaltend. Die Bürgerinnen und Bürger sind aber immer weniger bereit, diese offensichtlichen Versäumnisse beim Ausbau des Nahverkehrs und beim Klimaschutz zu tolerieren.“



2 Gedanken zu “Vogelsberger Grüne vermissen eine Vision für den Nahverkehr

  1. „Ohne KFZ bequem und entspannt reisen innerhalb des Verbandsgebietes und insbesondere zu den Arbeitsorten in Gießen, Fulda und Rhein-Main sollte, so aus der Pressemitteilung der Vogelsberger Grünen, überall im Vogelsberg möglich sein.“
    Seit das Versagen der Volksparteien den Grünen allüberall auf den Tannenspitzen unverschämt gute Umfragewerte beschert hat, tun selbst die Geringsten ihrer Diener sich ständig mit Visionen und Forderungen hervor. Leider haben diese Äußerungen nur selten das philosophisch durchdachte Niveau der beiden Realos an der Parteispitze, Annalena Baerbock und Robert Habeck, sondern ähneln eher den Tweeds eines Donald Trump. Aus Amerika grüßt heute ein Hinterwäldler aus dem Hinterwald seine einfach gestrickten Gesinnungsgenossen. Soll sich das jetzt auch in Deutschland ausbreiten? „America first. Deutschland Förster“, witzelt man schon in Spitzenkabarettistenkreisen.
    Und so ist auch die oben zitierte visionäre Forderung aus Gründen der verkehrsinfrastrukturellen Besonderheiten unserer Region (ländlich-periphär, disperse Siedlungsstruktur) vollkommen unrealistisch. Verkehrstipps vom Förster, so to say. Auf welchen Gleisen und welchen ausgebauten Straßen sollen denn die geforderten Schnellbusse und -bahnen verkehren, um die Verbindungen „von jeder Kerngemeinde in die Zentren“ zu gewährleisten? Wie viele „Kerngemeinden“ gibt es denn im Vogelsberg? Drei? Fünf? Die meisten Bürger müssen mit dem Privat-PKW erstmal in die nächste Kerngemeinde kommen, um dort in die zukünftig verkehrenden „Schnellbusse und -Bahnen“ einsteigen zu können. Und je mehr Menschen das tun wollen, um so mehr schadstoffemittierenden PKW-Verkehr wird es geben.
    „Ohne KFZ bequem und entspannt reisen“ kann nur der, vor dessen Haustür zumindest ein „Langsam-Bus“ hält, der endlose Fahrzeiten benötigt. Ein Schnellbus ist nur dadurch schnell, dass er nicht überall hält. Das bedeutet weite Wege zur Haltestelle, die den Zeitgewinn des Schnellbusses wieder auffressen. Und für ältere Menschen mit Gehbeschwerden, die zudem nicht mehr viel tragen können, gibt es nur eine einzige bequeme und entspannte Form des Reisens: Mit dem Privat-PKW von Tür zu Tür.

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  2. Grüne fordern Sicherheitskonzept für Nutzer und Personal. So so, die Landesgrenzen nicht schützen wollen, aber hier wieder mal nach Konzepten zur Sicherheit rufen. Was nützt mir die Notruftaste an einem Haltepunkt im Vogelsberger Nirgendwo, wenn die Polizei eine gefühlte Ewigkeit braucht um vor Ort zu sein. Oder soll jede Haltestelle mit Securitys besetzt werden? Wer soll das bezahlen? Forderten die Grünen nicht auch den kostenlosen Nahverkehr? Ach so, deswegen soll wohl die CO2 Steuer kommen.
    Armes Deutschland!

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