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Antrittskonzert von Professor Alexey LebedevGastspiel des Schirmherrn der Weltklassik-Reihe im Melchiorsgrund

SCHWALMTAL (ol). Professor Alexey Lebedev ist seit diesem Jahr Schirmherr der Weltklassik-Konzertreihe und hat es sich nicht nehmen lassen, trotz seines straffen Terminkalenders kürzlich ein „Antrittskonzert“ in Melchiorsgrund zu geben.

Als Hochschullehrer ist Alexey Lebedev laut einer Pressemitteilung des Melchiorsgrund in Busan/Südkorea tätig, mit 3,5 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes. Seine Berufung dort sei mit ein Grund dafür, dass er so knapp mit seiner Zeit ist, denn im Gegensatz zu unserem Universitätsbetrieb, ist die frei verfügbare Zeit für ihn, wie für alle anderen Professoren dort, auf lediglich 5 Tage im Jahr beschränkt. Wenn er also auf Konzerttournee ins Ausland geht, ist jedes Mal eine Sondergenehmigung nötig. So konnte das Publikum in Schwalmtal sich glücklich schätzen, diese Ausnahmepersönlichkeit am Klavier hautnah erleben zu können, oder wie eine Konzertbesucherin es ausdrückte: „Ein Star zum Anfassen!“

Alexey Lebedev gehört zur internationalen Elite am Klavier und so verwundert es nicht, dass der Vortrag des eigentlichen Programms, mit Mazurkas op. 68 von Frédéric Chopin, der Waldstein Sonate Nr. 21 C-Dur op. 53 von Ludwig van Beethoven und der Klaviersonate h-Moll S. 178 von Franz Liszt brillant, souverän und doch mitreißend, in höchster Konzentration zelebriert wurde.

Regelrecht verzaubert worden, seien die Zuhörer dann durch die, mit den Zugaben verknüpften, Einblicke in die Lebensgeschichte des Künstlers. Dabei schlüpfte der Star aus seiner Rolle des „Klavierheiligen“ in die eines eloquent plaudernden Entertainers, der tiefe Einblicke in die Freuden und Leiden eines heranwachsenden Künstlers bot.

Ein Schlüsselerlebnis hatte er als Schüler mit der Klaviersonate in C-Dur, No.60 von Joseph Haydn. Diese war ihm als Herausforderung für den kaum ruhig sitzen könnenden Novizen, von seinem verständigen Lehrer auferlegt worden. Zunächst hatte der junge Alexey sich fast erschlagen gefühlt von der Vielzahl der Notenblätter, die so eine Sonate ausmachte. Er sah die vielen notwendigen Übstunden vor sich, in denen er seine Freunde vermissen würde, die draußen eigentlich mit ihm spielen und die Nachbarschaft erobern wollten, so dass es ihn kaum am Klavier halten würde – bis er eines Tages entdeckte, dass in den unterschiedlichen Passagen dieses Werkes die Charaktereigenschaften seiner Freunde und anderer ihm vertrauter Menschen aufblitzten und für ihn lebendig wurden. So hätte er ab da kaum noch genug vom Klavierspielen und Üben bekommen können, so der Künstler.

Er absolvierte spielend Jugendwettbewerbe, ohne zunächst zu wissen, was das eigentlich bedeutete. Er wurde ins Fernsehen zu Interviews und zum Vorspielen eingeladen und begann seinen unabsichtlich vorgezeichneten Weg zum Klaviervirtuosen zu genießen. Die Zuhörer im Melchiorsgrund konnten nach der Erzählung miterleben, was Alexey Lebedev so eindrücklich geschildert hatte. Beim Vortrag des ersten Satzes der C-Dur Sonate von Joseph Haydn sprangen sie förmlich aus der Klaviatur, die Jugendfreunde des Künstlers: Der Übermütige, der melancholisch Zurückhaltende, der sommersprossig freche Lausbube, der phlegmatisch Zaudernde, der Draufgänger und viele mehr, so hieß es.

Anschließend schilderte der Künstler sein besonderes Verhältnis zu Frédéric Chopin. Obwohl, oder gerade weil er sich nie besonders intensiv in theoretischer Hinsicht mit dem Komponisten befasst hatte, entwickelte er während eines CD-Projekts ein starkes Empfinden für den Charakter, die Person Frédéric Chopin. So sei ihm mehrfach bei den vorbereitenden Probenphasen aufgefallen, dass Chopin es ihm nicht verzeihe, wenn er seine Stücke in seinem Probenplan einmal einen Tag ausließe und sich „nur“ den Werken anderer Komponisten zuwendete, auch wenn er sich vorher zum Teil zwölf bis dreizehn Stunden um Werke von Chopin gekümmert hätte. Am nächsten Tag sei es dann so, dass er bei den ausgelassenen Stücken Chopins quasi wieder von vorne anfangen müsse, als wolle der Komponist den Pianisten für seine „Seitensprünge“ strafen, so der Künstler.

Und so passte die zweite Zugabe, der Vortrag der ersten Mazurka des jungen Chopin auch in das Gesamtbild des Abends. Auch weil es sich ja bei den Mazurkas im Ursprung um Tänze handelt, so habe es auch noch einen weiteren Bezug zu Alexey Lebedev. Im Pausengespräch bemerkte er, angesichts des angrenzenden Volleyballfeldes, dass Volleyball gerade eine eher ungeeignete Sportart für Pianisten sei. Auf die Frage, was er denn für eine geeignete Sportart halte, antwortete er fest und klar: „Tanzen!“ Das leuchtete sofort ein, denn wer ihn Klavierspielen erlebte, der hat gesehen, dass die Finger auf der Klaviatur, anders als bei vielen anderen großen Pianisten, die ihre Bewegungsabläufe technisch ökonomisiert haben, stets so etwas wie eine eigene Choreographie, ihren eigenen Tanz aufführten. Jeder Finger für sich, aber dann auch wieder präzise im Ensemble vereint zum harmonischen Spiel, hieß es.

Professor Lebedev wird kommende Woche wieder zurück nach Südkorea fliegen und eine Weile nicht in Europa gastieren können. In Schwalmtal habe er spontan eine ansehnliche Fangemeinde erobert und bei ihr einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Die nächste Gelegenheit, eines der außergewöhnlichen Konzerte der Weltklassik-Reihe im Melchiorsgrund zu erleben, bietet sich am Sonntag, den 10. September um 17:00 Uhr. Reservierungen, Abos oder Newsletter unter: info@weltklassik.de oder Tel.: 0151 125 855 27, sowie  www.weltklassik.de .

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