
Bürgermeisterwahl in Lauterbach – Kandidaten antworten – Teil 4Katharina Jacob: „Von Natur aus eher impulsiv, doch in der Politik halte ich mich zurück“
LAUTERBACH (aep/jal). Bei den Kommunalwahlen am 15. März geht es für Lauterbach um mehr als um das Stadtparlament. Gesucht wird ein Nachfolger für Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller. Fünf Kandidaten gibt es bei der Wahl, die sich einer Reihe Fragen der OL-Redaktion stellen. Im vierten Teil antwortet Katharina Jacob.
59 Jahre ist sie alt, Lehrerin von Beruf und als Linken-Stadtverordnete im Lauterbacher Stadtparlament bereits in der Politik bekannt. Jetzt möchte Katharina Jacob als Bürgermeisterin ins Rathaus einziehen und ein Gegenpol zur langen CDU-Tradition des Rathauses werden. Die Kandidatin setzt im Wahlkampf viel auf Diskussion und Erlebnis-Kultur – etwa ein Punkkonzert im Posthotel Johannesberg.
Sie ist die vierte der fünf Kandidaten, die sich den Fragen von Oberhessen-live stellt.
Was glauben Sie, befähigt Sie zum Amt des Bürgermeisters in Lauterbach?
Zunächst einmal Qualifikation in allen Richtungen. Ich habe gearbeitet als: Journalistin, Stadtarchivarin, Lehrerin, war auch schon freiberuflich tätig, habe zweimal studiert und dabei drei Kinder aufgezogen, wobei das Angebot an Kitas damals noch ziemlich mau war. Das sollen die anderen Kandidaten mir erstmal nachmachen. Desweiteren engagiere ich mich aktiv im Naturschutz. Was ich hier weiß, ist neben erlerntem Fachwissen auch Wissen aus erster Hand.
Hinzu kommt meine Erfahrung in der Kommunalpolitik, wo meine Fraktion sich nie einschüchtern ließ und wir gerade drum erfolgreich waren. Notwendig hierzu ist eine gehörige Portion Mut und Resilienz. Ich liebe Höhlen des Löwen und einer meiner bevorzugten Plätze ist der vor des Teufels Schmiede.
Das Amt der Bürgermeisterin traue ich mir vor diesem Hintergrund auf jeden Fall zu.
Sind Sie eher impulsiv oder zurückhaltend reflektierend?
Von Natur aus bin ich eher impulsiv, doch in der Politik halte ich mich zurück und reflektiere, was nicht heißt, dass ich nicht auch contra geben kann. Wir Linken ließen uns nie triggern, auch wenn dies versucht wurde. Die Verantwortung in der Stadtverordnetenversammlung und auch meine Verantwortung als Bürgermeisterin verlangt es meiner Ansicht nach, dass man sich auf der Sachebene bewegt. Das habe ich im Stadtparlament stets getan, auch dann, wenn andere uns gegenüber die Facon verloren haben.
Die Digitalisierung der Verwaltung – innen wie nach außen – gilt als ein großes Ziel jeder Kommune. Wie weit sehen Sie dabei Lauterbach, und wie wichtig ist Ihnen dieser Fortschritt?
Das Glasfaserdesaster sollte endlich beendet werden. Wichtig ist hier, dass die Bürgerinnen und Bürger informiert werden und auch ein Wörtchen mitzureden haben. Ansonsten sollten, bei aller Digitalisierung, Menschen als Ansprechpartner*innen nicht vergessen werden.
Wie wollen Sie Bürgernähe herstellen?
Für Bürgerinnen und Bürger habe ich heute schon ein offenes Ohr und möchte das auch weiterhin haben. Daher werde ich wöchentliche Sprechstunden anbieten, die nicht alle im Rathaus stattfinden werden, sondern auch im Raum für alle, um die Schwellenangst zu senken. Besonders wichtig ist, dass alle Bürgerinnen und Bürger barrierefreien Zugang zum Ratsinformationssystem erhalten. Es geht nicht, dass Protokolle und Einladungen zu Sitzungen regelrecht geheim gehalten werden, sie müssen online und für alle einsichtig sein, dazu gehört auch eine Version in einfacher Sprache und die Möglichkeit, sich die Einträge in verschiedene Sprachen übersetzen zu lassen.
Wie sehen Sie ihr Verhältnis zur Stadtverordnetenversammlung? Sind Sie als Bürgermeisterin mehr Motor oder Moderatorin für politische Prozesse?
Das kommt ganz auf die Stadtverordnetenversammlung an. Die Bürgermeisterin ist schließlich nicht die Chefin, auch wenn in den letzten Jahren der Eindruck hätte entstehen können, dass Kritik am Bürgermeister einer Majestätsbeleidigung gleichkommt. Ich werde, zusammen mit dem Magistrat, dafür sorgen müssen, dass angenommene Anträge zügig umgesetzt werden und selbstverständlich von meinem Recht Gebrauch machen, Bedenken zu äußern, wenn ich welche habe.
