
Laura Koblischek: Wie man mit Energie und Glück schon jung Promi-Journalistin wirdMit Abi, Glück und Power zu Maffay, Webber und Co.
ALSFELD. Ein Date mit der Laura ist ein fröhlich Ding: die herzliche Begrüßungsumarmung, die strahlenden Augen, ihr mitnehmendes „Wie geht es dir?“ und das leichte Glucksen auf die Gegenfrage. Kein Zweifel, Laura Koblischek, geborene Alsfelderin und jetzt an der Elbe wohnhaft, ist kein Kind von Traurigkeit. Sonst wäre diese Geschichte wohl auch nicht zustande gekommen. Denn sie handelt von der Laura, die als Jugendliche einfach los zog, Journalistin zu werden. Jetzt ist sie eine junge Erwachsene – und eine Journalistin, die Promis auf Veranstaltungen trifft. Es ist die Story von dem Glück der Tüchtigen.
Allen Unkenrufen zum Trotz übt der Journalismus als Beruf auf viele junge Menschen immer noch großen Reiz aus, weil die Aufgabe immer noch nach Vielseitigkeit und/oder Einflussmöglicheit auch für den jugendlichen Wunsch nach Weltverbesserung klingt. Indes: Die Zahl der journalistischen Stellen ist viel kleiner als die Anzahl Interessenten, und wo Vielseitigkeit geboten wird, wird meist zuerst einmal fast unbegrenzte Flexibilität gefordert – nach einem Studium, nach etlichen Praktika bei Zeitungen und Rundfunkmedien in In- und Ausland und das alles am besten nach einer Jugend in verschiedenen Schülerzeitungsredaktionen oder mit freier Mitarbeit beim lokalen Blatt. Mit einem Wort: Der Weg zur ersten festen Stelle als Redakteur oder Redakteurin ist häufig lang und steinig und ganz sicher nicht herrschaftlich.
So erzeugte 2010 die Ankündigung der jungen Alsfelderin Laura Koblischek, nach Hamburg zu ziehen, um dort Journalistin zu werden, in Fachkreisen erst einmal Skepsis: gerade Mal 19 Jahre alt und frisch gebackene Abiturientin, deren einziger Kontakt zur Redaktionswelt sich bislang im Korrekturlesen erschöpft hatte – auf so eine Kandidatin würde in der Medienstadt niemand warten. Laura dachte indes anders, wie sie jetzt im Gespräch erzählt: „Ich dachte mir, dass ich doch nichts zu verlieren habe. Wenn das nichts wird, dann komme ich halt zurück.“ Sie wechselte von Alsfeld nach Hamburg mit nichts als Abitur und dem Wunsch, irgendwie im Journalismus anzukommen. Falsch: fast mit nichts! Sie nahm auch einen starken Willen, eine gesunde Portion Optimismus und eine Menge Energie mit, die sie schon in den Jahren davor auszeichnete.
Denn die Jugendliche schaffte das Abitur auf der Max Eyth-Schule in der Fachrichtung Gesundheit während sie nebenbei im Bereich Zeitung arbeitete: tagsüber als Korrektur-Leserin, nachts in der Druckerei. Und sie hatte Glück: Ihre Anfrage nach einem Praktikum bei der Hamburger Morgenpost hatte prompt Erfolg. „Ich hatte mich einfach beworben und bekam sofort die Zusage!“ Ist es Glück oder schwingt bei Laura Koblischek etwas mit, das überzeugt? So sollte es jedenfalls bleiben mit den Bewerbungen. Sie kommt an, wenn sie sich vorstellt. „Ich habe noch nicht viele Bewerbungen geschrieben!“
Aber sie beweist Ausdauer und Zielstrebigkeit. Die Morgenpost war bald hinter ihr, sie musste etwas tun, um in Hamburg bleiben zu können. Bei der Unterkunft hatte sie Glück: Alsfelder Freunde bildeten dort eine Wohngemeinschaft, und ein Platz war frei geworden. Laura schlüpfte unter und meldete sich bei einer Zeitarbeitsfirma. „Ich musste Geld verdienen!“ Mit Jobs hielt die junge Frau sich über Wasser, nun erst Recht auf ihr Ziel ausgerichtet: „Es sollte unbedingt weitergehen!“
Sie bewarb sich an der Deutschen Pop-Akademie, einer privaten Schule, die kreative junge Menschen für die Medienbranche ausbildet. Laura kam an, und in den nächsten zwei Jahren lernte sie das Handwerk für die Medienbranche, auch etwas Journalismus: Moderation, Radiomoderation, Synchronsprechen etwa, aber auch das Handwerk beim Schreiben. „Man lernt da von allem die Grundzüge“, fasst die junge Alsfelderin zusammen. Ihren Lebensunterhalt bestreitet sie mit Jobs im Einzelhandel: „Regale füllen und so.“ Und hält durch. Im März 2013 ist Laura Koblischek mit der Schule fertig: Grundausbildung durchlaufen – check! Nächster Schritt: rein in den Journalismus, am besten direkt an einer Schule!
