Das Romröder Schloss. Foto: privat
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Panorama18

GLOSSE über absurde Ladung eines Journalisten in den MagistratDas Märchen der eingeschnappten Königin zu Romrod

GLOSSE|In Romrod wird ein Lokaljournalist in den Magistrat zitiert, weil der Bürgermeisterin seine Berichterstattung über ein Bauprojekt nicht passt, das teurer und teurer wird und nicht fertig zu werden scheint. Diese Geschichte ist so bizarr und absurd, dass sie an ein fernes Land erinnert – oder an ein Märchen. Eine Glosse von Juri Auel.


Es war einmal ein kleines Städtchen, das nannte sich Romrod. Dort gab es ein prächtiges Schloss – und eine Königin, die etwas entfernt von diesem schönen Schloss ihr kleines Königreich regierte. Eines Tages, so erzählte man sich weit und breit, beschloss die Königin, sich ihr eigenes Denkmal zu bauen. Sie hatte es sich verdient, dachte sie sich. Schließlich war sie eine gute Königin.

Damit ihre Untertanen, die das alles bezahlen mussten, nicht zu viel über das große Vorhaben murren würden, sollte das Denkmal auch einen Nutzen für sie haben. Die Königin überlegte und überlegte. Und als sie noch ein bisschen weiter überlegt hatte, da kam ihr eine Idee. Ein Heim für die Alten und Schwachen sollte es sein. Da könne doch niemand etwas dagegen haben, dachte sie sich.

Viele Untertanen fanden die Idee tatsächlich gar nicht schlecht. Also begann man mit dem Bau des nützlichen Denkmals. Doch der Architekt, der die Idee der Königin zu Papier gebracht hatte, musste irgendwann gehen. Ein neuer musste her. Und das nicht genug. Irgendwann stellte man fest, dass das Denkmal viel zu klein war, um für die Alten und Schwachen optimal zu sein. 47 Betten sollten anfangs hineinpassen, am Ende mussten es 54 sein.

So gingen die Jahre in das Land und das Denkmal der Königin wurde teurer und teurer. Mehr als eine Millionen Taler sollten es schließlich zusätzlich sein. Und so kam es, dass die Untertanen die Idee plötzlich gar nicht mehr so toll fanden, wie zu dem Zeitpunkt, an dem alles begonnen hatte.

Ein Brief an den örtlichen Chronisten

Das passte der Königin gar nicht. Sie musste sich etwas einfallen lassen. Also überlegte sie. Und überlegte und überlegte. Bis ihr schließlich wieder eine gute Idee kam. Sie wollte das Übel an der Wurzel packen. Also ließ sie einen Brief an den örtlichen Chronisten schreiben, der es gewagt hatte, unbequeme Fragen über ihr Denkmal zu stellen. Im Magistrat sollte er ihr, seiner Königin, gefälligst Rede und Antwort stehen, was ihn zu dieser Dreistigkeit bewogen hatte, etwas aufzuschreiben, was seiner Königin nicht in den Kram passte.

Der Chronist wusste zunächst nicht, wie ihm geschah. War es nicht sein Recht, ja, gar seine ureigene Pflicht, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit aufzuschreiben – egal, was seine Königin davon hielt? War es nicht genau das, was dieses tolle Königreich von so vielen anderen auf der Welt unterschied? AfD-listan zum Beispiel. Oder Nordkoreanien. Nach kurzer Zeit sammelte er sich wieder. Er war es ja gewohnt, von seiner Königin und ihrem Gefolge zurechtgewiesen zu werden.

Die Königin war nämlich urplötzlich Mitglied in einem exklusiven Club geworden, den charismatisch-depperten-Unionisten – kurz CDU. Eines Tages, noch bevor die Sache mit dem Denkmal hochkochte, sollte sich der Club zu einem wichtigen Treffen einfinden. Da wollte der Chronist auch gerne dabei sein und das Geschehen für die Nachwelt dokumentieren. Doch er wurde nicht eingeladen. Die Chronisten, so sagte ihm jemand von den charismatisch-depperten Unionisten, würden ja nur das schreiben, was sie für gut und richtig befänden. Deshalb habe man sich entschlossen, lieber selbst einen Bericht zu verfassen. Da stünde zumindest auch das drin, was wirklich geschehen sei. Übrigens habe ein Oberstudienrat die Arbeit übernommen. Ein Oberstudienrat! Der kann doch gar nichts falsch machen! Dem Chronisten blieb nichts anderes übrig, als den Kopf zu schütteln.

