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Linke-Fraktion auf LichtspaziergangWas Lichtverschmutzung für die Lauterbacher Natur bedeutet

LAUTERBACH (ol). Welche Auswirkungen Straßenbeleuchtungen und Reklame auf die Natur haben, hat die Linke-Fraktion im Lauterbacher Stadtparlament gemeinsam mit Diplom-Biologe und Astronom Martin Jatho bei einem Lichtspaziergang durch die Stadt unter die Lupe genommen. Und dabei festgestellt: Das Phänomen beeinflusst Natur, die Tier- und Pflanzenwelt maßgeblich.

„Der kleine Wagen ist verschwunden“: Nein, hier waren keine Autoknacker unterwegs, vielmehr kann man ein Sternbild nicht mehr sehen. Grund dafür ist die Lichtverschmutzung über der Stadt. Diplom-Biologe und Astronom Martin Jatho beschäftigt sich seit Jahren mit diesem Thema. Weite heißt es in der Pressemitteilung, dass er jetzt von den Lauterbacher Linken zu einem Vortrag und einem Lichtspaziergang durchs nächtliche Lauterbach eingeladen wurde.

„Das Ergebnis ist durchwachsen“, kommentiert Fraktionsmitglied Katharina Jacob die Tour. Vieles liege im Argen, aber die Fraktion habe auch zahlreiche Anregungen für ihre Arbeit in der Stadtverordnetenversammlung mitnehmen können.

Der Spaziergang startete an der Umgehungsstraße, an einem grell erleuchteten Parkplatz – laut Jatho kein Schutz vor Autoknackern. Im Gegenteil, sehen sie so doch besser, was sie tun. Lobend hebt er allerdings ein Schild hervor, auf dem die Schrift leuchtet, statt dass es ganz und gar angestrahlt wird. So sei es nicht nur gut für den Insektenschutz, sondern auch für Menschen besser zu sehen, so der Astronom und Fledermausschützer.

Weiter ging es zur Kreuzung am Roten Platz eine mit Peitschenlampen erleuchtete Straße entlang. Peitschenlampen, so hatte Jatho in seinem Vortrag bereits erklärt, seien so konzipiert, dass sie auch die gegenüberliegende Straßenseite beleuchten, was jedoch im unteren Teil der Umgehungsstraße keinen Sinn mache, da dort auf der gegenüberliegenden Seite kein Bürgersteig ist.

Dr. Martin Jatho klärt in seinem Vortrag zum Thema Lichtverschmutzung auf. Foto: Fraktion die Linke Lauterbach

Positiv fiel hingegen eine Infotafel am Fuldaer Kreisel auf. Sie ist nur innerhalb des Kastens beleuchtet, das Licht fällt von oben auf Stadtplan und Poster. So könne man die Karte sehr gut lesen, aber das Licht dringe nicht nach außen oder oben, freut sich Jatho. Dass der Kreisel selber sehr gut ausgeleuchtet ist, wird auch von Jatho nicht in Frage gestellt. Sicherheit gehe hier vor, da gebe es keine Zweifel.

Nächste Station war der Caprivaweg. Vorher ärgerten sich die Anwesenden noch über im Boden eingelassene Leuchten, die in die Kronen der Bäume vor dem Stadtarchiv leuchten. Den Bäumen tue dies nicht gut, so Jatho, denn sie würden daran gehindert, zu erkennen, wenn die Tage kürzer werden und würden ihr Laub dadurch zu spät abwerfen. Das könne zu Erfrierungen führen, da sich in den Blättern Wasser befinde, und dies mache die Bäume verwundbar für Krankheiten und Schädlingsbefall.

Vor- und Nachteile abwägen

Im Caprivaweg entspannte sich auch eine Diskussion über die Beleuchtung des Polizeiparkplatzes. Einerseits müsse es im Falle eines Einsatzes schnell gehen, andererseits sei er völlig überbeleuchtet, wenn nichts los ist – Immerhin verwendet die Polizei gelbes Licht, mit vielen Rotanteilen, lobt Jatho. Eine solche Beleuchtung belaste Natur und Netzhäute weniger als das unfreundliche, kaltweiße Licht, das manche Straßenlaterne verbreite.

Besonders deutlich werde das grelle Kaltweiß im Kontrast zu den heimeligen warmweißen Leuchten an der Straße Am See. Hier ärgerten sich die Teilnehmenden über eine Lichterkette direkt über den Fluss, die einen leeren Biergarten bereichern solle. Eigentlich sei dies eine Straftat, meint Fraktionsmitglied Katharina Jacob, da hier die Wasserfledermaus vergrämt worden sei.

Jatho fand jedoch noch mehr Umweltsünden: Die Laternen stehen genau so, dass sie alle den Fluss beleuchten. Was eine solche Dauerbeleuchtung mit den Geschlechtsorganen von Fischen anrichte, hatte er in seinem Vortrag gezeigt. Es stelle sich weiter die Frage, ob dies die Ursache dafür sein könnte, dass die Bachforellen sich bislang nicht auf natürliche Art vermehrt haben? Allerdings entstand wieder ein Interessenskonflikt, sind die formschönen Laternen doch immer schon da gewesen und bieten eine romantische Kulisse für Abendspaziergänge. Vielleicht würde das Abkleben mit einer roten Folie an der Flussseite helfen, sowohl der Romantik, als auch dem Naturschutz Rechnung zu tragen, überlegt Jatho an dieser Stelle.

Beleuchtung bis ins All

Begeistert waren alle Anwesenden von der Geländerbeleuchtung an der Ankertreppe. Hier stolpere niemand und nach oben werde kein Licht unnötig verloren. Leider mache eine viel zu grelle, völlig unnötige Laterne über der Treppe diesen positiven Aspekt völlig zunichte. Würde sie als unbeleuchtetes Dekorations-Objekt die Örtlichkeit zieren, wäre nicht nur dem Naturschutz gedient, sondern man sähe auch das Rathaus besser, das dann nicht von unten beleuchtet werden müsse. Letzteres eine Todsünde, denn das Licht strahle am Rathaus vorbei ins All, Milchstraße und Sternbilder verschwinden vor dieser zweifelhaften Pracht.

Ähnlich, nur schlimmer, werde es an den Treppenstufen zum Löwendenkmal. Hier blenden die Bodenleuchten so, dass man gar nichts mehr sehen könne und Gefahr laufe, über die Stufen zu stolpern, wenn man sich das Denkmal genauer ansehen möchte. Der Löwe, diabolisch von unten beleuchtet, schwieg dazu.

Mit einem Blick in den Hohhausgarten endete die Führung. Dort steht eine Leuchte in moderner Optik, die ausschließlich nach unten leuchtet, indem ein Spiegel das Licht auf den Boden reflektiert. Sie trifft auf Zustimmung bei allen Beteiligten. Jacob und König bedanken sich beim Referenten: „Wir werden einiges mitnehmen“, so König, „Das ist der Stoff, aus dem Anfragen und Anträge sind“, pflichtet Jacob ihm bei.

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