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Kanzleramtsminister Dr. Helge Braun zur CDU-Podiumsdiskussion über Digitalisierung zu BesuchWeniger Diskussion, dafür mehr Podium

ALSFELD (ls). Das Interesse war da, das Thema bedeutend. Neun Tage vor der Landtagswahl lud der Alsfelder CDU-Stadtverband zu einer Podiumsdiskussion über die Digitalisierung im ländlichen Raum – zu Gast auch Kanzleramtschef Dr. Helge Braun. Die versprochene Diskussion allerdings, die blieb an diesem Abend aus.

Ein großes Thema, dem sich der Alsfelder CDU-Stadtverband für eine Podiumsdiskussion im Alten Postamt an diesem Freitagabend verschrieben hatte: die Digitalisierung. Der zu langsame Netzausbau ist ein Thema, der vielen Vogelsbergern auf die Nerven geht. Der Wahlkampf dürfte geholfen haben, den obersten Ansprechpartner dafür nach Alsfeld zu bekommen. Dr. Helge Braun, Abgeordneter des Gießener Wahlkreises, Chef des Bundeskanzleramts und zuständig dafür, Deutschland zu einem Schnellen-Internet-Land umzubauen, gab sich die Ehre.

Rund 50 Gäste waren zur Podiumsdiskussion gekommen. Fotos: ls

Der Austragungsort der Veranstaltung war mit Bedacht gewählt worden. Das Alte Postamt in Alsfeld, das mittlerweile ein Mix aus modernen Unternehmen der Kreativ-, Medien-, Kommunikations- und IT-Branche beherbergt. Torsten Schneider, Unternehmer, Hausherr und Eigentümer von Oberhessen-live, stellte das Konzept des Gebäudes vor. Ein Beispiel, wie Digitalisierung im Vogelsberg funktioniere, meinte Alexander Heinz, Chef der Alsfelder CDU, dazu.

Digitalisierung ermögliche vieles, sei aber nicht alles

Schneider wies das nicht direkt von der Hand, hatte für die Politiker allerdings auch Kritik parat. „Die Digitalisierung an sich, die macht vieles möglich. Geht man aber nur vom schnellen Internet aus, dann muss man ehrlich sagen, dass wir hier im Vogelsberg immer noch schlecht dastehen“, sagte er. Dennoch: Schnelles Internet ermögliche den Menschen das Arbeiten in Co-Working-Spaces, also fertig eingerichteten Büros, in denen man sich einmieten und arbeiten kann, ohne dass man dazu zwingend in das Unternehmen fahren müsse. „Ich glaube, viele Menschen würden einem Büro, in das sie nur rund zehn bis 15 Kilometer fahren müssen, dem vorziehen, für dessen Weg es eine Anfahrt von einer Stunde ohne Stau bedarf“, führte Schneider aus und erntete zustimmendes Nicken vom Podium.

Unternehmer Torsten Schneider (links) stellte das Konzept des Alten Postamts in Alsfeld vor. Daneben: Landtagskandidat Michael Ruhl, Kanzleramtsminister Dr. Helge Braun und Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule.

Sicher sei dabei allerdings auch, dass gutes Internet nicht die einzige wichtige Zutat für ein solches Projekt wie das Postamt sei. Das ganze Drumherum müsse stimmen. Seien es Parkplätze, die Büroausstattung oder die Gebäudepräsentation als solches. „Der schlechte Ruf des ländliches Raumes ist es, dass man hier keine Leute empfangen kann und das gilt es zu ändern“, forderte er. Wieder Zustimmung vom Podium, auf dem auch Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule und der CDU-Landtagskandidat Michael Ruhl Platz fanden. Dass in der Digitalisierung Chancen stecken Arbeitsplätze zu schaffen, neue Bürger für den Kreis zu gewinnen, die Jugend im selbigen zu halten und auch den Vogelsberg als solches lebenswert zu machen, dem stimmten Ruhl und Paule zu.

Braun: „Wir stehen vor einer großen Entwicklung“

Doch auch Angst und Sorge würden in der Digitalisierung stecken, wie Kanzleramtsminister Helge Braun verdeutlichte. „Viele Menschen haben Angst davor, durch die Digitalisierung ihre Stelle zu verlieren. Diese Angst möchte ich nehmen. Die CDU steht für Wohlstand für alle, Vollbeschäftigung ist der Weg zur Digitalisierung“, sagte Braun – womit der Wahl-Werbeblock an diesem Abend auch nicht zu kurz kam. Einfache Tätigkeiten würden vielleicht wegfallen, doch neue Tätigkeiten würden hinzu kommen, eine neue Wertschöpfung entstehe.