Der Königin reichte es irgendwann mit ihren Untertanen. Und obwohl die sie erst vor noch gar nicht so langer Zeit erneut zu ihrer Königin gewählt hatten, wollte sie lieber ins ferne Wiesbaden. Dort sollte alles viel, viel schöner sein. Das blöde Denkmal hatte sie schon fast vergessen – doch leider, leider wurde das mit dem schönen Wiesbaden nichts.

Und so blieb ihr nichts anderes übrig, als in dem kleinen Städtchen Romrod mit dem prächtigen Schloss und dem halbfertigen Denkmal weiter zu regieren. Und wenn sie nicht gestorben ist, dann tut sie das noch heute.

Anmerkung der Redaktion: Eine Glosse ist ein etwas aus der Mode gekommenes, journalistisches Stilmittel. Es zeichnet sich durch satirischen, zugespitzten Charakter mit teils polemischen Zügen aus, hat aber zumeist eine wahre Nachricht als Kern – so wie hier der Fall.

18 Gedanken zu “Das Märchen der eingeschnappten Königin zu Romrod

  1. Yo Chabos macht euch locker und bleibt beim Thema, sonst verliert ihr den Swag.

    Euer Babo

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  2. Baron von Windhausen (Bernd) wo bleibt deine christliche Nächstenliebe? Psalm 37, 8 Steh ab vom Zorn und lass den Grimm, entrüste dich nicht, damit du nicht Unrecht tust.

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  3. @ Baron von Windhausen 19.03.2018 um 10:24 Uhr
    Falscher Adel sollte dann aber wenigstens richtig schreiben können (Genöle bitte mit „h“!). Ansonsten unterscheidet sich der echte Adel vom falschen durch seine Bescheidenheit. Weder distanziert er sich überheblich von DER „plebs“ (ja, grammatisch femininum!), noch maßte er sich an, den Begriff „plebs = das Volk“ lediglich abwertend im Sinne einer „großen Gruppe von ungebildeten Menschen“ zu gebrauchen. In dem Adjektiv „plebiszitär“ ist die wertfreie Wortbedeutung auch durchaus noch erhalten. Ein unverzeihliches NoGo wären weiterhin Bemerkungen über eine eventuell schlechte wirtschaftliche Situation des Gegenübers, zumal Adel und materieller Reichtum aufgrund von Flucht und Vertreibung, Enteignung oder Konzentration des Erbes infolge entsprechender Hausgesetze (nur der Erstgeborene erbt, der übrige nicht selten sehr zahlreiche Nachwuchs muss sehen, wo er bleibt) in keiner Weise gleich zu setzen sind. Ein Großteil des Adels lebt traditionell von seriöser und bodenständiger Arbeit, wobei (asketische) Erziehung, Familientradition (Bildung!) und eine gewisse Verpflichtung, sich in der eigenen Familie und in Adelskreisen allgemein nicht unmöglich zu machen, mindestens eben so viel zum beruflichen Erfolg beitragen wie der „Name“ (ein einfaches „von“ reicht hier keinesfalls!) oder die Beziehungen (gegenseitige Hilfe ist in Adelskreisen deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Gruppierungen der Gesellschaft). Sich lustig zu machen über beruflichen Misserfolg, niedrigen Kontostand oder schlechte Bezahlung würde sich echtem Adel auch aus religiös motivierter Demut verbieten. Adelsfamilien sind Schicksalsgemeinschaften mit sehr vielen Mitgliedern. Infolgedessen ist das Schicksalhafte des Lebens (andere sprechen von Zufall) hier durch das Erleben vieler glücklicher wie unglücklicher Biografien sehr präsent. Neureiches Gehabe, wie Sie es hier präsentieren, prägt eher den sozialen Aufsteiger aus kulturell defizitären Verhältnissen. Ein weiteres Merkmal adeleliger Herkunft ist das durch Tradition und Erziehung geweckte Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und den Fragen des Gemeinwohls. Adelige sind nicht grundsätzlich reaktionär oder demokratiefeindlich; ganz im Gegenteil. Viele lernen sehr früh, Verantwortung in einem überindividuellen Sinn zu tragen, und sei es nur für den Ruf der eigenen Familie oder die Untadeligkeit des eigenen Namens.
    Ansonsten empfinde ich Ihre gespreizten – gewollt „adeligen“ – Ausführungen (Beispiel: „Die letzte Person, die sich in der Presse 2010 des Stilmittels Glosse bediente, wohnt heute zerstreut im Friedwald. Deshalb meine Besorgnis um die Gesundheit der Beteiligten.“) – bei aller grundsätzlichen Toleranz – als peinliche Überheblichkeit, deren Tatsachengehalt zudem nicht verifizierbar sein dürfte. Ihr unerträglich „humorvoller“ Schlusssatz „Ich hebe mich nun auf ewig in einer Puderwolke aus diesem Sumpf hinweg, muss noch meine Mätresse vögeln und die Hunde füttern.“ macht wohl Ihr wahres Herkommen für jeden deutlich. Es bleibt Ihnen überlassen, die angedeuteten Tätigkeiten in jeglicher Reihenfolge und unter beliebigem Austausch von Subjekt und Objekt auszuführen. Aber weisen Sie nicht anderen einen Platz „im Sumpf“ zu, aus dem Sie allein uns übrige anquaken.

