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Bürgermeister-Wahl in Lauterbach: Kandidaten stehen Rede und Antwort - Teil einsDaniel Schmidt: „Ich kann tatsächlich schon einmal impulsiv und auch fordernd sein“

LAUTERBACH (jal/aep). Bei den Kommunalwahlen am 15. März geht es für Lauterbach um mehr als um das Stadtparlament. Gesucht wird ein Nachfolger für Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller, der nach 30 Jahren aufhört. Fünf Kandidaten gibt es bei der Wahl, die sich einer Reihe Fragen der OL-Redaktion stellen. Die Antworten veröffentlichen wir in einer Kandidaten-Serie. Heute: Daniel Schmidt.

Der 54-jährige Daniel Schmidt ist als Grünen-Politiker in der Stadt und im Kreistag bekannt, wird von der SPD unterstützt,  tritt aber als unabhängiger Kandidat an. Als erster Kandidat erklärt er seine Motivation und seine Beweggründe im Fragebogen.

Was glauben Sie, befähigt Sie zum Amt des Bürgermeisters in Lauterbach?

Als Bauingenieur und Leiter einer beruflichen Schule bringe ich eine ganze Menge Berufs- und Führungserfahrung mit. Durch mein langjähriges aktives politisches Engagement in Stadt- und Kreisparlament kenne ich die Verwaltung, die Entscheidungsprozesse und auch die politischen Akteure. Aber vor allem ist es für mich eine Herzensangelegenheit, die Stadt in der ich so gerne lebe, fit für die Zukunft zu machen.

Sind Sie eher impulsiv oder zurückhaltend reflektierend?

Ich kann tatsächlich schon einmal impulsiv und auch fordernd sein.  Grundsätzlich begegne ich meinen Mitarbeitenden sowie den jungen Erwachsenen an meiner Fachschule jedoch stets wertschätzend. Ich erwarte von allen – auch von mir selbst – das eigene Tun regelmäßig zu reflektieren und sich dabei daran zu erinnern, was das Ziel der eigenen Aufgabe ist.

Die Digitalisierung der Verwaltung – innen wie nach außen – gilt als ein großes Ziel jeder Kommune. Wie weit sehen Sie dabei Lauterbach, und wie wichtig ist Ihnen dieser Fortschritt?

Lauterbach ist mitten im Digitalisierungsprozess und wird dabei auch professionell von der ekom begleitet. Ich sehe die Digitalisierung – auch die Nutzung von KI – als große Chance für unsere Stadt, um wiederkehrende Prozesse effektiver und bürgerfreundlicher zu gestalten. Ich nutze selbst die digitalen Medien intensiv, weiß aber auch, dass wir bei allem Tun die weniger digitalaffinen Menschen nicht vergessen dürfen.

Wie wollen Sie Bürgernähe herstellen? 

Durch mehr und vor allem bessere Kommunikation. Dazu zählen für mich regelmäßige Gesprächsangebote des Bürgermeisters mit den Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie ein Ratsinformationssystem und Werkstattgespräche zu wichtigen Themen. Auch gegenüber den ehrenamtlichen Stadtverordneten soll die Verwaltung transparenter agieren. Damit möchte ich insgesamt mehr Akzeptanz für politische Entscheidungen erhalten.

Wie sehen Sie ihr Verhältnis zur Stadtverordnetenversammlung? Sind Sie als Bürgermeister mehr Motor oder Moderator für politische Prozesse? 

Die Stadtverordnetenversammlung ist das oberste Beschlussorgan unserer Stadt und nimmt zugleich eine wichtige Kontrollfunktion gegenüber der Verwaltung wahr. Dieses Zusammenspiel verstehe ich als zentral für eine konstruktive und transparente Kommunalpolitik.

In meiner Rolle als Bürgermeister sehe ich mich durchaus als Motor politischer Prozesse: Ich möchte Impulse setzen, Entwicklungen anstoßen und Themen strategisch voranbringen. Gleichzeitig erwarte ich von den ehrenamtlichen Stadtverordneten eigene Ideen, klare Positionen und konkrete Vorschläge, wie wir unsere Stadt gemeinsam weiterentwickeln können.

