
Diskussion über queeres LebenJusos Vogelsberg fordern mehr Schutz für queere Menschen
VOGELSBERGKREIS (ol). Die Jusos Vogelsberg haben im Rahmen ihres Formats „Pizza & Politik“ über queeres Leben und notwendige Verbesserungen im Vogelsbergkreis diskutiert. Bei der Veranstaltung im Pride-Month ging es um historische Entwicklungen, aktuelle Herausforderungen und mögliche Schutzangebote. Am Ende wurden Ideen wie mehr Bildungsarbeit und ein queerer Jugendtreff besprochen. Die Jusos kündigten an, sich weiter für entsprechende Angebote einzusetzen.
Die Jusos Vogelsberg haben sich bei ihrer Veranstaltungsreihe „Pizza & Politik“ mit der Frage beschäftigt, wie der Vogelsberg für queere Menschen lebenswerter und sicherer gestaltet werden kann. Im Mittelpunkt standen historische Entwicklungen, aktuelle Herausforderungen sowie konkrete Ideen für mehr Sichtbarkeit und Schutzangebote, heißt es in der Pressemitteilung der Jusos.
Durch den Abend führte der Co-Vorsitzende des Verbands, Paul Wieczorek. „Bei allen Errungenschaften für die queere Community in den vergangenen Jahren, wie der Ehe für alle oder dem Selbstbestimmungsgesetz, dürfen wir nicht vergessen, dass auch die Herausforderungen massiv zugenommen haben. Queere Menschen sind immer häufiger von Gewalt und Anfeindungen bedroht. Zugleich müssen sie durch das Erstarken radikaler Kräfte wie der AfD um ihre Rechte und Freiheiten fürchten“, betonte Wieczorek zu Beginn seines Vortrags.
Die Geschichte queeren Lebens sei von Fortschritten, aber auch von Rückschlägen und Verfolgung geprägt, machte der Juso-Co-Vorsitzende anschließend deutlich. So seien in der Weimarer Republik queere Kulturorte wie das Berliner Lokal „Eldorado“ aufgeblüht. Es habe sogar politische Bemühungen gegeben, den §175 des Strafgesetzbuches abzuschaffen, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte. Diese Bemühungen seien jedoch noch vor ihrer Umsetzung mit dem Aufstieg des Nationalsozialismus gescheitert. Die Nationalsozialisten hätten die Rechtslage weiter verschärft, Tausende homosexuelle Männer in Konzentrationslagern inhaftiert und zahlreiche Betroffene zwangsweise kastriert.
Im Verlauf seines Vortrags ging Wieczorek auch auf den Christopher Street Day und dessen Geschichte ein. Die moderne CSD-Bewegung habe ihren Ursprung in den Protesten gegen Polizeigewalt und staatliche Willkür gegenüber queeren Menschen in New York. Bis heute bleibe der CSD umkämpft, erklärte der 22-Jährige: „Zum einen erleben wir immer wieder gezielte Störaktionen, zum anderen wird auch innerhalb der queeren Community darüber diskutiert, wie stark der CSD heute noch Protest sein muss und wer dazugehören darf. Diese Debatten sollten mit der nötigen Sensibilität geführt werden. Am Ende darf das zentrale Anliegen nicht in den Hintergrund treten: auf die Diskriminierung queerer Menschen aufmerksam zu machen.“
Zum Abschluss waren auch die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefragt. Sie entwickelten Ideen, wie queere Menschen auch vor Ort stärker berücksichtigt und geschützt werden können. Dabei kritisierten sie unter anderem die unzureichende Behandlung queerer Themen im Schulunterricht. „In meiner Schulzeit waren queere Menschen lediglich eine Randnotiz im Sexualkundeunterricht. Dabei sollte es auch im PoWi oder im Geschichtsunterricht deutlich mehr Raum für diese Themen geben“, erklärte ein Teilnehmer.
Diskutiert wurde zudem die Einrichtung eines queeren Jugendtreffs, beispielsweise in der Kreisstadt. Dieser könnte jungen Menschen einen geschützten Raum bieten, in dem sie sich austauschen und gegenseitig unterstützen können.
Die Co-Vorsitzende der Jusos Vogelsberg, Julia Rausch, fasste abschließend zusammen: „Wir haben heute einen tiefen Einblick in wichtige Errungenschaften für queere Menschen erhalten, zugleich aber auch die großen Herausforderungen der Gegenwart beleuchtet. Davon ist auch der Vogelsberg nicht ausgenommen. Projekte wie ein wöchentlicher queerer Treff in einem bestehenden Jugendraum könnten gemeinsam mit engagierten Jugendlichen vergleichsweise schnell umgesetzt werden. Wir Jusos werden uns daher auch in Zukunft für solche Angebote starkmachen.“
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