    Bitte löschen Sie die beiden vorhergehenden Posts!

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  4. Sorry, habe leider nur sehr langsames Internet mit zusätzlich verzögerter Browsergeschwindigkeit bei den ständigen Updates. Deshalb diverse Fehler:

    Korrektur:
    (1) IN dem Adjektiv „plebiszitär“…
    (2) Ansonsten empfinde ich Ihre gespreizten – gewollt „adeligen“ – Ausführungen […] – bei aller grundsätzlichen Toleranz – als peinliche Überheblichkeit…
    (3) Ebenso Ihren unerträglich „humorvollen“ Schlusssatz…

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  5. @ Baron von Windhausen 19.03.2018 um 10:24 Uhr
    Falscher Adel sollte dann aber wenigstens richtig schreiben können (Genöle bitte mit ha!). Ansonsten unterscheidet sich der echte Adel vom falschen durch seine Bescheidenheit. Weder distanziert er sich überheblich von DER „plebs“ (ja, im Deutschen femininum!) oder maßte sich an, die ursprüngliche lateinische Bedeutung „das Volk“ lediglich abwertend in diejenige einer „großen Gruppe von ungebildeten Menschen“ zu übertragen. Ist dem Adjektiv „plebiszitär“ ist der positive Gebrauch auch durchaus noch erhalten. Ein unverzeihliches NoGo wären Bemerkungen über eine eventuell schlechte wirtschaftliche Situation des Gegenübers, zumal Adel und materieller Reichtum aufgrund von Flucht und Vertreibung, Enteignung oder Konzentration des Erbes durch entsprechende Hausgesetze (nur der Erstgeborene erbt, der übrige kinderreiche Nachwuchs muss sehen, wo er bleibt) in keiner Weise gleich zu setzen sind. Ein Großteil des Adels lebt traditionell von ehrlicher Arbeit, wobei (asketische) Erziehung, Familientradition (Bildung!) und eine gewisse Verpflichtung, sich in der eigenen Familie und in Adelskreisen allgemein nicht unmöglich zu machen, mindestens eben so viel zum beruflichen Erfolg beitragen wie der „Name“ (ein einfaches „von“ reicht hier keinesfalls!) oder die Beziehungen (gegenseitige Hilfe ist in Adelskreisen deutlich stärker ausgeprägt als in anderen Gruppierungen der Gesellschaft). Sich lustig zu machen über beruflichen Misserfolg, niedrigen Kontostand oder schlechte Bezahlung käme für echten Adel auch deshalb nicht in Frage, weil sich dies zumeist auch aus religiös motivierter Demut verbietet. Adelsfamilien sind Schicksalsgemeinschaften mit sehr vielen Mitgliedern. Das Schicksalhafte des Lebens (andere sprechen von Zufall) ist hier durch das Erleben vieler glücklicher wie unglücklicher Biografien sehr präsent. Neureiches Gehabe, wie Sie es hier präsentieren, prägt eher den sozialen Aufsteiger aus nicht sehr vorzeigbaren Verhältnissen. Ein weiteres Merkmal adeleliger Herkunft ist das durch Tradition und Erziehung geweckte Interesse an den öffentlichen Angelegenheiten und den Fragen des Gemeinwohls. Adelige sind nicht grundsätzlich reaktionär oder demokratiefeindlich; ganz im Gegenteil. Viele lernen sehr früh, Verantwortung in einem überindividuellen Sinn zu tragen, und sei es nur die Verantwortung für den Ruf der eigenen Familie oder die Untadeligkeit des eigenen Namens.
    Ansonsten finde ich Ihre gespreizten – gewollt „adeligen“ – Ausführungen (Beispiel: „Die letzte Person, die sich in der Presse 2010 des Stilmittels Glosse bediente, wohnt heute zerstreut im Friedwald. Deshalb meine Besorgnis um die Gesundheit der Beteiligten.“) empfinde ich – bei aller grundsätzlichen Toleranz – als peinliche Überheblichkeit, die ich zudem vom Tatsachengehalt her für nicht verifizierbar halte. Mit anderen Worten: Hohles Wortgeklingel. Ihr unerträglich „humorvoller“ Schlusssatz „Ich hebe mich nun auf ewig in einer Puderwolke aus diesem Sumpf hinweg, muss noch meine Mätresse vögeln und die Hunde füttern.“ All dieses vollführen Sie bitte in jeglicher Reihenfolge und unter beliebigem Austausch von Subjekt und Objekt. Aber weisen Sie nicht anderen einen Platz in dem Sumpf zu, aus dem Sie allein uns Übrige anquaken.

