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Studierende der Staatlichen Technikerakademie Alsfeld besuchten Großbaustelle Fair in DarmstadtAusflug zwischen Teilchenbeschleunigung und Großbaustelle

ALSFELD/DARMSTADT (ol). Großer Ausflug: 40 Studierende der Staatlichen Technikakademie Alsfeld (STA) informierten sich über Planung und Bauablauf des neuen internationalen Beschleunigungszentrums Fair (Facilily for Antiproton and Ion Research) in Darmstadt.


Architekt Thoma von der Fair GmbH gab den 40 Studierenden des 3. und 4. Semesters im großen Besprechungsraum der Baustelle ausführliche Erläuterungen über den Baufortschritt der an das Helmholtz-Forschungsinstitut angegliederten Anlage. Auf 20 Hektar Grundfläche entsteht hier eine neue Teilchenbeschleunigungsanlage. Weiter heißt es in der Pressemitteilung der STA, durch das Beschleunigen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit und das anschließende Zusammentreffen mit anderen Teilchen sollen neue Teilchen entstehen und damit nationalen und internationalen Forschern wichtige physikalische Erkenntnisse bringen.

Die angehenden Bautechniker aus Alsfeld seien aber vor allem an den Baumaßnahmen der Großforschungsanlage interessiert gewesen, deren Ausmaße beeindruckend seien. Der neue Teilchenbeschleunigerring messe allein 1,1 Kilometer im Umfang und sei bis zu 17 Metern unter der Erdoberfläche angeordnet, was bei einer Baustellenbefahrung mit dem Bus gut sichtbar wurde. Für die Bauleitung stehen sieben E-Bikes zur Verfügung um schnell und ohne zusätzlichen PKW-Verkehr vor Ort zu sein.

Aus der Visualisierung der in einem Waldgebiet am Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung liegenden Maßnahme war zu erkennen, dass große Teile des Bauwerks später wieder erdüberdeckt und bewaldet seien und sich überirdische Bereiche durch eine ansprechende Architektur mit Dach- und Fassadenbegrünung möglichst gut in das Landschaftsbild einpassen sollen.

Große logistische Aufgabe, für die Spezialisten gefragt sind

Bis es soweit ist, stehe eine große logistische Aufgabe bevor, wofür Spezialisten im Fachgebiet Baubetrieb gefordert seien. Hierzu gab es interessante Erläuterungen von Daniel Kuhlmann, verantwortlich für das Baubetriebsmanagement. Der Baubetrieb als wichtiger Bestandteil der Weiterbildung zum staatlich geprüften Bautechniker sei unter anderem Anlass für diese Exkursion gewesen, die von Dipl.-Ing. Stephan Schad organisiert wurde.

Der Rohbau des Teilchenbeschleunigerrings und das Bohrgerät für die Großbohrpfähle auf der Baustelle. Foto: STA

Zur Sicherung der Baugrube des Teilchenbeschleunigerrings werde in verschiedenen Bauabschnitten ein kombinierter Verbau aus rückverankerten Bohrpfählen und einer Trägerbohlwand angeordnet. 1.350 Bohrpfähle dienen der Untergrundsicherung der im Grundwasser liegenden zwei Meter dicken Bodenplatte. Während der Umsetzung der Erd- und Rohbauarbeiten werde das Grundwasser abgepumpt, das aber in ausreichendem Abstand über Infiltrationsbrunnen dem Grundwasser auch wieder zugeführt werde.

Hochphase mit bis zu 1.500 Personen auf der Baustelle

Insgesamt müssen zwei Millionen Kubikmeter Erdmassen bewegt werden. Allein für die Verfüllung der Baugrube für den Ring und Überschüttung des dort entstehenden Tunnels werden 780.000 Kubikmeter in bis zu 17 Meter hohen Mieten in direkter Nachbarschaft auf Feldern zwischengelagert. Die gesamten 600.000 Kubikmeter Beton werden vor Ort durch zwei auf der Baustelle installierte Mischwerke hergestellt. Ein Großteil dieser Betonmenge werde für die Wände und Decke des Ringtunnels benötigt, die aus Gründen des Strahlenschutzes bis zu sechs Meter dick ausgeführt werden.

Nicht nur für die Studierenden seien das beeindruckende Zahlen von einer Großbaustelle gewesen, auf der derzeit rund 300 Menschen am Rohbau arbeiten. In der Hochphase der Arbeiten werden bis zu 1.500 Personen gleichzeitig im Einsatz sein.

Bis zur Fertigstellung der Baumaßnahme in 2023 und in Inbetriebnahme des Teilchenbeschleunigers Anfang 2025 werde die Technikakademie sicherlich nochmals Gelegenheit zur Baustellenbesichtigung bekommen. Bis dahin seien die derzeitigen Studierenden aber bereits auf ihren eigenen Baustellen unterwegs.