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Paule stellt Pläne zur Altstadtsanierung und Umgestaltung Marktplatz vorAltes Pflaster soll bleiben, genau wie eine Reihe Parkplätze

ALSFELD (ls/jal). Kein komplett neues Pflaster am Alsfelder Marktplatz, eine Reihe weniger Parkplätze vor dem Rathaus, dafür ein ganzes Parkhaus dort, wo gerade das Rossmann steht: Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule hatte an diesem Dienstag eine ganze Reihe ziemlich wichtiger Pläne für die Altstadtsanierung zu verkünden.

Das Besucherinteresse bei der Infoveranstaltung war gewaltig. Es gab längst nicht genug Sitzplätze für alle Gäste im Alsfelder Marktcafé, in dem Paule die Ergebnisse der großen Umfrage zur Altstadtsanierung vorstellte, die die Verwaltung nach anfänglichen Schwierigkeiten angestoßen hatte. Nicht einmal zwei Stunden hatte es gedauert. Doch in diesen zwei Stunden wurde Paule mit den Plänen für die Zukunft der Alsfelder Innenstadt schon ziemlich konkret. Und wieder einmal stand die Parkplatzsituation in der Innenstadt im Fokus des Abends.

„Eine Analyse hat ergeben, dass es zur Zeit 118 Anwohnerparkplätze in der Stadt gibt und 391 Parkplätze für Kunden. Aber schon 1976 wurde errechnet, dass ein Bedarf von rund 765 Parkplätzen allein für die historische Innenstadt besteht“, erläuterte Paule. Ziel sei es also – und das hätten auch die Planer von NH Projektstadt, die vorab für den Stand der Dinge für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) beauftragt wurden, gleich erkannt – ausreichend Parkraum für Anwohner, Kunden und Beschäftigte schaffen, den Parksuchverkehr zu reduzieren und damit letztendlich die Aufenthaltsqualität in der Stadt zu steigern.

Eine Idee dazu gibt es bereits seit längerer Zeit: Dort, wo aktuell noch der Drogeriemarkt „Rossmann“ und das „Tedi“ sind, soll in Zukunft mehr Parkraum geschaffen werden. „Wir haben also vor, die Grundstücke dort zu kaufen, um einerseits die Innenstadt von der B62 kommend sichtbar zu machen und um andererseits rund 200 weitere Parkplätze in Form eines Parkdecks zu schaffen“, erklärte der Rathauschef. Somit würden andere Parkzonen der Altstadt entlastet und eine direkte Verbindung zur Fußgängerzone geschaffen werden.

Gut gefüllt war das Alsfelder Marktcafé zur Informationsveranstaltung zur Altstadtsanierung 2.0. Fotos: ls


Dass die Stadt über einen solchen Schritt nachdenkt, war bereits im März vergangenen Jahres bekannt geworden. Es soll zudem ein ganzes Parkleitsystem geben, das Autofahrer zeigt, wo es noch freie Stellplätze in der Stadt gibt.

Weniger Parkplätze, dafür Fahrradabstellplätze, Sitzmöglichkeiten und Barrierefreiheit

Weit mehr Raum nahm die Gestaltung des Marktplatzes bei Paules Ausführungen ein, der soll nämlich in den kommenden eineinhalb Jahren voll saniert und aufgewertet werden. Soviel vorab: Es soll in der Planung der Stadt auch weiterhin Parkplätze auf dem Marktplatz geben – aber weniger. Zunächst aber ging Paule auf die neue Pflasterung des Stadtmittelpunktes ein. Das von vielen Alsfeldern aus optischen Gründen geschätzte historische Pflaster soll erhalten bleiben, jedoch sollen kaputte Steine ersetzt werden.

Die Gegend rund um den Marktplatz soll zudem barrierefrei, sprich für Rollstuhlfahrer gut passierbar, werden. „Um den Marktplatz herum wird es umlaufend einen barrierefreien Weg geben aus Basaltpflaster. Der Weg soll gerade und deutlich breiter werden“, sagte Paule. Auch die umliegenden Gastronomien sollen darauf Platz finden. Eine Querverbindung über den Platz soll es allerdings nicht geben. „Wir müssen hier auf die Quadratur des Kreises zurückgreifen und auch mit dem Denkmalschutz im Einklang arbeiten.“

Aus diesem Grund werde man für den Platz selbst auf die Wiederverwendung der alten, originalen Basaltsteine setzen, diese aufarbeiten und neu setzen. Kaputte Steine sollen aussortiert werden. Die Neupflasterung und die Verlegung von Versorgungsleitungen und Kabeln soll bereits Ende Mai/Anfang Juni starten – und zwar mit dem südlichen Teil in Richtung Obergasse in verschiedenen Bauabschnitten, sodass der Platz an sich und auch die Geschäfte weiterhin passierbar seien. Die Ausschreibungen an die Firmen sollen jetzt öffentlich gemacht werden.

Öffentlichkeitsaktionen der Stadt während der Baustellen-Zeit

„Wir werden hier punktuell arbeiten und zusätzlich mit verschiedenen Aktionen dafür sorgen, dass gesehen wird, dass in Alsfeld trotz Baustelle etwas los ist, dass sich hier etwas bewegt für die Zukunft und das wir die Stadt voranbringen“, erklärte Paule und erntete Applaus aus dem Publikum.


Wie genau das aussehen soll? In verschiedenen Öffentlichkeitsaktionen wie beispielsweise einem Bürgerbaubeginn, wo sich jeder einen der alten Steine mitnehmen könne, einer Kinderbaustelle und natürlich gezielten Park- und Verkehrsregelungen während dieser Zeit. Auch sollen die umliegenden Geschäfte in die Aktionen eingebunden werden.