Helge Braun während seiner Vortrags.

„Digitalisierung soll das Leben besser machen und hat es auch schon gemacht“, sagte Braun weiter. Durch sie würden die Menschen schlauer werden, sie verändere die Menschen positiv, verdeutliche der Kanzleramtsminister anhand des Beispiels der künstlichen Intelligenz. „Wir stehen vor einer großen Entwicklung und die bietet große Chancen für den ländlichen Raum. Hier muss man nicht erklären, hier kann man anfassen, fühlen und sehen“, sagte er am Schluss seiner Rede. Applaus vom Publikum.

Wenige Fragen und überwiegend Einigkeit zum Ende

Eine richtige Diskussion wollte an diesem Abend nicht so recht aufkommen. Dafür waren sich die Beteiligten zu einig. Kleinere Meinungsverschiedenheiten gab es jedoch schon. Als Schneider beispielsweise die Datenschutzgrundverordnung ansprach, die kleinere Unternehmen immer wieder vor Probleme stelle und bat, die Politik möge daran etwas ändern. Braun sagte dazu: „Es gibt noch immer große Aufgaben, die noch gelöst werden wollen.“

Aus dem Publikum kam vereinzelt Kritik, man müsse auch über die gesundheitlichen Folgen des Fortschritts sprechen. An Braun persönlich gerichtete gab es den Appell, den Menschen mehr zu erklären, was in der Politik vor sich gehe, aktiver zu sein. Brauns Antwort darauf: „Lieber leise und erfolgreich, als laut und Teil des Problems.“

Am Ende gab es noch ein paar wenige Fragen aus dem Publikum.

Das Schlusswort des Abend blieb beim Landtagskandidaten, der neun Tage vor der Wahl nochmal die Chance nutzte und dafür warb, den Weg weiterhin mit der CDU zu gehen. „Also die Stimme am Sonntag für Michael Ruhl“, warf Paule am Ende noch eilig ein und zog das letzte Gelächter am Abend damit auf seine Seite.

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Studierte in Gießen Germanistik und Kunstgeschichte. Absolvierte ab 2016 ihr Volontariat bei Oberhessen-live und ist seit 2018 Redakteurin bei dem Online-Magazin.

2 Gedanken zu “Weniger Diskussion, dafür mehr Podium

  1. „Die versprochene Diskussion allerdings, die blieb an diesem Abend aus.“
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    Worüber will man mit „den Menschen“ denn noch diskutieren? Jeder weiß doch:
    – Glasfaserausbau kam in ganz Deutschland viel zu spät;
    – im Vogelsberg noch später (=> https://www.oberhessen-live.de/2018/03/08/das-ziel-ist-es-dass-wir-bis-mitte-2019-fertig-sind/)
    – und dank Eingreifens der Landesregierung mit veralteter Technologie der Telekom (Vectoring, Hausanschlüsse überwiegend in Kupfer)
    – damit erforderliche Übertragungsgeschwindigkeit für kleinere Firmen nicht oder nur mit immensen Zusatzkosten möglich,
    – für den individuellen Hausanschluss (Homeoffice) auf lange Sicht Zukunftsmusik und damit kein wirksamer Stopp der Landflucht (https://politik-digital.de/news/das-vergessene-land-wie-digitalisierung-die-landflucht-stoppen-kann-154501/)
    – das alles im wesentlichen durch die CDU verursacht: Helmut Kohl stoppte den bereits 1981 vom Kabinett Helmut Schmidt beschlossenen deutschlandweiten Aufbau eines Glasfasernetzes zu Gunsten des Ausbaus von Kabelfernsehen (!!!), siehe https://netzpolitik.org/2018/danke-helmut-kohl-kabelfernsehen-statt-glasfaserausbau/.
    __________

    Und jetzt hält man der Bevölkerung Vorträge wie diese: „Wir stehen vor einer großen Entwicklung und die bietet große Chancen für den ländlichen Raum. Hier muss man nicht erklären, hier kann man anfassen, fühlen und sehen“. Doch, hier muss man was erklären, nämlich wer Schuld ist an dem ganzen Rückschritt im Vogelsberg: DIE CDU! Buh!

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