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  6. welch ein Quatsch hier zusammen geschrieben wird, kann und werde ich nicht zu Ende lesen, geht mich auch nichts an.
    Luswir, habe es mir angeschaut.
    Musste dann auch feststellen, wie kann man nur so einen Mist planen und bauen. Einfach nur schrecklich der Bau und das Umfeld.

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  7. Alter Adel erträgt gelassen Genöle des Plebs, während der landesweit gepflegte Journalismusstil sich oft in Verdächtigungen ergießt, die aus rechtlichen Gründen mit einem Fragezeichen versehen werden. Man möchte halt irgendwie mitregieren. Saubere Berichte machen Arbeit, machen nichts her, werden nicht gedruckt, was sich unmittelbar auf dem Konto der Unterbezahlten niederschlägt. Beobachtung dieses Getümmels um einen Bahnhof zum Herrgott mit einer gehörigen Portion Distanz, Sarkasmus und Selbstironie verlängert die Lebenzeit, schont inneres Gekröse und Hirn. Die letzte Person, die sich in der Presse 2010 des Stilmittels Glosse bediente, wohnt heute zerstreut im Friedwald. Deshalb meine Besorgnis um die Gesundheit der Beteiligten. Ich hebe mich nun auf ewig in einer Puderwolke aus diesem Sumpf hinweg, muss noch meine Mätresse vögeln und die Hunde füttern.

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  8. @ Baron von Windhausen 18.03.2018 um 19:06 Uhr
    Wohl eher ein Baron von Windbeutel oder Münchhausen, da die von Windhausen im Mannesstamm seit langem ausgestorben sind. Aber dafür ein wahrer „Meister“ des sog. „persönlichen Arguments“, das übrigens als übler Verstoß gegen die allgemeinen Denkgesetze gewertet wird.
    Mein Monitor wird schwarz, wenn da irgendwelche nebulösen Vorfälle aus ARD und ZDF aufgearbeitet werden, an die sich außer Ihnen niemand mehr erinnert. Und wenn Person und Sache zu dem absolut unverdaulichen Brei einer persönlichen Lebenssituation des OL-Redakteurs Auel zusammen gerührt werden. Welche Position im Hinblick auf Art. 5 GG nehmen Sie denn überhaupt ein? Wo ist Ihr Standpunkt (außer bei denen, die offensichtlich schon sehr auf die Schonung von Magen, Nieren und Leber achten müssen, damit ihnen nichts sauer aufstößt)? Ich sehe hier nur unverständliche Ressentiments eines falschen Adligen gegen den vermeintlichen Pöbel der Kommentatoren, die sich aus sehr nachvollziehbaren Gründen für einen unabhängigen Journalismus einsetzen.
    Lüften Sie mal die Perücke und blasen Sie sich den Staub vom Lorgnon. Sonst schlägt Ihnen die Furcht vor dem längst überfälligen Sturm auf die Bastille noch auf die letzten funktionsfähigen Organe.

