Foto: Eifler

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Campingplatzseelsorger Alexander Eifler nimmt Abschied von seinem Dienst am Nieder-Mooser SeeDer Steuermann der Arche geht von Bord

VOGELSBERG (ol). Legendär ist sie und oft erzählt: Die Geschichte von Alexander Eifler, der 1970 18-jährig erstmals nach Nieder-Moos kam und sich alsbald aufmachte, sowohl die historische Orgel in der Kirche als auch den Campingplatz zu erobern. Und viel ist passiert in diesen fast fünfzig Jahren, in denen der Vogelsberg im Allgemeinen und Nieder-Moos im Besonderen zu einer zweiten Heimat geworden sind für den Mann aus Nieder-Erlenbach im Taunus, einen Menschen, der sich von Beginn seiner beruflichen Ausbildung an zwei Passionen verschrieben hat: Der Musik und dem Glauben.


Evangelischer Religions- und Musiklehrer ist er geworden, seiner alten Schule in Nieder-Erlenbach, dem privaten Anna-Schmidt-Gymnasium– da, wo er bereits selbst Schüler gewesen war – blieb er insgesamt 43 Jahre treu. Kein Schüler, der ihn nicht kannte – schließlich war er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2017 der einzige Musiklehrer an diesem Zweig der Anna-Schmidt-Schule -, und vielleicht kann man genau das auch über die Besucher des Nieder-Mooser Campingplatzes sagen – zumindest für die Ferienzeit.

Auch hier muss ihm so gut wie jeder Besucher einmal begegnet sein, denn hier war Eifler seit 1975 in allen Sommerferien aktiv, mehr als vierzig Jahre lang als Leiter der Campingplatz-Seelsorge. Nun nimmt Alexander Eifler Abschied von diesem Amt, das er unter dem Motto „Lasset die Kinder (und die Erwachsenen) zu mir kommen“ ausgeübt hat.

Teamleitung und Camping-Seelsorge übernommen

Am Anfang seines Wirkens stand Alexander Eifler an der Seite des damaligen Pfarrers von Nieder-Moos, Gottfried von Dietze. Danach vertraute ihm die „Kirche unterwegs der EKHN“ die Betreuung des Campingplatzes in Nieder-Moos als Teamleiter und Campingseelsorger an. Alsbald erweiterte Eifler das Angebot auf dem Platz für Kinder mit Basteln, Kinderkino, Ballspielen, Fahrradwettbewerben, Geländespielen, Zeltplatzbücherei, Ausflügen in die Umgebung, Gute-Nacht-Geschichte. Nicht zu vergessen: der später dazugekommene „Fliegende Heinrich“, ein historischer Traktor mit Anhänger zum Personentransport, der, von Eifler gefahren, jahrelang seine Runden auf dem Campingplatz und ab und auch in der näheren Umgebung drehte.

Bekannt über den Campingplatz hinaus: der fliegende Heinrich, der Traktor der Campingplatzseelsorge. Fotos: Alexander Eifler

Der legendäre Hamburger-Verkauf zu Gunsten der „Christoffel-Blindenmission“ lockte in den langen Ferien zahlreiche Gäste in und an das Kirchenzelt, das nun – da auch viele Erwachsene sich von den seelsorgerischen und kirchlichen Aktivitäten begeistern ließen – bald zu klein wurde. Mit Hilfe von „Kirche unterwegs“ und dem Engagement von Alexander Eifler konnte ein neues Zelt errichtet werden, das Jahre später durch einen richtigen Kirchenraum, die Arche, ersetzt wurde, die der Campingplatzbesitzer Heinrich Heitzenröder mit seinen Mannen erbaute und mitfinanzierte.

Dieser dem Zelt nachempfunden Achtecksteinbau machte die Treffen nicht nur gemütlicher, sondern erlaubte wetterunabhängige Aktionen – ein weiterer Gewinn für das abwechslungsreiche Programm der Campingplatzseelsorge in Nieder-Moos. Mit den Jahren entstanden viele Bindungen an die Gäste und ihre Familien, mit den Jahrzehnten kamen ehemalige Kinder von Eiflers Gruppen nun wiederum mit ihren Kindern nach Nieder-Moos; mitunter ließen ihre Eltern diese sogar am Kirchplatz mit dem Kreuz vor der Arche eigens von Prädikant Eifler taufen.

