
Rund 150 Beteiligte üben ErnstfallFeuerwehr und Rettungsdienst proben Evakuierung im Eichhof-Krankenhaus
LAUTERBACH (ol). Rund 150 Personen haben an einer Feuerwehr- und Rettungsdienstübung im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach teilgenommen. Geprobt wurden die Evakuierung einer von einem angenommenen Brand betroffenen Station, die Sichtung und Versorgung von Patienten sowie interne und externe Verlegungen. Insgesamt waren 18 Patientendarsteller beteiligt.
Eine Verpuffung mit anschließendem Brand in einem Teilbereich des Eichhof-Krankenhauses war das Szenario einer Feuerwehr- und Rettungsdienstübung in Lauterbach. Dabei wurde unter anderem die Evakuierung von Patienten und deren anschließende Versorgung und Verlegung in andere Krankenhäuser geprobt, das berichtet die Vogelsberger Zeitung in einer Pressemitteilung.
Im Mittelpunkt der Übung stand die Frage, wie bei einem Schadensereignis innerhalb des Krankenhauses Patienten gesichtet, priorisiert und gegebenenfalls in andere Kliniken transportiert werden können.
Nach Angaben von Florian Seel, leitender Notarzt des Vogelsbergkreises, wurden die Patienten durch die Krankenhauseinsatzleitung gesichtet. Fünf schwerverletzte Patienten wurden im Übungsszenario als sogenannte „rote Patienten“ eingestuft. Bei ihnen wurde eine Transportpriorität festgelegt. Die Patienten sollten entsprechend der Schwere ihrer Verletzungen nach und nach in andere Krankenhäuser transportiert werden.
Brandverletzte würden in weiter entfernte Kliniken geflogen
Für zwei als Brandopfer eingestufte Patienten war im Übungsszenario ein Transport mit Hubschraubern vorgesehen. Hintergrund ist, dass es im Vogelsbergkreis keine Maximalversorger für schwer brandverletzte Patienten gibt.
Nach den Angaben von Seel müssten solche Patienten deshalb in weiter entfernte Spezialkliniken gebracht werden. Als mögliche Ziele nannte er Hannover oder Offenbach. Weitere Patienten sollten nach Fulda verlegt werden, um im Eichhof-Krankenhaus wieder Behandlungskapazitäten zu schaffen.
Aufzug konnte für die Evakuierung genutzt werden
Eine besondere Schwierigkeit ergab sich bei der Übung nicht. Die vorhandenen Fahrstühle konnten genutzt werden. Das war insbesondere deshalb von Bedeutung, weil sich der betroffene Bereich im zweiten Stock befand.
Ohne die Aufzüge hätten die Einsatzkräfte die Patienten über mehrere Stockwerke über das Treppenhaus transportieren müssen. Gerade bei Patienten auf Tragen wäre dies eine zusätzliche Herausforderung gewesen. Auch ein Hubrettungsfahrzeug kam deshalb im Übungsszenario nicht zum Einsatz.
Akuter Blinddarmfall wird im Krankenhaus behandelt
Neben den Verletzten wurde im Szenario auch ein Patient mit einem akuten Bauch beziehungsweise einer Blinddarmentzündung berücksichtigt. Nach Rücksprache mit der Krankenhausleitung sollte dieser Patient direkt vor Ort versorgt und anschließend operiert werden.
Damit wurde bei der Übung auch berücksichtigt, dass nicht jeder Patient im Falle einer Evakuierung automatisch in ein anderes Krankenhaus gebracht werden muss. Nach der Festlegung der Transportprioritäten sollten die Patienten zunächst vor Ort stabilisiert und anschließend entsprechend ihrer Verletzungsschwere in umliegende Kliniken transportiert werden.
Bürgermeister begrüßt die Übung
Auch Lauterbachs Bürgermeister Holger Marx machte sich vor Ort ein Bild von der Übung. Er begrüßte, dass ein solches Szenario trainiert wird. Nicht nur für das Eichhof-Krankenhaus, sondern auch für die Einsatzkräfte der Feuerwehr sei es wichtig, solche Abläufe praktisch zu üben.
Marx verwies dabei auch auf den erst kürzlich erfolgten Ernstfall beim Brand auf dem Lauterbacher Marktplatz. Er selbst sei bei der aktuellen Übung allerdings nicht in die Vorbereitung eingebunden gewesen.
