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Künstlerinnengruppe genXart präsentiert Ergebnisse der interaktiven ArbeitswocheKunst als demokratischer und konstituierender Prozess

ALSFELD (ol). Vor wenigen Tagen fand unter großer Beachtung und bei bestem Sommerwetter die Vernissage der Ausstellung „abStimmung“, die Ergebnisse eines interaktiven Kunstprojekts in der Alsfelder Museumsscheune statt.

Eine Woche lang haben sie zusammengewohnt und gearbeitet, sich inspiriert, sich ausgetauscht, miteinander gelacht und gefeiert, und ungeheuer kreativ waren sie auch noch: Die Künstlerinnen Tanja Abeln-Bil, Tanja Gremmel, Britta Jakobi, Mona Löffler, Annette Scheder und Patricia Schellenberger hatten sich nach einer ersten Idee zur Gruppe genXart zusammengeschlossen und vom 5. bis 10. Juni ein interaktives, demokratisches und innovatives Kunstprojekt in der Alsfelder Museumsscheune veranstaltet.

„abStimmung“ hieß diese Aktion, in deren Rahmen laut Pressemitteilung Kunst entstand, und zwar auf demokratischem Weg, denn alle Interessierten durften sich mit Ideen beteiligen: Während des Schaffensprozesses stand die Scheune offen. Und die Höfe gleich mit, denn das schöne Wetter erlaubte das Arbeiten unter freiem Himmel, was insbesondere für die Bildhauerin Annette Scheder, die ihre Motorsäge mitgebracht hatte, von Vorteil war.

Zur Vernissage am vergangenen Sonntag begrüßte Jochen Weppler, Vorsitzender des Geschichts- und Museumsvereins, der die Scheune zur Verfügung stellte, natürlich die Künstlerinnen im Museumshof, daneben viele interessierte Gäste sowie als Redner Bürgermeister Stephan Paule und Traudi Schlitt. Musik für diese Veranstaltung hatte das Duo Flex-à-Ton mitgebracht. Ulrike Schimpf und Elke Saller hatten sich in der Vorbereitung zu diesem Auftritt genau mit den entstehenden Werken auseinandergesetzt und jedes einzelne Projekt eigens vertont. So boten auch sie einen weiteren spannenden Beitrag zu diesem kreativen Gesamtpaket.

Bürgermeister Stephan Paule und Jochen Weppler vom Geschichts- und Museumsverein würdigten das Schaffen der Künstlerinnen. Fotos: T. Gremmel

Weppler berichtete von vielen interessanten Besuchen bei den Künstlerinnen in dieser Woche, die das innerstädtische Quartier mit sehr viel Leben gefüllt hatten. Sichtlich erfreut über die Begegnungen dankte er ihnen für die Inspiration und Kreativität.

Bürgermeister Paule mit lobenden Worten und einer Überraschung

Auch Bürgermeister Stephan Paule zeigte sich beeindruckt von dem Projekt, das ein „Work in Progress“ ist und damit ganz ähnlich den immer noch andauernden Arbeiten an dem Museum. Umso glücklicher schätzte er sich, dass die Scheune für kulturelle Veranstaltungen aller Art zur Verfügung stehe. Die Kunst von genXart sei von besonderer Qualität, deren Markenzeichen es sei, dass die fortschreitende Arbeit sich mit dem Umfeld rückkoppele und somit ein demokratischer, konstituierender Prozess eröffnet worden sei. Der Dialog mit Kunstinteressierten und Menschen, die vorbeikamen, habe gut funktioniert. Er freute sich sehr, dass das Museumsquartier erneut belebt werde.

Annette Scheder, Mona Löffler, Britta Jakobi, Patricia Schellenberger, Tanja Abln-Bil und Tanja Gremmel (v.r.) freuten sich über die Worte von Bürgermeister Stephan Paule

Der Bürgermeister bezeichnete das Areal um die Scheune als Nukleus, um den herum Kultur stattfinde. Paule verwies auch auf das Kulturprojekt TraVogelsberg, das im Juni startet, und das ebenfalls im Zeichen des demokratischen Prozesses steht. Den Dank der Stadt Alsfeld drückte der Rathauschef nicht nur verbal aus, sondern er überreichte auch den Zuwendungsbescheid des Bundesprojektes Demokratie Leben, dessen Mitglied die Stadt Alsfeld ist. 3455 Euro ist dem Bund dieses demokratische Kunstprojekt wert.

