Politik13

Traditionelles Heringsessen der CDU AlsfeldPolitischer Aschermittwoch in bewegten Zeiten

LINGELBACH (ol): Auch die 37. Auflage des Heringsessens der Alsfelder Christdemokraten fand gut ein Jahr vor der Kommunalwahl 2021 großen Zuspruch bei Mitgliedern und Freunden der Unionspartei. So konnte der CDU-Vorsitzende Alexander Heinz gut 60 Gäste aus nah und fern im Lingelbacher Gasthaus Gischler begrüßen.

Das in diesem Jahr kein prominenter Redner als Gast vor Ort war, tat der Veranstaltung keinen Abbruch, heißt es in der Pressemitteilung der CDU Alsfeld. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden und den ausgezeichneten Heringen aus der Küche von Gastwirt Jürgen Weiß widmete man sich den Reden des Landtagsabgeordneten Michael Ruhl und Bürgermeister Stephan Paule.

Schon Alexander Heinz machte einleitend deutlich, dass das Heringsessen für die CDU in bewegten Zeiten stattfinde und so drehten sich Reden und Gespräche im Laufe des Abends vor allem um ein Thema: den Zustand der CDU und den Anspruch der Partei als Volkspartei und Partei der Mitte zu gelten.

Sehr deutlich machte dies Bürgermeister Stephan Paule, als er einen Bogen spannte von den Kanzlerkandidaturen Helmut Kohls und Franz-Josef Strauß 1976 und 1980 über die durch den „Seitenwechsel“ der FDP ausgelösten Sturz der Regierung Schmidt und der Wahl Kohl zum sechsten Deutschen Bundeskanzler bis hin zur aktuellen Situation mit sechs Parteien in den Parlamenten und der daraus entstehenden schwierigen Situation, so wie in Thüringen keine stabilen Mehrheiten finden zu können.

Mit extremen Parteien gebe es keine Zusammenarbeit und mit Parteien, die wie die Grünen starke „Partikularinteressen“ vertreten ist eine Zusammenarbeit zumindest schwierig, so Paule. „Die CDU als Partei der Mitte steht schon immer für einen Ausgleich der Interessen, das hebt uns als Volkspartei von den anderen Parteien ab“, unterstreicht Paule den Anspruch der CDU, weiterhin als Volkspartei wahrgenommen und gewählt zu werden.

Michael Ruhl, der seit gut einem Jahr den Vogelsberg als direkt gewählter Abgeordneter im Hessischen Landtag vertritt, ging zunächst auf einige der Themen ein, die in den letzten Monaten dominierend waren. „Bei aller – teils berichtigter – Kritik“, so führte er zum Thema Landwirtschaft aus, „bleibt die CDU der einzige Ansprechpartner für den Berufsstand der Landwirte“ und machte somit deutlich, dass man die Anliegen der Landwirtschaft ernst nehme. Gleiches gelte auch für die hessischen Waldbesitzer, denen man nach der Dürre 2018 und der daraus resultierenden, teils dramatischen Situation geholfen habe.

Zur Situation in Thüringen fand auch Ruhl deutliche Worte: „Aus unterschiedlichen Gründen verbietet sich jegliche Zusammenarbeit mit den extremen Parteien an den Rändern, dass hat die CDU immer sehr deutlich vor Wahlen gesagt. Keine andere Partei hat dies so klar und öffentlich gemacht wie die CDU, dies ist ein Alleinstellungsmerkmal unserer Partei“, unterstrich Ruhl die klare Absage an Linkspartei und AfD.

13 Gedanken zu “Politischer Aschermittwoch in bewegten Zeiten

  1. Herr Heinz, welche Volkspartei? Ich sehe keine mehr. Herr Paule und Herr Ruhl haben es auf den Punkt getroffen. Es gibt keine Zusammenarbeit mit den Linken und der AfD. Wieso auch? Die machen das Rennen bald alleine. Schauen wir 2021. Das wird schon mal ein Vorgeschmack sein auf die nächste Bundestagswahl. Immer alles nur weiter schönreden.

    IHR SCHAFFT DAS.

    1. Letzte Wahlprognose für Hessen: Afd = 12%, Die Linke = 8%. Die sollen das Rennen „bald alleine“ (da untereinander in keiner Weise anschlussfähig!) machen? Das ist doch eine absurde Beurteilung bzw. politische Zukunftsprognose.
      Schwarz-Grün würden nach heutigem Stand 2023 auf eine solide Mehrheit von 60 Landtagsmandaten kommen, wobei beide Partner nahezu gleich stark sind. Großes Konfliktpotenzial zwischen den Koalitionspartner ist nicht zu erkennen. Die Zusammenarbeit ist kollegial und fair. Die Sozialdemokraten sind als Opposition ein weiterer stabilisierender Faktor. Groß genug, um als Opposition ernst genommen zu werden, aber nicht stark genug, um das Koalitionsgefüge ernsthaft in Frage zu stellen. Unter parlamentarischen/staatspolitischen Gesichtspunkten kann man die politischen Verhältnisse in Hessen als nahezu ideal bezeichnen. Ganz im Gegensatz zu unserem Nachbarland Thüringen, das zwar ebenfalls unter einer ganz anderen Koalition zuletzt gut regiert wurde, dessen Bürger dies offensichtlich aber nicht zu schätzen wussten. Wir Hessen sollten nicht in dieselbe destruktive Haltung verfallen. Bei aller Kritik im Detail (Straßenausbaubeiträge, Windkraft, Bevorzugung der Metropolregionen, lasche Lebensmittelkontrollen etc.) wird unser Land nicht schlecht regiert. Stabile politische Verhältnisse sind immer noch der beste Schutz gegen eine Erosion der politischen Mitte hin zu den radikalen Rändern und schaffen die Rahmenbedingungen für wirtschaftliche Prosperität.

