
Chefarzt Dr. Lancee gibt am KKA-Vortragsabend ein Update zur Hernienchirurgie in AlsfeldWas tun, wenn die Leiste bricht?
ALSFELD (ol). Am Donnerstag, den 23. April, informiert Chefarzt Dr. Steffen Lancee im Kreiskrankenhaus Alsfeld über moderne Behandlungsmöglichkeiten von Hernien. Im Mittelpunkt stehen Ursachen, Risiken und innovative Operationsverfahren. Zudem erhalten Besucher Einblicke in die Arbeit des zertifizierten Hernienzentrums am KKA. Im Anschluss an den Vortrag besteht Gelegenheit zur Diskussion.
Im Mittelalter hat man mit mäßigem Erfolg versucht sie auszubrennen, und auch auf Papyrusrollen aus dem vorchristlichen Ägypten werden sie bereits beschrieben: Hernien – landläufig eher als Nabel-, oder Leistenbruch bekannt, sind eine seit langer Zeit beobachtete und häufig auftretende Erkrankung. „Allerdings hat sich seither einiges geändert. Wurden seinerzeit lediglich die Symptome behandelt, können wir mit modernen Techniken durch eine Rekonstruktion die Ursachen für einen Bruch beseitigen“, leitet Dr. Steffen Lancee, Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie sowie ärztlicher Leiter am Kreiskrankenhaus des Vogelsbergkreises in Alsfeld (KKA), seinen Vortrag „Was tun, wenn die Leiste bricht?“ am KKA ein, wie es in der Pressemitteilung des Alsfelder Krankenhauses heißt.
Meist sind Hernien Löcher in der Bauchwand, die etwa durch Operationen erworben werden oder an „Sollbruchstellen“ in der Bauchdecke auftreten. „Zum Beispiel sind die Leistengegend oder der Nabel besonders prädestiniert, für einen Bruch. Auch rund um Operationsnarben können durch die Schwächung des Gewebes Hernien entstehen“, sagt der Mediziner. Durch steigenden Druck im Bauchraum, der etwa beim Husten, bei Übergewicht, einer Schwangerschaft, körperlichen Belastungen, erblicher Disposition oder anhaltenden Verdauungsproblemen entsteht, können sich dort Hernien bilden. Dadurch kann sich Gewebe aus dem Bauchraum hervorwölben. „Sind die Schwachstellen noch klein, machen sie keine Beschwerden. Doch ab einer gewissen Größe können sie problematisch werden“, sagt Dr. Lancee. Denn ab einer Größe von zwei Zentimetern ist das Risiko fünf Mal so hoch, dass sich nicht nur Fettgewebe nach außen wölbt, sondern etwa Teile des Dünn- oder Dickdarms im Bruchsack eingeklemmt werden. „Dann muss schnell gehandelt werden, denn es kann dann Gewebe absterben oder es kann zu einer durchaus lebensbedrohlichen Entzündung kommen“, weiß der Fachmann.
Um dem vorzubeugen, sollte die Hernie schon früh diagnostisch abgeklärt werden. „Anschließend kann dann individuell beurteilt werden, ob operiert werden muss“, sagt Dr. Lancee. Eine gründliche Diagnose macht auch aus einem weiteren Grund Sinn. „Denn für Leistenschmerzen gibt es rund 20 verschiedene ursächliche Diagnosen. Von Hernien, über Hüft- und Rückenschmerzen, bis hin zu verschiedenen anderen Beschwerden reicht dabei das Bild“, führt er aus.
Ist die Ursache klar, bleibt in vielen Fällen nur die Operation und somit die Verstärkung der Bauchwand. „Bei Hernien, die keine Beschwerden machen und die sich ohne weiteres zurückschieben lassen, sprechen wir von einer geplanten Operation, die innerhalb von sechs Monaten durchgeführt sein sollte“, sagt der Mediziner.
Meist wird dabei am zertifizierten Hernienzentrum am KKA ambulant und unter Vollnarkose ein Netz zur Verstärkung der Bruchstelle zwischen zwei Schichten der Bauchdecke gelegt. „In aller Regel können wir die Brüche in der Leistengegend minimalinvasiv – das heißt mit drei kleinen Schnitten an Nabel und Bauch – versorgen. Nach sechs Wochen ohne körperliche Belastung sind die Netze entsprechend eingewachsen und die Wunden der OP verheilt“, berichtet der Fachmann. Die Netze senken anschließend das Risiko eines weiteren Bruches sehr deutlich. Je nach Gesundheitszustand des Patienten ist auch eine Operation mit Spinalanästhesie möglich „und auch unter örtlicher Betäubung habe ich bereits Hernien operiert“, sagt Dr. Lancee. Bei der minimalinvasiven OP ist außerdem das Zugangstrauma kleiner, und die Gefahr von Wundheilungsstörungen und postoperativen Schmerzen geringer, ergänzt Dr. Lancee.
Zertifiziertes Hernienzentrum und Teilnahme an Qualitätssicherungsstudie
Das KKA ist seit 2014 zertifiziertes Hernienzentrum. Seither sind Daten von mehr als 1800 Hernien-OPs am KKA detailliert in eine breit angelegte Qualitätssicherungsstudie der Herniamed-Gesellschaft eingeflossen, berichtet der ärztliche Leiter. Verwendete Materialien, sich ändernde Operationsverfahren oder ausführliche Verlaufskontrollen werden darin erfasst, „und geben uns wichtige Anhaltspunkte, die OP-Ergebnisse in unserem Haus stetig zu verbessern“, sagt Dr. Lancee. Und die Daten zeigen deutlich: „Mit den Ergebnissen der rund 180 Hernien-OPs im Jahr 2025 am KKA brauchen wir uns nicht zu verstecken“ unterstreicht Dr. Lancee. Abschließend steht der Mediziner den Besuchern des Vortrags, welcher auch vom Förderverein des Krankenhauses gefördert wird, noch für ihre Fragen zur Verfügung.
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