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Missionar, Seelsorger, Sozialarbeiter und liebevoller FamilienvaterEhemaliger Pfarrer Gerhard Laufer feiert 95. Geburtstag

LINGELBACH (ol). Vor Kurzem feierte der ehemalige Pfarrer der Gemeinden Berfa, Hattendorf und Lingelbach, Gerhard Laufer, seinen 95. Geburtstag. Stadtrat Heinrich Muhl und Ortsvorsteher Gerhard Eurich gratulierten dem Geburtstagskind im Namen von Bürgermeister Stephan Paule und der Gremien der Stadt Alsfeld.


In der Pressemitteilung der Stadt Alsfeld heißt es, Gerhard Laufer, geboren in Breslau in Schlesien, besuchte dort von 1930 bis 1940 die Mittelschule. Nach der Schule begann Gerhard Laufer eine landwirtschaftliche Ausbildung im Isergebirge. Der junge Laufer musste hier beim Anbau von Gerste, Weißkraut, Kohlrabi, Flachs, Mohn und Kartoffeln kräftig anpacken. Schnell bemerkte man dabei auch seine geistigen Fähigkeiten. Kurzerhand wurde er Gutsassistent, und durfte die Lohn-, die Naturalien- und die Ertragsbücher führen. Nach nur zweijähriger Lehrzeit musste Landwirt Laufer im Dezember 1942 in den Krieg.

Gottes Wort verkünden

Nach Krieg, Kriegsgefangenschaft und Arbeitslager betreute Laufer zweieinhalb Jahre lang eine Tierzucht bei Bayreuth. In dieser Zeit kam er durch Predigten zum Glauben an Gott. Als 25-jähriger entschied er sich deshalb noch im gleichen Jahr dazu, seinen weiteren Weg als zukünftiger Missionar zu gehen, der Menschen Gottes Wort verkündet und sie zu Gottes Jüngern werden lässt.

Zur Vorbereitung auf diesen Auftrag besuchte Laufer das „Seminar für innere und äußere Mission“ auf der theologischen Hochschule von 1949 bis 1953. Diesem Seminar folgte in 1954 die Sprachenschule in London, und dann von 1954 bis 1955 die Missionsausbildung an der Missionsakademie in Hamburg.

„Gottes Weichen waren nun gestellt, und so ging es verzugslos nach der Ausbildung noch in 1955 zur Missionsarbeit nach Thailand“, erzählt Laufer. Missionar Laufer wurde im Norden Thailands in Phan in der eher ländlich geprägten Provinz Phayao eingesetzt. Um in Thai predigen zu können, musste er zunächst einmal die schwierige Landessprache erlernen. Insgesamt musste er bei der Provintialregierung sieben Examen ablegen und damit belegen, dass er Thai lesen und schreiben konnte.

„Diese Liebe war ein Geschenk Gottes“

Nach einjähriger Missionsarbeit in Thailand, bekam Missionar Laufer dann die Unterstützung, die er bei seinem Wirken auch dringend benötigte. Zu ihm kam seine Verlobte Elma. Gerhard Laufer hatte sie in 1954 nach der Sprachenschule in Düsseldorf kennengelernt. „Diese Liebe war ein Geschenk Gottes, denn Elma war mit mir gemeinsam bereit unser Leben der Missionsarbeit zu widmen. Sie hat von 1955 bis 1956 die Missionsausbildung auf der Missionsakademie in Hamburg absolviert und ist mir anschließend unverzüglich nach Thailand gefolgt, wo wir dann in 1957 geheiratet haben“, sagte er und blickte verliebt in Richtung seiner Ehefrau.

In der 17-jährigen Missionsarbeit von Gerhard Laufer wurde Gottes Wort immer weiter ins Land hineingetragen. Neben den Gottesdiensten in der Provinz erweiterte Missionar Laufer das Gottesdienstangebot bis hin zu den 225 damals in Bangkok lebenden deutschen Staatsbürgern. Der ehemalige Pfarrer stellte sicher, dass auch in Bangkok monatlich Kindergottesdienste, Gottesdienste und Bibelstunden stattfanden. Unzählige Einheimische wurden zu Christen und kamen in die Gotteshäuser. Aus den Bambushallen wurden Steinkirchen. Überall wurde gebaut, viele Kirchenhäuser, Gemeindehäuser, Wohnhäuser und sogar ein Internatsbau entstanden.

Aus dem Missionar wurde gleichermaßen ein Bauherr, ein Finanzverwalter, ein Sozialarbeiter und ein liebevoller Familienvater mit drei Töchtern und zwei Söhnen, die alle in Thailand geboren wurden und dort von ihrer Mutter unterrichtet und zum Kindergarten, oder zum Teil in die dortige Schule gingen. Mittlerweile darf sich das Ehepaar Laufer über 13 Enkel und drei Urenkel, ein vierter ist unterwegs, freuen.

In der gesamten Missionszeit in Thailand war die Familie so stark gefordert, dass sie sich lediglich zweimal einen Heimaturlaub erlaubte, bevor sie in 1972 wieder nach Deutschland ging. Über Marburg führte dann der Weg nach Hamborn bei Duisburg, wo Gerhard Laufer einen Herzinfarkt erlitt und anschließend in 1976 zur heutigen Kirchengemeinde Bechtelsberg versetzt wurde.

13 Jahre als Pfarrer in Berfa, Hattendorf und Lingelbach

Schnell stellte sich heraus, dass Gerhard Laufer in Berfa, Hattendorf und Lingelbach auch wieder stark gefordert sein würde. In seiner dortigen 13- jährigen Amtszeit bis zur Pensionierung in 1989 nahm er nicht nur die seelsorgerischen Aufgaben des Kirchengemeindepfarrers als Nachfolger von Pfarrer Dellit wahr, nein, er musste sich auch hier wieder einmal als Baumeister bewähren. In seiner Amtszeit betreute er die Renovierung der Kirche in Lingelbach, die Erneuerung des Kirchendaches in Hattendorf und in einer Vertretungszeit in Ottrau, die Erneuerung der Kirchentreppe und der Toilettenanlagen im dortigen Gemeindehaus.

Auch nach seinem Ruhestand missionierte Gerhard Laufer weiter. Bis Anfang 2018 gestaltete er noch die Bibelstunden, was er nun allerdings gesundheitsbedingt nicht mehr kann. Rückblickend auf diese schöne Zeit führt er lächelnd aus: „Ich freue mich, dass ich den Menschen hier rund um den Bechtelsberg Gottes Wort verkünden durfte und ihnen bei ihren Ängsten und Nöten zur Seite stehen konnte. Ich habe sie kennen und schätzen gelernt, schön, dass wir hier unter ihnen unsere Heimat finden durften.“ Überzeugt äußert Gerhard Laufer abschließend: „Alles in meinem Leben war Führung und Fügung Gottes.“