Nach dem, was er vor Ort mitbekommen habe, war im Szenario ein Brand im Arztzimmer einer Station entstanden. Anschließend musste das Krankenhaus reagieren und unter anderem klären, wie die betroffene Station geräumt und wo die Patienten untergebracht werden können.
Auch für die Feuerwehr gehe es darum, die Lage zunächst zu erkunden und die notwendigen Maßnahmen einzuleiten. Die Einsatzkräfte seien nach dem Eintreffen zunächst über die Brandmeldeanlage zum betroffenen Bereich geführt worden. Dort mussten sie sich einen Überblick über die Situation verschaffen, bevor die weiteren Abläufe begannen.
Resümee nach der Übung
Was passiert, wenn es während des laufenden Krankenhausbetriebs zu einer Brandentwicklung auf einer Station kommt? Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Krankenhaus, Feuerwehr und Rettungsdienst? Und wie lassen sich Patienten sicher aus einem betroffenen Bereich evakuieren? Diesen Fragen gingen die Beteiligten bei einer gemeinsamen Übung im Krankenhaus Eichhof in Lauterbach nach.
Für das Krankenhaus war die Übung nach Angaben des Geschäftsführers und Vorstands der Eichhof Stiftung, Thomas Faust, eine besondere Situation. Ziel sei es gewesen, nicht nur bestehende Einsatzpläne auf dem Papier vorzuhalten, sondern deren Abläufe tatsächlich praktisch zu erproben.
„Wir wollten diesen auch mal wirklich mit Leben füllen und konkret erleben und in der Praxis üben“, erklärte Thomas Faust. Gerade bei der Krankenhauseinsatzleitung habe sich gezeigt, dass viele Fragen erst dann sichtbar würden, wenn die Abläufe tatsächlich durchgespielt werden: Wer übernimmt welche Aufgabe? Wie organisiert sich die Einsatzleitung? In welchen Räumen arbeitet sie und unter welchen Bedingungen?
Die gemeinsame Übung war bereits seit mehreren Monaten vorbereitet worden. Die Feuerwehr Lauterbach war dabei ein wesentlicher Partner. Nach Angaben des Krankenhausgeschäftsführers war die Feuerwehr etwa ein halbes Jahr zuvor auf das Krankenhaus zugekommen, um ein solches Szenario auch aus Sicht der Feuerwehr praktisch zu erproben.
„Ich bin selber aktiver Feuerwehrmann und kann mich deshalb auch ganz gut in die andere Seite und in die Lage hineinversetzen“, sagte Thomas Faust. Gemeinsam sei anschließend überlegt worden, wie das Szenario gestaltet werden könne.
18 Patientendarsteller auf der betroffenen Station
Angenommen wurde eine Verrauchung beziehungsweise Brandentwicklung auf einer Station. Da die Station derzeit leer steht, konnte das Szenario dort realitätsnah geübt werden. Insgesamt waren 18 Patientendarsteller beteiligt und nicht 15, wie zunächst gemeldet.
Ein Schwerpunkt lag auf der Evakuierung. Dabei wurde auch die Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst geübt. Die Patienten mussten gesichtet und entsprechend ihrer Verletzungsschwere kategorisiert werden. Anschließend wurden auch Verlegungen in andere Krankenhäuser beziehungsweise interne Verlegungen auf andere Stationen simuliert.
Feuerwehr: Kommunikation und Zusammenarbeit funktionierten gut
Jürgen Eifert, Einsatzleiter der Feuerwehr Lauterbach, zog nach der Übung ein positives erstes Fazit. Ein wichtiges Ziel sei gewesen, die Zusammenarbeit zwischen der Technischen Einsatzleitung der Feuerwehr und der Krankenhauseinsatzleitung zu erproben.
Mehrere Lagebesprechungen hätten stattgefunden. Die Abstimmung habe dabei sehr gut funktioniert. Auch die Einbindung eines Verbindungsmanns der Feuerwehr in der Krankenhauseinsatzleitung habe sich bewährt.
„Ich glaube, das war ein guter Weg, den man vielleicht auch so festschreiben kann für die Zukunft“, sagte Eifert.
Auch der Informationsfluss innerhalb des Krankenhauses wurde überprüft. Entscheidend sei gewesen, ob die Feuerwehr nach der Alarmierung schnell die notwendigen Informationen aus dem betroffenen Bereich erhält und die Kommunikation mit dem Pflegepersonal funktioniert.
