Bürgermeister sollen aktiv werden, erklärte Landrat Manfred Görig (2.v.l.). Mit am Tisch Werner Köhler, Leiter des Amtes für soziale Sicherung (l.) und Erich Ruhl sowie Gabriele Richter von der Pressestelle. Fotos: aep

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Nicht noch 3000 Menschen kommen in den Kreis, aber bis Jahresende sollen insgesamt 3000 im Kreis untergebracht sein – Grafiken geben AuskunftEin Soll-und-Haben-Konto verteilt die Flüchtlinge

LAUTERBACH/VOGELSBERGKREIS (aep). 3000 Flüchtlinge: Das war die Zahl, mit der Hombergs Bürgermeister am späten Donnerstagabend aufschreckte. 3000 Flüchtlinge, die in diesem Jahr noch zusätzlich in den Vogelsbergkreis kommen würde. Doch Landrat Manfred Görig stellt diese Zahl am Freitagmorgen etwas anders da: Es werden am Ende des Jahre 3000 im Kreis sein – von denen aber 1210 bereits da sind. Dennoch: Auf einige Kommunen kommt Ungewohntes zu.


Nach einer Konferenz mit allen Vogelsberger Bürgermeistern am Mittwoch erläuterte der Landrat am Freitagmorgen, wie die Verteilung der zu erwartenden Menschen in diesem Jahr geschehen soll – und widerspricht zum Teil der Darstellung des Homberger Bürgermeisters vom Abend zuvor. Maßgabe der Berechnungen seien jene 6800, die Hessen im Januar erreichten, aus denen sich nach dem sogenannten Königsteiner Schlüssel eine Zuteilung von etwa 40 Flüchtlingen pro Woche für den Vogelsbergkreis errechnen lasse. Aktuell gebe es im Kreis noch einen „Vorrat“ von 500 Wohnplätzen. Es sei ersichtlich, so erläuterte Manfred Görig, „dass uns im Sommer die Luft ausgeht.“

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Rasantes Wachstum in der Abteilung des Sozialamts

Die Zuständigkeit für alle Belange der Flüchtlinge bleibe beim Kreis, erklärte Görig – dazu zählen auch Sozialleistungen und Sozialbetreuung. Weil die Zahl der ankommenden Menschen stetig wächst, müsse auch die zuständige Abteilung im Amt für soziale Sicherung mitwachsen, erläuterte dessen Leiter Werner Köhler beim Pressegespräch – und zwar rasant. Aktuell seien weitere fünf Stellen im Kreisausschuss bewilligt worden, so dass diese Abteilung der Kreisverwaltung von einstmals zwei oder drei auf mittlerweile 20 Stellen gewachsen sei.

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Die Karte zeigt, wo sich wie viele Flüchtlinge Ende Januar im Kreis aufhielten (durch Anklicken vergößern). Alle Grafiken: Vogelsbergkreis

Dann sind die Kommunen gefragt. Sie sollen für die weiteren Ankömmlinge Unterkünfte schaffen – darauf hätten der Kreis und die versammelten Bürgermeister sich am Mittwoch geeinigt. Statt des bisherigen Zufallsprinzips, das die größeren Städte und Gemeinden stärker bedacht und einige gänzlich außen vor gelassen habe, solle nun eine gesteuerte Verteilung folgen. Grundlage für die weitere Verteilung sei eine Art Konto-System: Die Bevölkerungszahl gibt das Soll vor, von dem die Zahl der bereits aufgenommenen Flüchtlinge als Haben abgezogen werden.

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Soll und Haben: Wo kommen wie viele Flüchtlinge hin, wenn die bestehenden Wohnräume gefüllt sind?

Heraus kommt eine Art Aufnahme-Schuld der Kommunen – inklusive der Zuständigkeit, für die Menschen Wohnraum zu finden, der dann vom Kreis hergerichtet wird. „Die Frage ist: Welche Gebäude und welche Grundstücke habt ihr“, erläuterte Landrat Görig die Aufgabe an die Bürgermeister.

Das wird vor allem jene Kommunen betreffen, die bislang noch fast oder gar keine Menschen aufgenommen haben. Freiensteinau, Grebenau, Kirtorf, Mücke, und Wartenberg. Zwischen 68 und 263 Flüchtlinge gehen dorthin – je nach Größe (siehe auch die Grafik Leistungsberechtigte).“Das heißt, dass die sich anstrengen müssen“, stellt der Landrat fest. Die wesentlich größeren Städte Alsfeld und Lauterbach werden demnach mit 120 beziehungsweise 59 Neuaufnahmen bedacht.

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Gezielte Verteilung statt Zufallsprinzip: das Thema der Pressekonferenz beim Landrat.

Gesucht werden Wohnungen, feste Wohnunterkünfte und Platz zum Bauen, auf dem Investoren auch Container-Wohnstätten schaffen oder Holzhäuser errichten könnten. Öffentliche Gebäude und Hallen kämen nur im Notfall in Frage. Aber auch das Thema Notunterkünfte sei nicht vom Tisch, sagte der Landrat, wenn weiter so viele Menschen in Hessen ankämen. Vorerst habe der Vogelsbergkreis dem Land Hessen erst einmal vier Immobilien in Privatbesitz für künftige Notunterkünfte gemeldet.

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Wo kommen die Flüchtlinge her, und wie alt sind sie: Das zeigen diese Grafiken.

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