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Suchtkrankenhilfe erhält Förderung vom LandEin Beitrag für die Digitalisierung

ALSFELD (ol). Hohen Besuch begrüßten Vorstandsmitglieder des Vogelsberger Beratungszentrums der Suchthilfe in Alsfeld, denn aus der Landeshauptstadt war Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt in die Fachwerkstadt gekommen. Er hatte großen Scheck dabei: Mit 6.588 Euro unterstützt das Land Hessen die Arbeit.

16 Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe finden sich auf dem Gebiet Hessens und des angrenzenden Westerwaldes im Hessischen Landesverband der Freundeskreise. Für Treffen des 13-köpfigen Landesvorstandes bietet sich in der Regel Alsfeld an, der zentralen Lage wegen, aber auch weil das Beratungszentrum Vogelsberg, das unter dem Dach der Diakonie Sucht- und Drogenberatung anbietet, die Räume für die Treffen zur Verfügung stellt.

Jüngst konnten die Vorstandsmitglieder den Digitalstaatssekretär Patrick Burghardt aus Wiesbaden in der Fachwerkstadt begrüßen, der das Fördergeld symbolisch überreichte.
„Mit 6588 Euro unterstützt das Land Hessen die Vorstandsarbeit über weite Distanzen“, gab der Staatssekretär bekannt, der es sich nach eigenem Bekunden nicht hatte nehmen lassen, vor Ort mit den Vorstandsmitgliedern ins Gespräch über deren wertvolle Arbeit zu kommen: „Ich habe großen Respekt vor dem, was Sie hier leisten, daher haben wir das Geld auch nicht einfach nur überwiesen, sondern ich wollte Sie gerne kennenlernen.“ Diesem Termin wohnten aus der Vogelsberger Kommunalpolitik auch Landrat Manfred Görig und Rathauschef Stefan Paule bei.

Vom Landesverband der Freundeskreise sprach der 1. Vorsitzende Thomas Steinhäuser über das Digitalisierungsprojekt seines Vereins: „Mit Ihrer Förderung können wir unsere Vorstandsarbeit auf eine neue qualitative Ebene heben und uns mit unserer IT-Ausstattung auf die Höhe der Zeit begeben“, sagte er. Dies sei nötig, nicht nur, um sich jetzt und auch nach Corona öfter digital als persönlich zu treffen und somit die wertvollen Ressourcen Zeit und Umwelt zu schonen, sondern auch um die gewachsenen Anforderungen an multidisziplinäres Arbeiten mit Klienten, offiziellen Stellen, Klinken und Beratungseinrichtungen effizient zu organisieren. „Darüber hinaus stellt uns auch der Datenschutz vor größere Aufgaben“, ergänzte Vorstandsmitglied Heike Schön, die den Antrag an das Hessische Ministerium für Digitale Strategie und Entwicklung gestellt hatte.

Erfahrungen mit Sucht, Auswege aus der Sucht, Rückfälle und Erfolge

Staatssekretär Burghardt zeigte großes Interesse an Aufbau und Inhalt der Arbeit der regionalen Freundeskreise, aus denen die Vorstandsmitglieder berichteten. Ein großer Fokus der reinen Selbsthilfegruppen, so erfuhr der Gast aus Wiesbaden, liegt stets auf der Arbeit mit Angehörigen. Sie können mit oder ohne den Suchtkranken an den entsprechenden Sitzungen teilnehmen. „Sucht innerhalb einer Familie findet immer auch mit der Familie statt, das Thema Beziehungen spielt hier eine große Rolle“ berichtete eine betroffene Angehörige. Suchtkranke durchlaufen in den verschiedenen Phasen ihrer Sucht und vielleicht auch ihres Ausstiegs Persönlichkeitsveränderungen, die Angehörige er- und mittragen müssen. Dabei sei klar, dass man die Suchtkranken selbst nur erreiche, wenn diese das auch wollten.

Ein Baustein der Arbeit mit Suchtkranken und ihren Angehörigen seien Seminare und Vorträge, von denen in diesem Jahr viele aufgrund der Pandemie verschoben wurden, berichtete Steinhäuser weiter. Auch eine Ausbildung zu Suchtkrankenhelfern oder Gruppenbegleitern bieten die Freundeskreise an. Ihre Arbeit sehen sie als Ergänzung zu den professionellen Angeboten durch Beratungseinrichtungen vor Ort. „Wir haben die Erfahrung aus unseren eigenen Biografien, unsere Sitzungen sind jenseits von gewöhnlichen Arbeitszeiten und wir wissen einfach, wovon wir sprechen, wenn es um Sucht und Auswege, um Rückfälle und Erfolge geht“, skizzierte Steinhäuser eine Kernkompetenz der Freundeskreise, die gemeinsam mit professioneller Hilfe ein bestmögliches Angebot für Suchtkranke darstellt.

Präventive Arbeit, um Menschen aus der Sucht zu helfen

Dem stimmte auch Landrat Görig zu, der die Arbeit des kommunalen Beratungszentrums lobte und diesem weiterhin Unterstützung zusagte. Gleichwohl unterstrich er, dass die Anforderungen an die Sucht– und Drogenberatung ohne die wertvolle ehrenamtliche Arbeit der Freundeskreise nicht zu meistern wäre. „Wenn man präventiv arbeitet und Menschen aus der Sucht hilft, dann senkt das auch Folgekosten, die aus der Sucht und der damit nicht selten einhergehender Arbeitslosigkeit entstehen“, so der Landrat ganz pragmatisch.

Eine ganze Stunde lang nahm sich Staatssekretär Burghardt Zeit, um weitere Themen rund um Sucht und Ausstieg aus der Sucht zu erörtern, darunter beispielsweise die Themen Sucht in der Corona-Zeit, Freigabe sogenannter weicher Drogen oder auch ein Austausch zu persönlichen Erfahrungen.

Am Ende dieser Begegnung übergab Burghardt die Förderurkunde und stellte kurz das Förderprogramm vor: Mit dem Programm „Ehrenamt digitalisiert!“ will das Land Hessen Digitalisierungsvorhaben ehrenamtlicher Organisationen unterstützen: Optimierung von Prozessen, Bildungs-, Beratungs- und Unterstützungsmaßnahmen sowie die Vermittlung von Wissen über Digitalisierung sollen gefördert werden. Die Fördersummen liegen zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Seine gut 6.500 Euro hat der Landesverband in Notebooks einschließlich notwendiger Komponenten und Software für den Vorstand investiert. Thomas Steinhäuser fasste die Begeisterung über diese außergewöhnliche Unterstützung in einem Satz zusammen: „Dieses Programm ist für uns ein Segen!“

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