Nach Einschätzung Eiferts war dies der Fall. Die Feuerwehr sei gut informiert worden und habe dadurch relativ schnell ihre Maßnahmen einleiten können.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Schnittstelle zwischen dem Krankenhauspersonal und dem Rettungsdienst. Auch die Sichtung und Kategorisierung der Patienten in Leichtverletzte, Schwerverletzte und lediglich Betroffene habe nach Einschätzung der Feuerwehr gut funktioniert.
Verbesserungspotenzial gebe es dennoch immer. Genau dafür seien solche Übungen da, erklärte Eifert.
„Ich glaube, wir müssen gewappnet sein“, sagte er. Durch die Übung seien Feuerwehr, Krankenhaus und die weiteren beteiligten Organisationen bei den Erfahrungen und Erkenntnissen ein Stück weitergekommen.
Auch die Notfallseelsorge war beteiligt
Neben Feuerwehr, Krankenhaus und Rettungsdienst war auch die Notfallseelsorge in die Übung eingebunden. Aus ihrer Sicht bot die Übung ebenfalls wertvolle Erfahrungen.
Der Vertreter der Notfallseelsorge, Sven Kießling, bezeichnete solche Übungen als wichtige Möglichkeit, praktische Einsatzerfahrung zu sammeln. Die Übung hätte für die Notfallseelsorge allerdings noch anspruchsvoller sein können. Die Patientendarsteller seien überwiegend entspannt gewesen und hätten keinen Gesprächsbedarf dargestellt.
Dennoch habe es Situationen gegeben, die für die Seelsorger realitätsnah wirkten. Gerade für Einsatzkräfte mit noch wenig Erfahrung seien solche Übungsmöglichkeiten wertvoll, um auch die psychische Belastung entsprechender Einsätze kennenzulernen.
Rund 150 Personen beteiligt
An der Übung waren insgesamt rund 150 Personen beteiligt. Etwa 50 Einsatzkräfte kamen von der Feuerwehr, weitere rund 50 vom DRK-Kreisverband Lauterbach. Hinzu kamen Mitarbeiter des Krankenhauses, die Krankenhauseinsatzleitung, Personal auf der betroffenen Station, zwei Kräfte der Notfallseelsorge, Übungsbeobachter sowie die 18 Patientendarsteller.
Auch Vertreter aus dem kommunalen und gesundheitlichen Bereich beobachteten die Übung. Unter anderem waren Bürgermeister Holger Marx und die Leiterin des Gesundheitsamtes, Frau Hofmann, vor Ort.
Zusätzlich wurden verschiedene Einsatzmittel lediglich fiktiv angenommen. Dazu gehörten zwei Rettungshubschrauber, vier weitere Rettungsfahrzeuge sowie ein zusätzlicher Feuerwehrlöschzug. Tatsächlich im Einsatz waren der Löschzug Lauterbach-Mitte und der Löschzug Lauterbach-Süd sowie mehrere Fahrzeuge des Rettungsdienstes.
Übung soll anschließend ausgewertet werden
Für den Krankenhausgeschäftsführer ist eine Übung dieser Größenordnung zwar mit erheblichem organisatorischem und personellem Aufwand verbunden. Gleichzeitig sei genau das der Sinn einer solchen Veranstaltung.
„So eine Übung läuft nie perfekt“, sagte er. Das sei auch nicht das Ziel. Vielmehr gehe es darum, Schwachstellen zu erkennen und gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.
„Wenn ich gar nicht übe, erkenne ich auch nicht, was schlecht läuft“, erklärte Geschäftsführer Thomas Faust.
Nach Abschluss der praktischen Übung war eine gemeinsame Nachbesprechung vorgesehen. Die Beteiligten wollten dabei die ersten Eindrücke festhalten und anschließend genauer auswerten, was gut funktioniert hat und an welchen Stellen nachgebessert werden muss.
Für Jürgen Eifert steht dabei vor allem eines fest: Die Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Organisationen habe sich durch die Übung weiterentwickelt. Die Erfahrung aus dem gemeinsamen Training könne nun genutzt werden, um die Abläufe für einen möglichen Ernstfall weiter zu verbessern.
Fotos: Vogelsberger Zeitung
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