Interessiert hörte man den Ausführungen von Bürgermeister Stephan Paule zu.

Ein großer Streitpunkt war im vergangenen Jahr die Parksituation am Marktplatz gewesen. Die Stadt hatte überlegt, den Platz ganz autofrei zu gestalten. Dagegen gab es jedoch vor allem von angrenzenden Geschäftsinhabern massiven Protest. Nun verkündete Paule eine Kompromisslösung. Eine Parkreihe soll wegfallen, die andere soll erhalten bleiben. „Die Bürgerbefragung hat ein sehr differenziertes Bild ergeben. Aber von den Geschäften in der Innenstadt wird ein autofreier Marktplatz als existenzbedrohend empfunden“, klärte Paule auf. In Zukunft soll die Parkreihe zur Marktplatzmitte hin wegfallen und versenkbare Poller sollen die Verkehrsberuhigung flexibel machen.

„Schon jetzt ist der Marktplatz für rund 30 Tage im Jahr für Feste und Veranstaltungen autofrei“, sagte er und verwies damit auf die Bürgerbefragung, in der sich die Alsfelder als feierfreudiges Volk zeigten und sich vor allem dafür aussprachen, den Marktplatz für Feste und Veranstaltungen zu besuchen. Dennoch soll geprüft werden, ob die autofreie Zeit auf den Marktplatz auf Samstagnachmittag und Sonntag ausgeweitet werden kann, und auch ob Ultra-Kurzzeit-Parkplätze möglich sind.

Übrigens: Auch wenn die Sanierung auf die Pfingstmarktzeit fällt, der Festzug wird bislang weiterhin mit Startpunkt auf dem Marktplatz geplant. „Wir sanieren punktuell und gehen davon aus, dass der Festzug sich dort trotzdem versammeln kann. Sollte das doch nicht gehen, wird er von einem anderen Platz losziehen. Es soll auf jeden Fall einen Festzug geben“, bestätigte Bauamtsleiter Tobias Diehl auf Nachfrage von Oberhessen-live.


Auch für die Fahrradfahrer soll sich etwas ändern: Am Marktplatz soll es vier Standorte geben, wo sich die Räder abstellen lassen. Dazu soll es eine Ladestation für E-Bikes geben. Der Schwälmer Brunnen soll dort bleiben, wo er ist, aber aufgehübscht werden. Dazu soll am Marktplatz wohl ein „bodengleicher Brunnen“ entstehen. Dem müssten die Stadtverordneten jedoch noch zustimmen, sowie den anderen Plänen auch.

Gezielt gegen Leerstände vorgehen

Begrünt werden soll der Marktplatz auch, allerdings nicht mit einer dauerhaften Bepflanzung, sondern mit flexiblen Kübeln. Dazu sollen „attraktive Sitzmöglichkeiten“ außerhalb der umliegenden Gastronomien entstehen. Bei den Gastronomien und Einzelhändlern in der Innenstadt will die Stadt gezielt gegen Leerstände, die vor allem die Obergasse betreffen, vorgehen und in diesem Zuge auch das Restaurant „Pranger“ im Weinhaus neu vermieten.

Neben der Begrünung, stand vor allem der autofreie Marktplatz, die Parksituation und die Barrierefreiheit des Platzes im Mittelpunkt des Abends.

Paule wies nochmal Vermieter, Hauseigentümer, Ladenbesitzer und eventuelle Neugründer auf die Förderprogramme der Stadt hin. Zugleich bemängelte er allerdings auch die Öffnungszeiten in der Innenstadt. „Es gibt insgesamt nur 16 Öffnungszeitenstunden in der Woche, an dem alle in der Obergasse geöffnet haben“, erklärte er und bat darum, auch die Öffnungszeiten einheitlicher zu gestalten. „Es gibt drei verschiedene Modelle und online sind viele Öffnungszeiten gar nicht auffindbar.“ Ziel sei es, auch die Öffnungszeiten auf Touristen abzustimmen und ein „Kaufhaus Innenstadt“ zu schaffen.

Auch die Stadt wolle in Sachen Tourismus noch stärker angreifen und geführte Laufwege schaffen, die Stadteingänge attraktiver gestalten und Informationsschilder aufstellen. In eineinhalb Jahren bereits soll der erste Bauabschnitt mit Fokus auf den Marktplatz abgeschlossen sein – und schon Ende Mai/Anfang Juni soll Alsfeld den ersten Schritt in Richtung Zukunft und in Richtung neue Altstadt gehen.


Alles rund um die Altstadtsanierung von Alsfeld lesen Sie hier.

 

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3 Gedanken zu “Altes Pflaster soll bleiben, genau wie eine Reihe Parkplätze

  1. Lasst die Autofahrer am Marktplatz einkaufen, wir Fussgänger nutzen die Geschäfte ohne Parkplatz vor der Tür,und hält die Luft sauber,das wollen alle,denn sebst dafür was tun,Fehlanzeige!!!Wichtig ist, der eigene Vorteil,!!!

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  2. Dank von allen Autofahrern , die dann weiter ihre Erkundungsfahrten (Ehrenrunden),das mehrmals hintereinander, über den Merktplatz fortführen können.
    Wegen der paar Parkplätzrn , die wegfallen sollen, so ein Aufriss??? Was ändert dadurch den Autoverkehr über denPlatz?
    Neugestaltung ja, aber ohne Autos, Touristen kommen auch ohne zum Rathaus

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