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  9. Bundespräsident? War da nicht etwas? Medienaffäre Wulff?

    … wenn die Medien nicht als kritische Öffentlichkeit mit einer wichtigen Aufgabe begriffen werden, sondern als Bühne, auf der man gut und schlecht dastehen kann.

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  10. „Unabhängiger Journalismus“. Beispiel Bettina Schausten, die im Interview mit einem ehemaligen Bundespräsidenten log, dass landesweit die Monitore schwarz wurden. Für mich, Herr Auel spiegelt Ihre sogenannte Glosse Ihre eigene Lebenssituation. Vom Studium der Staats-und Geschichtswissenschaften zu einer Online-Zeitung. Eine eigenwillige Karriere. Ihr Text zeigt eher schlecht verpackten Groll und der schlägt auf Magen, Nieren und Leber. Die nachfolgenden Beiträge liegen eher auf dem Niveau von RT-Deutsch: Zusammenrottung in Schriftform, wie vor der Bastille am 14. Juli 1789

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  11. @ Luswir Sorry, sorry, sorry. Das versteht wieder kein Mensch. Also noch mal:
    >> Dementsprechend nervös reagierte beispielsweise die Kreisverwaltung, als ein Freiwilligenportal die für das bundesweite Modellvorhaben „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ versprochene „Bürgerbeteiligung von Anfang an“ einforderte. << Besser so?

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  12. @ Luswir
    Überall, wo Sie sich als Bürger in kommunalpolitische Entscheidungen einmischen, stoßen Sie auf merkwürdige Entscheidungen der Stadtverordnetenversammlungen oder Gemeinderäte. Sehr oft sind Sie dann mit Entscheidungen konfrontiert, die alles andere darstellen als die plausibelste oder den Betroffenen zuträglichste Lösung. Und wenn Sie versuchen, „Bürgerbeteiligung“ zu organisieren, um das eine oder andere Projekt noch aufzuhalten oder günstig zu beeinflussen, greifen Sie oft in ein Wespennest und stoßen auf äußerst gereizte Reaktionen, weil Sie irgendwelche Interessen durchkreuzen oder irgendeinen halblegalen Coup gefährden.
    Wer erinnert sich nicht noch der Hotelruine „Haus Ulrichstein“ (http://www.lauterbacher-anzeiger.de/lokales/vogelsbergkreis/ulrichstein/doch-keine-unendliche-geschichte_16585874.htm), die dann zwar dankenswerterweise abgerissen wurde, wo aber die Bedingungen, zu denen die Stadt sich dieses Schandflecks entledigte, für die beteiligte Firma derart ungünstig waren, dass man an eine Abwicklung des Projekts zu branchenüblichen Bedingungen kaum glauben mag. Welche Immobilienfirma kann es sich denn erlauben, den gesamten Komplex auf eigene Kosten abzureißen, das Gelände zu erschließen und anschließend die selbst erstellten Anlagen der Stadt zu schenken?
    Bürgerbeteiligung ist zur Herstellung von Transparenz in öffentlichen Angelegenheiten dringend notwendig und wird auch bei Projektausschreibungen eingefordert, wenn es um öffentliche Fördermittel geht. Doch Bürgerbeteiligung taugt nur etwas, wenn die Mitwirkungsrechte der Bürger satzungsmäßig geregelt sind. Da sieht es allerdings in ganz Hessen finster aus. Das Land müsste zunächst einmal regeln, welche Beteiligungsrechte überhaupt zulässig sind. Mit anderen Worten: Die HGO (Hessische Gemeindeordnung) müsste geändert werden. Alles, was derzeit unter Bürgerbeteiligung läuft, und das ist nicht viel und erfolgt im Vogelsbergkreis nach Gutsherrenart, ist mehr oder minder rechtswidrig. Dementsprechend nervös reagierte beispielsweise die Kreisverwaltung, als ein Freiwilligenportal die für das bundesweite Modellvorhaben „Langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität in ländlichen Räumen“ die versprochene „Bürgerbeteiligung von Anfang an“ eingefordert wurde. Kaum war die Seite online, wurde der Seitenbetreiber unter dem Vorwand, ein Dr. W. wolle sich dort mit ihm über seine Vorschläge unterhalten, in das „Amt für Wirtschaft und den ländlichen Raum“ gelockt, wo ihn der Leiter der Kreispressestelle und eine stellvertretende Abteilungsleiterin, die namentlich hier sicherlich nicht genannt sein wollen, in die Zange nahmen, ihn mit nebulösen rechtlichen Schritten bedrohten und alles taten, um ihm zu bedeuten, dass seine Vorschläge ohnehin keiner Erörterung wert seien und er sich gefälligst den für Bürgerbeteiligung geltenden „Regeln“ (von wem legitimiert und autorisiert) zu unterwerfen hätte. Die Gesprächsstrategie war offenkundig nach den Regeln der schwarzen Rhetorik angelegt. So unterbrach die Abteilungsleiterstellvertreterin den armen Mann systematisch bei jedem Satz nach den ersten zwei Worten.