Unterschiedliche Auffassungen werden dabei unvermeidlich sein – und das ist auch gut so. Meine Aufgabe sehe ich dann darin, diese Prozesse verantwortungsvoll zu moderieren, Brücken zu bauen und tragfähige Kompromisse zu ermöglichen. Solche Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse sind mir aus meiner Tätigkeit in der Schulverwaltung sehr vertraut.

Die Stadt Lauterbach ist finanziell wieder in einer schwierigen Lage mit einem wachsenden Defizit. Wo wäre ihr erster Ansatzpunkt, um den Haushalt zu sanieren: mehr beim Sparen oder eher bei einer Einnahme-Vergößerung? Und wie?

Wir müssen beides im Blick haben, sowohl die Ausgaben- als auch die Einnahmesituation. Bei Ausgaben und Investitionen werden wir geeignete Schwerpunkte bzw. Prioritäten setzen müssen. Freiwillige Leistungen, die unsere Stadt attraktiv und lebenswert machen, müssen beibehalten werden, z.B. Freizeitzentrum und Stadtbücherei. Bei den Ausgaben muss es selbstverständlich werden, dass Gebühren auch regelmäßig angepasst werden müssen. So z.B. aktuell die Gebührensatzung der Feuerwehr, die leider seit über 20 Jahren nicht angepackt wurde, wodurch uns wichtige Einnahmen verloren gegangen sind.

Ordnen Sie Lauterbacher Themen in die Reihenfolge der Wichtigkeit: Finanzen / Verkehrsprobleme / Wohnungen / Vereine, Ehrenamt / Kinderbetreuung / Wirtschaft / Stadtteile / Jugend / Kultur. Oder wie würden Sie die Stichworte kombinieren? 

Eine Rangliste klingt übersichtlich, aber gute Stadtpolitik entsteht dort, wo man Themen gemeinsam denkt.

Eine starke Wirtschaft bildet die Grundlage für stabile städtische Finanzen. Sie kann sich jedoch nur dann nachhaltig entwickeln, wenn ausreichend Wohnraum vorhanden ist, eine verlässliche Kinderbetreuung gewährleistet wird und attraktive Angebote für Jugend und Kultur bestehen. Diese Bereiche wiederum leben in besonderem Maße vom Engagement unserer Vereine und Ehrenamtlichen – gerade in den Stadtteilen funktioniert dieses Miteinander besonders gut. Davon kann auch die Kernstadt profitieren.

Und mit allem verbunden ist die Frage der Mobilität: Wir brauchen durchdachte Verkehrs- und Mobilitätsangebote, die alle Menschen im Blick haben – Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrende, Autofahrer sowie Menschen mit und ohne Einschränkungen. Nur wenn wir diese Themen integriert betrachten, können wir Lauterbach insgesamt gut weiterentwickeln.

Sie sind für die Grünen in der Stadtverordnetenversammlung und im Kreistag aktiv. Meinen Sie, dass man Ihnen den unabhängigen Kandidaten abnimmt?

Mein ehrenamtliches politisches Engagement ist das eine – die Aufgabe als Bürgermeister ist jedoch eine andere.

In meiner Kandidatur und in meinem Wahlprogramm habe ich mich bewusst unabhängig von meiner Parteimitgliedschaft sowie von den mich unterstützenden Parteien Bündnis 90/Die Grünen und SPD positioniert. Denn das Amt des Bürgermeisters ist ganz klar überparteilich. Es geht darum, für die gesamte Stadt Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger zu treffen – unabhängig von parteipolitischen Interessen.

Genau dafür stehe ich: für eine sachorientierte, verbindende und lösungsorientierte Politik. Meine eigene Partei hat das verstanden und Bürgerinnen und Bürger, die mich danach fragen, auch.

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