In einem überaus gelungenen musikalischen Beitrag setzte Flex-à-Ton die Werke der Künstlerinnen in Szene: „Es wa(h)r einmal“, „Stroh zu Gold“, „Blockade und Befreiung“, „Rotkäppchen kämpft“, „Tradition unter den Füßen“ und „Vom Fluss des Seins und Werdens“ – unter diesen Überschriften hatten sie kurze Musikstücke komponiert, angelehnt an die Ideen von genXart.

Für das musikalische Programm der Vernissage sorgten Flex-à-Ton: Ulrike Schimpf und Elke Saller.

Laudatorin Traudi Schlitt sprach in einer sehr launigen und den Künstlerinnen sehr zugewandten Rede über das Projekt, die Vorbereitungen und die Ergebnisse des Schaffensprozesses. Begonnen mit einer wagemutigen Idee irgendwann Anfang 2022, begründeten die Künstlerinnen eine lebhafte, sehr bewegte und kreative WhatsApp-Gruppe, in der die Idee mehr und mehr Gestalt annahm.

Als stille Beobachterin konnte Schlitt  laut Pressemitteilung diesen ganzen Prozess verfolgen und staunen. In ihren Besuchen in der Scheune während der Arbeitswoche, habe sie einen Spirit wahrgenommen, der sich wohl über die ganze Innenstadt ausgebreitet haben müsste, fand die Rednerin, die von der Mitwirkung der Menschen, von internen und externen Abstimmungen und von überraschenden Besuchen, u.a. auch der Polizei, berichtete. Schlitt ging auf die unterschiedlichen Techniken und Arbeiten der Künstlerinnen ein:

Genähte Collagen, digitale-fotografische Druckansichten

Tanja Abeln-Bil aus Fulda hat genähte Collagen entwickelt, in denen sie die Schwälmerin von der Last ihre schweren Stoffschichten und Traditionen befreit. Tanja Gremmel aus Heimertshausen hat Alsfelder Basalt mit Schwälmer Stickereien versehen und dazu schöne Geschichten gesammelt. Britta Jakobi hat am Computer verschiedene Szenarien durchgespielt, die den Wolf und das Rotkäppchen verbinden könnten – am Ende wurde Rotkäppchens Kampf für den Wolf zu einem großen Bild in der Ausstellung.

Viel zu entdecken gab es für das Publikum der Vernissage in der Scheune.

Mona Löffler schuf digitale-fotografische Druckansichten der Idee des Stroh zu Gold Spinnens und eröffnete damit viele Fragen zum Thema Wert, Werte, Konsum und Geld. Bildhauerin Annette Scheder gab dem Neid, der mit den nach ihm benannten „Neidfiguren“ am Museumsgebäude von Anfang an Teil des Projekts war, ein neues Gesicht und interpretierte ihn als Gefühl, das Menschen unmerklich von innen zerfrisst. Auch an dieser Entwicklung hatten die Gäste in der Scheune großen Anteil. Patricia Schellenberger hatte die gemeinsame Woche für viele Inspirationen genutzt und der alten, sittsamen und braven Frauenbeschäftigung, dem Sticken neue Facetten abgewonnen, die sie inhaltlich mit Nadel, Faden und bunten Farben festhielt.

Sie freuen sich über die gemeinsame Woche und die Ergebnisse ihres Schaffens, v.l.: Tanja Gremmel, Annette Scheder, Britta Jakobi, Tanja Abln-Bil, Mona Löffler und Patricia Schellenberger.

„Ein Schatz für Alsfeld“ habe diese märchenhafte Woche in der Scheune und den Höfen hervorgebracht“, so Schlitt. Einen Schatz, den man noch bis zum 6. Juli in der Alsfelder Museumsscheune entdecken kann. Im Rahmen des Feierabendmarktes findet dann am 6. Juli ab 18 Uhr die Finissage mit DJ Tiger statt.

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