    Gehe nicht zu deinem Fürst,
    wenn du nicht gerufen wirst.
    Und um alles in der Welt
    auch nicht, wenn du einbestellt.

    Und an Oberhessen live die Bitte: Weitermachen und nicht einschüchtern lassen. Erdogan ist überall! In jedem Provinzfürst schlummert ein kleiner Despot! Setzt euch mit lokalen Machtstrukturen und den Mächtigen mutig auseinander. Denn diese Leute wollen uns diktieren, wie wir in Zukunft zu leben haben!

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  13. Herr Hartmann,
    was genau ist denn hieran vergleichbar mit Verhältnissen wie in Russland oder der Türkei? Dort wird die Pressefreiheit mit Füßen getreten, Medien werden überwiegend staatlich gesteuert und kritische Journalisten werden grundlos ins Gefängnis gesteckt.
    Ich gehe mal davon aus, Herr Weitzel wurde nicht zwangsvorgeladen und er befindet sich nach wie vor auf freien Fuß.

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  14. @ Michael Hartmann
    Kleines Gedicht gefällig?
    Demokratisch ist der Christ
    nur wenn du seiner Meinung bist.
    Läufst du nicht mit den Herdentieren,
    muss er dich leider unionieren.
    Dass in den anderen Parteien
    die Geister in der Mehrheit seien,
    die nicht zuweilen daran denken
    die Freiheit etwas einzuschränken,
    wenn sich durch das, was nicht geschriebt
    ein Vorteil für sie selbst ergibt,
    möcht‘ andererseits ich nicht bezeugen.
    Denn wo ein Recht ist, läßt’s sich beugen.
    Wenn du nicht acht gibst, kommst du dann
    ganz schnell bei PIS(S) und Putin an.

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  15. Das was hier im kleinen passiert, passiert auch in Berlin und in Brüssel.
    Verhältnisse wie bei Putin, Trump, Erdogan und AM.

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  16. Hallo,

    aufgrund welcher Aussagen ist denn Herr Weitzel zur Unterredung geladen? Alles was ich hier finden konnte, ist einfachste Berichterstattung mit ein paar Zahlen. Keine Wertung oder provozierende Meinung.
    Ich finde es übrigens sehr schade, dass das vor sich hinsterbende Landhotel nicht für die Zwecke der Seniorenwohnungen umgebaut wurde. Der Standort in grüner Umgebung, flache Straßen und Wege zum spazieren gehen,
    Schwimmbad, etc..
    Ich jedenfalls, würde mich als Rentner dort deutlich wohler fühlen als mitten in Romrod. Eingepfercht von B49 und Straße nach Zell und Reweparkplatz. Aber mal abwarten, vielleicht wird ja der kleine Vorplatz (Außenanlage) wunderschön. Da ja laut Presse dafür 322000 € zur Verfügung stehen. Vielleicht ein schöner Springbrunnen, der den Verkehrslärm ein wenig überlagert.
    So, nun eine kleine Provokation:
    Vielleicht bekommen wir Romröder Bürger ja irgendwann das alte Landhotel von seinem chinesischen Besitzer
    unfreiwillig geschenkt! Hoffentlich müssen wir Romröder dann nicht gemeinsam die Abrisskosten und Entsorgung tragen.