Die schönsten Erfahrungen

Sogar seine eigene Hochzeit feierte der Seelsorger hier: Neben der Einweihung der Arche und dem Zusammenstehen der Camper-Gemeinschaft nennt der Seelsorger die die Herzlichkeit, mit der die Camper an seiner Hochzeit und der Geburt seiner Kinder teilgenommen haben, als mit die schönsten Erfahrungen, die er in Nieder-Moos gemacht hat. Nach dem Kennenlernen seiner Frau natürlich: „Ein für mich besonders bewegender Moment war, als ich meine Frau auf dem Platz kennengelernt habe und über beide Ohren verliebt war. Dass sie dann später zu mir in meinen Wohnwagen gezogen ist war einzigartig. Seitdem sind wir immer zusammen.“

So kannte man den Platz vor der Arche im Sommer: Gut besetzt bei einem Gottesdienst mit Alexander Eifler.

Kreise schlossen sich und neue öffneten sich wieder. So zog mit diesem begeisterten Pädagogen, Religionslehrer und Musiker Jahr für Jahr in den Sommerferien jede Menge Leben in und um die Arche ein. Neben vielen Tagesangeboten sowohl kreativer und kulinarischer als auch kommunikativer und spiritueller Natur hob Eifler das Seefest aus der Taufe. Mit viel Musik und den verschiedensten Aktivitäten und Darbietungen bis hin zu einem Höhenfeuerwerk wird dort einmal im Jahr traditionell viel und hochwertiges Entertainment geboten – ein Highlight für alle Campinggäste und für die Nieder-Mooser gleichermaßen.

Womit man bei einem weiteren Betätigungsgebiet Alexander Eiflers angekommen wäre, der erstklassigen Unterhaltung: Er initiierte die Konzertreihe „Nieder-Mooser Orgelkonzerte“, die bald, da das Programm um weitere musikalische Höhepunkte erweitert werden konnte, zum „Nieder-Mooser Konzertsommer“ wurde. Namhafte Künstlerinnen und Künstler gaben sich hier in den vergangenen mehr als 40 Jahren ein Stelldichein. Als „kleines ländliches Sommerfestival mit Herz und Flair“ bezeichnet Eifler diese Reihe auf der Website des „www.Nieder-Mooser-Konzertsommers.de“, auf der jetzt schon Werbung für die kommende Saison gemacht wird, die im Juli beginnt.

Zum Abschied von der Campingplatzseelsorge sprach Alexander Eifler vor der Synode.

Als Organisator der Konzertreihe weiterhin tätig

Als Organisator der Konzertreihe bleibt Alexander Eifler Nieder-Moos erhalten, als Campingplatzseelsorger tritt er einen durchaus wohlverdienten Ruhestand an – selbstverständlich nicht ohne sich bei seinen Weggefährten zu bedanken, an erster Stelle bei der Familie Heitzenröder, Besitzer und Betreiber des Campingplatzes. „Auch Herrn Pfarrdiakon Reinhold Schnurr, der lange Jahre Leiter der Kirche Unterwegs der EKHN war, gebührt Dank dafür, dass er mir eine solche Aufgabe anvertraut hat“, blickt Eifler zurück.

Ebenso den vielen Generationen von Schülerinnen und Schülern meiner Schule (und ihren Eltern) für die aktive Unterstützung bei allen Veranstaltungen. Und ganz besonders natürlich den Menschen auf dem Campingplatz für das mir entgegen gebrachte Vertrauen.“ Ihnen gelten auch seine Gedanken zum Abschied: „Alles ist dem Wandel unterworfen, doch auch in Zukunft ist und bleibt die Arche mit dem Kirchplatz mit dem großen Holzkreuz, weiterhin der Mittelpunkt und Treffpunkt auf dem Campingplatz.“

Auf ihrer vergangenen Sitzung verabschiedete die Dekanatssynode Alexander Eifler. Auch zukünftig soll die gottesdienstliche Versorgung mit einem neuen Konzept auf dem Campingplatz weitergeführt werden. Dazu stimmen Dekanat, Campingplatzleitung und Pfarrerinnen und Pfarrer vor Ort sich derzeit ab. Die Evangelische Kirchengemeinde Nieder-Moos und damit auch das Evangelische Dekanat Vogelsberg würdigen Alexander Eiflers Verdienste und danken ihm von Herzen für die geleistete Arbeit voller Begeisterung für den Glauben und die Menschen, mit denen er zu tun hatte. Nicht zuletzt sie, die Besucher des Nieder-Mooser Campingplatzes, werden den Mann an der Arche vermissen.