Die Stadt Lauterbach ist finanziell wieder in einer schwierigen Lage mit einem wachsenden Defizit. Wo wäre ihr erster Ansatzpunkt, um den Haushalt zu sanieren: mehr beim Sparen oder eher bei einer Einnahme-Vergrößerung? Und wie?
Das ist die berühmte Frage, wie der Zauberer wohl den Hasen aus dem Hut zieht. Bei der finanziellen Gemengelage, die hier in Lauterbach herrscht, wäre es sinnvoll, einen Sanierer zu Raten zu ziehen, der das Ganze durchforstet und feststellt, wo Gelder verborgen sind und wie wir in Zukunft einen Genehmigungsfähigen Haushalt hinkriegen. Hierzu kann man sich an das Regierungspräsidium wenden, dort gibt es ein Beratungsbüro für Kommunen. Dies wäre eine Investition, die sehr gut angelegt wäre und uns vor eventuellen Millionengräbern bewahren würde.
Wenn ich die Wahl habe, bin ich eher dafür, zu investieren, und zwar im sozialen Bereich.
Ordnen Sie bitte Lauterbacher Themen in die Reihenfolge der Wichtigkeit: Finanzen / Verkehrsprobleme / Wohnungen / Vereine, Ehrenamt / Kinderbetreuung / Wirtschaft / Stadtteile / Jugend / Kultur. Oder wie würden Sie die Stichworte kombinieren?
Das ist eine vergiftete Frage, denn egal, wie ich dieses Puzzle zusammenfüge, wird irgendwo jemand sich beschweren.
Also: Ich bin, wie Sie wissen, Mitglied der Linken, und bei uns, und somit auch für mich, stehen drei Punkte ganz oben, in beliebiger Reihenfolge: 1. Soziale Gerechtigkeit, 2. Klimagerechtigkeit und 3. Transparenz. Das Eine ist ohne die beiden Anderen nicht möglich. Zur sozialen Gerechtigkeit gehören Themen wie Wohnungen, Finanzen, Vereine, Ehrenamt, Kinderbetreuung, Wirtschaft, Jugend und Kultur. Zur Klimagerechtigkeit gehören die verpflichtenden Maßnahmen, die Lauterbach als Klimakommune dringend umsetzen muss und die bisher eher zögerlich angegangen wurden, außerdem Wirtschaft, Finanzen, Verkehrsprobleme, Jugend, Kultur, Vereine, Ehrenamt (auch wenn die Welt gerne mal hauptamtlich gerettet werden darf), Wohnungen – hab ich was vergessen? Zur Transparenz gehört, dass alle Bürger*innen zu diesen Punkten angemessen informiert werden, durch alle zur Verfügung stehenden Kanäle, zu allen obigen Themen.
Was die Stadtteile anbelangt: Sie gehören zu Lauterbach dazu, mit all ihren Wünschen und Bedürfnissen und sollten daher zusammen mit der Innenstadt bei allen Themen involviert sein. Hierzu ist eine enge Zusammenarbeit mit den Ortsvorstehenden unerlässlich.
Sie treten für die Partei Die Linke zur Wahl an. Die Fraktion spielt in der Stadtverordnetenversammlung aber nur eine kleine und oppositionelle Rolle. Wie wollen Sie für Entscheidungen Mehrheiten bekommen?
Unsere Rolle ist eine sehr wichtige, wie die vergangene Legislaturperiode gezeigt hat. Eine Demokratie ohne Opposition ist keine richtige Demokratie und wir haben diese Rolle immer sehr ernst genommen. Durch uns blieben Themen im Gespräch, die sonst untergegangen wären, wie soziale oder Umweltthemen.
Durch unsere Pressemitteilungen haben wir die Bevölkerung dort informiert, wo sie ansonsten im Dunkeln getappt wären. Gerade durch unseren Mut und unsere Fähigkeit, auch bei Gegenwind Haltung zu bewahren, wurde es auch anderen Fraktionen langsam klar, dass man nicht immer alles abnicken muss, was die stärkste Fraktion befiehlt und dass man durchaus Anträge gemeinsam erstellen kann, dass auch niemandem die Zähne ausfallen, wenn er oder sie den Antrag einer anderen Fraktion mitträgt.
Einige unserer Anträge sind auf diese Weise angenommen worden, in anderen Fällen wurden von anderen Fraktionen weiterführende Anträge gestellt, was jedoch dazu führte, dass unsere Ideen verwirklicht wurden. Alle Fraktionen müssen letztendlich ihre Hybris überwinden, immer nur „gewinnen“ zu wollen. Letztendlich gewinnen wir alle gemeinsam, wenn wir uns für Lauterbach, seine Bürgerinnen und Bürger und die Natur in der Stadt und ihren Stadtteilen einsetzen.
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In dieser Reihe haben bereits drei andere Kandidaten die Fragen beantwortet.
Hier finden Sie Holger Marx
hier finden Sie Daniel Schmidt.
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