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  17. Es war einmal ein ebenso junger wie freier Redakteur namens Uri Jaul. Der lebte in einem Lande, in dem gab es Vögel so groß wie Berge. So groß waren dort die Gefiederten, dass sie vor Jahrmillionen selbst die Vulkane zum Erlöschen gebracht hatten, indem sie sich einfach auf sie setzten und sie bebrüteten. Und still wurde es im ganzen Lande zwischen Rhön und Knüll, Schwalm und Alm, Wald und Wiesen. Und die Herren, die dem Lande gegeben wurden, auf dass sie es regierten, sahen, dass es gut war. Und das Volk, das die erloschenen Vulkane bewohnte und dort im Schweiße seines Angesichtes das Leinöl auf den Magerquark träufelte, sah, dass es gut war, wenn es ebenso still war wie das Land. Und die Regierenden sahen, dass es um so leichter war zu regieren, je stiller das Land und je stiller das Volk. Und als nach vielen Irrungen und Wirrungen auch in der Region der Vulkane, Vögel und Berge (genannt die drei V des Tourismus) die Freiheitlich Demokratische Grundordnung (FDP), namentlich der Verfassungsartikel 5 GG, eingeführt wurden, blieb es still im Lande der drei V, wovon eins ein B war, weil es mit dieser Stille eine BEsondere BEwandnis hatte. Denn damit es so still nicht bliebe wie es nun einmal war, wurde im Landratsamt eine Kreispressestelle eingerichtet. Von dort wurden Leuchtfeuer entsandt zu allen Lokalredaktionen im Lande, auf dass diese verbreiteten, was des Landrats provinzfürstliche Gnaden und dessen Gefolge zwecks Unterbrechung der Stille für der Verlautbarung wert erachteten. Und um das Volk nicht gänzlich verstummen zu lassen, ersann der Landrat manchen Ideenwettbewerb und beschenkte es am Ende mit einem Vogelsbergsong, den dieses auf öffentlichen Plätzen und vor Supermärkten künftig mit ententanzartiger Choreo bei jeder Gelegenheit zu zelebrieren hatte. Und so erschallte nicht selten ebenso unvermittelt wie unmotiviert, die gewohnte Stille lärmend durchbrechend, ein schrilles „Wir sind die Kinder des Vulkans, gemeißelt aus Basalt – mit einem Herz aus Gold…“. Diese nach provinzfürstlicher Anordnung Selbstbewusstsein und Optimismus ausstrahlende „rockige Hymne“ musste in ihrer volksaufwiegelnden Wirkung natürlich gebremst werden. Denn seit der Erfindung des Kindergeburtstags weiß man, wie leicht gute Stimmung völlig aus dem Ruder läuft und in Ordnungswidrigkeiten kumuliert wie Ruhestörung, Sachbeschädigung oder unabhängigem Journalismus. Und seither neigen auch viele Rathauschefs und -chefinnen dazu, ausufernder Berichterstattung kecker Schreiberlinge durch eigene Öffentlichkeitsarbeit die notwendige gedankliche Ordnung zu verleihen. Doch unser Uri Jaul hatte einen kleinen Gendefekt in Form blauer Augen. Und in all seiner Blauäugigkeit war ihm bisher nicht aufgefallen, dass an allen Höfen des Landes bis zu den ärmsten kleinbäuerlichen Gehöften die eigene freie Meinung nicht sonderlich populär und er nur als Hofschreiber wohl gelitten war. Und wenn er vor Schreck nicht gestorben ist, schreibt er noch manche schöne Glosse.

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