
Inschriften-Projekt der Alexander-von-Humboldt-Schule interpretiert Jahresmotto vor OrtZeit – nachzulesen an Gebäuden der Stadt
LAUTERBACH (ol). Kürzlich hat eine Winterwanderung zu den Inschriften an und in Lauterbachs Gebäuden unter anderem für die Schüler der Alexander-von-Humboldt-Schule stattgefunden. Anlass gab das diesjährige Schuljahresmotto „Wir haben Zeit“.
„Sie haben bereits viele Jahrhunderte überdauert, und doch laufen sie häufig Gefahr, innerhalb kurzer Zeit verloren zu gehen. Sie umgeben uns täglich, und doch beachten wir sie meist gar nicht: Inschriften – auf Gebäuden, Brücken und Brunnen, in Holz, Stein oder Glas.“ Mit diesen Worten begrüßte Hannah Stubinitzky, Lateinlehrerin an der Alexander-von-Humboldt-Schule, vor wenigen Tagen Schüler sowie eine Gruppe interessierter Gäste zu einer Winterwanderung zu den Inschriften an und in Lauterbachs Gebäuden. Heißt es in der Pressemeldung der Alexander-von-Humboldt-Schule.
Anlass für die Auseinandersetzung mit den alten Schriften gab dem Lateinkurs der Jahrgangsstufe neun das diesjährige Schuljahresmotto „Wir haben Zeit“. Und „Zeit“ war im Rahmen dieses Projekts in vielen Facetten zu erleben: So sind die Inschriften Zeitzeugen der bewegten Stadtgeschichte. Bereits vor vielen hundert Jahren haben die Lauterbacher sie erstellt, gelesen, vorbeiziehen sehen, während die Inschriften selbst stets stumm Leben und Taten in der Stadt erzählten.
Im Fokus: Transkription, Übersetzung, Beschreibung und Deutung von Inschriften
Dass nun wieder Menschen sich Zeit nehmen, um die Inschriften in die Gegenwart zu holen und die Auseinandersetzung damit heute anzuregen, ist eine weitere Interpretation des schulischen Jahresmottos. Unterstützt wurden die Schüler dabei von Till Hartmann. Er ist ehemaliger Schüler der AvH, Historiker, Stadtarchivar und Stadtführer und konnte die Neuntklässler mit vielen geschichtlichen Hintergründen versorgen.

Natürlich eine große historische Quelle: der Keller des Hohhaus-Museums. Alle Fotos: H. Stubinitzky
Gemeinsam mit ihm ging der Kurs zunächst der Frage nach, wo in Lauterbach Inschriften zu finden sind und was sie bedeuten. Sie stellten fest, dass sich eine Auseinandersetzung damit lohnt und machten sich in kleinen Gruppen an die Bearbeitung von vier lateinischen Inschriften, die sie am Ankerturm, am Wichhaus und im Hohhaus-Museum fanden.
Besonders die Transkription, also das Entziffern der Inschriften, dann die Übersetzung, Beschreibung und Deutung, waren für die Schüler eine ungewöhnliche Unterrichtserfahrung, die im Lateinunterricht selten so praxisnah ist und einen so großen Bezug zur Geschichte der Heimatstadt und damit auch zur eigenen Geschichte hat.
„Wir haben viele neue Infos über Lauterbach erhalten und gelernt zu transkribieren. Das war sehr abwechslungsreich“, sagten Merle und Anne. Ihr Mitschüler Hermann war besonders beeindruckt von den Lebensgeschichten hinter den Inschriften, beispielsweise dem Schicksal Georg Riedesels, der bei der Überquerung der Maas ertrunken war.

Fündig wurden die Schüler auch am Wichhaus.
Als letzten Schritt des Projektes erarbeiteten die Schüler gemeinsam mit Stubinitzky und Hartmann einen Vortrag, um die Ergebnisse ihrer Kursarbeit einem interessierten Publikum zu präsentieren. Mit mehr als zwei Dutzend Gästen konnten sich die Jugendlichen und ihre Lehrerin vor wenigen Tagen auf die Socken machen, um in Lauterbach den Inschriften auf die Spur zu kommen.
Lauterbacher Geschichte wurde lebendig
„Diese sind in einer Zeit entstanden, in der in Lauterbach große soziale Unruhen geherrscht haben“, führte Stubinitzky zur Einführung aus: „Nach dem Dreißigjährigen Krieg gerieten Bauern und kleine Handwerker der Lauterbacher Vorstadt in Not. Die Kluft zum reichen Teil der Bürger sowie zum Stadtrat wurde größer. Das Ganze gipfelte zwischen 1693 und 1699 im Lauterbacher Bürgeraufstand.“
Weiter sagt Stubinitzky: „An dessen Ende kamen viele der Aufständischen zu Tode. Dennoch mussten danach Reformen ins Auge gefasst werden, um die Lage der ärmeren Bevölkerung zu verbessern. Von diesen Verbesserungen zeugen auch drei der vier Inschriften, die wir heute betrachten werden.“
Und so machte sich die Gruppe auf den Weg von der Stadtkirche über Ankerturm und Wichhaus bis zum Hohhaus-Museum. Anhand der Inschriften und der Erläuterungen, die die Schüler erarbeitet hatten, wurde die Geschichte Lauterbachs lebendig – und damit auch Teil der heutigen Zeit.

Der Ankerturm: Auch das Lauterbacher Wahrzeichen bietet Inschriften zur Stadtgeschichte.
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