So eine wie die Journalistenschule des Bauer-Verlags zum Beispiel. Der Bauer-Verlag ist vor allem in der Yellow- und People-Branche groß, und in die Richtung würde die Ausbildung auch gehen, beheimatet bei der Zeitschrift „Meins“. Sie ruft im Juli 2013 an, und man erklärte ihr: Es gibt noch einen Platz zu vergeben, und die Bewerbungsfrist endet am nächsten Tag – also in ein paar Stunden! „Das war richtig filmreif!“, lacht Laura. Sie überlegt: probieren oder eine andere Möglichkeit abwarten? Probieren!
Vom Nachmittag, als das Gespräch stattfand, bis spät in die Nacht feilt sie an einer Bewerbung. „Gegen 3 Uhr habe ich die abgeschickt.“ Eine Woche musste sie warten und bekam dann – „das Glück ist bei die Tüchtigen“ heißt es doch – eine Einladung zur Vorstellung. „Aber da hatte ich eine fette Grippe!“ Sie pusht sich mit Medikamenten, geht trotzdem hin – und überzeugt. Laura Koblischek, 22, bekam die Ausbildungsstelle bei „Meins“ und in der Journalistenschule. Der Rest ist Geschichte: Nicht nur bei „Meins“, bei verschiedenen Blättern durchlief sie die zweijährige Ausbildung. Vier Mal gehörten vier Wochen Schule dazu, vier Hospitanzen durchlief sie. „Ich habe alles mögliche geschrieben“, erzählt sie heute. Ein Höhepunkt: die beiden Monate bei „Bravo Girl“ in München.
Andere Höhepunkte waren die Kontakte zu Prominenten der Show-Branche. Der Musiker und Schauspieler Tom Beck gehörte um Beispiel dazu, die Fernsehmoderatorin Sonja Kraus, die Schauspielerin Stephanie Stumph, Tochter von Wolfgang Stumph. Mehr noch: Sie traf Peter Maffay, die Moderatorin Eva Habermann und den Komponisten Andrew Lloyd Webber. Gerrit Kling reihte sich ein. Nur Otto nicht: „Den hätte ich ja gerne mal kennen gelernt!“ Aber es reichte nur zu einem Interview via E-Mail. In jedem Fall stellte Laura fest: Das mag sie, das will sie weiter tun, und sie liebt den roten Teppich bei festlichen Anlässen. „Ich glaube“, so lacht sie, „ich bin schon eine richtige Rampensau.“
Im Sommer 2015, vor wenigen Monaten also, geschieht zweierlei: Sie beendet erfolgreich ihre Ausbildung an der Journalistenschule – und bekommt eine feste Stelle im gleichen Haus angeboten: bei „Closer“, einem modernen Promi-Blatt. Sie recherchiert und redigiert, interviewt – ist im Team bei der wöchentlichen Blatt-Produktion fest dabei. Sie mag ihren Job. Beruflich ist Laura im siebten Himmel und stellt fest: Mit 30 wollte sie Journalistin sein. Nun ist sie es mit 24 geworden: „Für mich läuft’s!“
Nach ihren Erfahrungen rät sie anderen jungen Leute mit ähnlichem Wunsch: „Ihr müsst so viele Erfahrungen sammeln wie möglich!“ Gemeint sind Praktika und freie Mitarbeit. Das stimmt, denn Journalismus gilt als Begabungsberuf, und Begabung wollen Chefredakteure in solchen frühen Tätigkeiten dokumentiert sehen. Laura weiß außerdem heute, was noch unbedingt gefragt ist „Du musst für den Job brennen!“ Spricht’s und lacht das leichte Lachen des Optimismus.
von Axel Pries
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