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Ein Dokumentarfilm von Leslie Franke und Herdolor LorenzDer marktgerechte Patient

ALSFELD (ol). Heutzutage heißt es in Krankenhäusern oftmals nicht mehr „was braucht der Patient, sondern was bringt er uns“, das zeigt der Dokumentarfilm „Der marktgerechte Patient“. Der DGB-Vogelsbergkreis zeigt diesen Film am Mittwoch, den 16. Januar um 20 Uhr im Kinocenter Alsfeld. Der Eintritt ist frei.


Es gibt laut Pressemitteilung des DGB-Vogelsbergkreis bereits zahllose Berichte über skandalöse Zustände in den deutschen Krankenhäusern. Erstaunlicherweise fehlt dabei aber fast immer der Bezug auf die wesentliche Ursache dieser Zustände. Der Patient werde nicht mehr als Mensch betrachtet, dem es zu helfen gilt, sondern als einen Menschen, mit dem man etwas machen könne. Der Patient, der laut Pressemitteilung zum Mittel wird, der Patient, den man benutzt, um Erlöse zu optimieren.

Die Frage sei nicht mehr: „was braucht der Patient, sondern was bringt er uns“. Gleichzeitig durchforsten Wirtschaftsberater jede Abteilung, ob ein Vorgang nicht doch noch mit weniger Personal bewältigt werden kann. Viele Ärzte und noch mehr Pfleger-innen wollen und können in diesem System nicht mehr arbeiten, ohne selbst krank zu werden. In dieser Situation will der DGB-Vogelsbergkreis den Film „Der marktgerechte Patient“ im Kino in Alsfeld zeigen.

Alle Veranstaltungen mit diesem Film würden die Diskussion über die Ausrichtung der Gesundheit am Profit vorantreiben. Deshalb werde man nach dem Film auch gemeinsam diskutieren.

Gesundheitsminister Jens Spahn habe verkündet, 13.000 neue Pflegestellen schaffen zu wollen. Woher er diese Fachkräfte bei den Arbeitsbedingungen in den Krankenhäusern nehmen will, bleibe sein Rätsel. Dass mehr als 50.000 Stellen in den letzten 15 Jahren gestrichen wurden in Folge der marktgerechten Ökonomisierung und der Fallpauschalenregelung, werde dabei aber verschwiegen.

Der Film „Der marktgerechte Patient“ komme zur rechten Zeit. Er könne Volksbegehren unterstützen, Bündnisse initiieren. Er liefere Argumente auf Basis einer Ursachenanalyse für alle, die sich für eine menschenwürdige und soziale Gesundheitsversorgung für Beschäftigte und Patienten einsetzen wollen.

3 Gedanken zu “Der marktgerechte Patient

  1. Bin gerade frisch aus dem Krankenhaus entlassen (Klinikum Fulda). OP in der Urologie (Prof. Kälble) bestens gelungen. Pfleger und Schwestern 110% engagiert und vorbildlich im Umgang mit den Patienten. Aber man merkt, dass irgendwo die Grenze erreicht ist. Mit noch weniger Personal wird die Pflege leiden. Bei der Verpflegung hat man definitiv den Eindruck, dass der Krankenhausbetrieb quer subventioniert wird. Schlechter geht’s kaum. Die internen Strukturen werden immer verworrener. Da gibt es einen gesonderten „Service“, der neue Handtücher bringt und das Bett neu bezieht. Und einen „Service-Wagen“ am Nachmittag, der Kaffee und Kuchen anbietet. Ein Wahlleistungs-Service nimmt Sonderwünsche zu den Mahlzeiten entgegen. In der Eingangshalle des Klinikums sieht es aus wie auf einem Hauptbahnhof oder Flughafen. Die diversen „Gesundheits-Gewerke“ wie EKG, Röntgen usw. wirken, als hätten sie mit dem übrigen Kliniksbetrieb nichts mehr zu tun. Das moderne Krankenhaus ist ein seelenloser, durchrationalisierter „Service-Apparat“, eine Art Fabrik, geworden. Überall regiert der Rotstift. Der menschliche Zusammenhalt verschwindet. Typisches Beispiel Silvester: Für die, die bereit waren, den Nachtdienst zu übernehmen, gab’s im Vorjahr noch ein kleines Fläschchen Sekt von der Kliniksleitung. In diesem Jahr nichts mehr.

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  2. Die Sichtweise: „Was bringt uns der Patient an Einnahmen!“ Ist alles nicht neu, aber durch die Privatkrankenversicherung und Sonderbehandlung findet immer mehr eine zwei Klassengesellschaft statt. Ob diese Entwicklung, die immer krasser wird so gewollt ist, sollte jeder überdenken. Denn die Gier nach mehr und Geld wird immer größer. Der Kapitallismus ist zu immer mehr Wachstum verdammt. Wenn es weniger wird, dann kann schon das ganze System wie ein Kartenhaus zusammenbrechen.

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    1. Ich glaube nicht, dass die Probleme unseres Gesundheitssystems allein auf kapitalistische Wachstumszwänge und Profitmaximierung zurück zu führen sind. Es geht eher darum, auf Teufel komm raus zu „rationalisieren“ und die Kostenexplosion durch teure Medikamente und Apparatemedizin zu deckeln. Und da man sich an die Gewinnmargen der Pharma-Industrie und den „medizinischen Fortschritt“ inklusive Transplantationsmedizin für alle und ähnlicher Segnungen nicht heran traut, reduziert man eben die Standards in anderen Bereichen (Pflege bis Verpflegung) bis auf das nicht mehr unterbietbare Existenzminimum, damit eine Krankenversicherung für alle überhaupt finanzierbar bleibt.
      Unser gesamtes Sozialsystem gehört allerdings mittlerweile auf den Prüfstand. Die Zweiklassen-Medizin ist ebenso überholt wie die lächerliche Pflege-Teilkasko oder Hartz IV. Wo es so viel überschüssiges Kapital gibt wie in unseren Gesellschaften, dass mangels sinnvoller Anlagemöglichkeiten ständig irgendwelche Spekulationsblasen erzeugt, die elementaren Lebensbedürfnisse der Bevölkerungsmehrheit aber vernachlässigt werden, sollte man über die notwendige Umverteilung ruhig einmal nachdenken. Es ist genug Geld da. Es habn nur die falschen Leute (Heiner Geißler).

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