    1. Vielleicht liegt es ja am Motiv? Leichte Unschärfen passen aber zum momentanen Bild der Partei in allen ihren Gliederungen. Man wähnt sich in der Mitte, doch der Fotograf verwackelt oder die Automatik stellt nicht scharf.

  2. Der Zustand der CDU scheint ebenso desolat zu sein, wie der der hier abgebildeten Personen. Darüber schwadronieren dass sich die Zusammenarbeit mit Extremisten verbietet, aber gleichzeitig genau das tun. Die Landwirte an den Rand des Ruins treiben und sich zugleich selbst dafür loben, dass man der einzige Ansprechpartner sei. Das Ganze ist an Heuchelei kaum zu überbieten. Arme CDU, arme peinliche Lokalpolitiker. Ihr habt den Schlag noch nicht gehört.

    1. „Ihr habt den Schlag noch nicht gehört.“
      Und den Schuss auch nicht. Schlag nach unter „Schießbudenfigur“. Und so drängen Sie sich weiter in die „Mitte“ wie einst auch die Sozen. Nur löst sich derzeit keine Wählergruppierung so rasch auf wie eben der Mittelstand. Die Wahlergebnisse spiegeln das wider!

      1. „Das[s] in diesem Jahr kein prominenter Redner als Gast vor Ort war, tat der Veranstaltung keinen Abbruch, heißt es in der Pressemitteilung der CDU Alsfeld.“

        Die Partei-Prominenz redet auch nicht anders daher als die örtlichen Parteifürsten. Und unter Gleichgesinnten ist es stets gemütlich. Deshalb sind die Volksparteien auf der örtlichen Ebene noch lange nicht so abgeschlagen, wie bundes- und landesweite Umfragen das suggerieren. Nur wird in der Region eben kaum was entschieden und innovative Impulse gehen von dort eher selten aus. Man muss solche Veranstaltungen von daher als eine Art politische Brauchtumspflege oder Parteimitglieder-Betreuung sehen. Ist vielleicht nach innen nicht unwichtig, vermittelt den Menschen aber m.E. auch eine falsche Sicherheit und Zuversicht. Mir wird immer klarer, dass CDU/CSU und SPD kein überzeugendes Programm mehr anbieten, hinter dem ihr traditionelles Wählerklientel sich versammelt. Tradition ist schön. Hering in Meerrettichsoße schmeckt gut. Aber zur politischen Meinungs- und Willensbildung reicht das nicht mehr aus.

  3. Eine Frage: Was sind denn „Partikularinteressen“(Aussage von Herrn Paule) im Zusammenhang mit der Partei „die Grünen“? Es wäre angebracht, wenn in der Berichterstattung solche Begriffe zum besseren Verständnis kurz erklärt würden, ohne dass man als Leser extra recherchieren muss!

    1. Sie sind eine politisch interessierte Leserin und kennen den Begriff „Partikularinteressen“ nicht? Wo lesen Sie denn über die Politik? Vielleicht im Politik-Teil der Bildzeitung?

      Sorry, aber Oberhessen-Live muss gewiss nicht landläufig gebräuchliche Begriffe erläutern. Und wenn Sie diese nicht kennen ist es verdammt nochmal nicht zu viel verlang, dass Sie sich einmal bei Dr. Google aufschlauen.

  4. Die CDU hat sich zwar immer, als Volkspartei gesehen aber genauso wie die SPD ist Ihnen das VOLK abhandengekommen.

    Mit extremen Parteien gibt es keine Zusammenarbeit, ok bei der AFD kann ich das verstehen. Die LINKE hat sich 30 Jahre nach der Wiedervereinigung verändert, etliche ehemalige EXTREME sind heute nicht mehr in führenden Funktionen. Keine 10% der heutigen Mitglieder haben noch einen DDR-Hintergrund.

    Wie war es eigentlich in 1949? Konrad Adenauer hat doch Unmengen ehemalige NS Schergen in seiner Regierung beherbergt. Ich erinnere an die Organisation Gehlen (ehemaliger Wehrmachtsgeneral) oder den Kanzleramtschef Hans Globke der sogar an den Nürnberger Rassengesetze mitgearbeitet haben soll.

    Die CDU will durch solche Parolen ihre extrem konservativen alt CDU´ler halten, wie bei den Linken werden die bald keine Stimme mehr haben.

    Lieber Michael Ruhl, ich bin enttäuscht über diesen Inhaltlosen Beitrag! Du gehörst einer Generation an, die A. nicht mehr hörig hinter Ihren Parteivorsitzenden herlaufen sollte und B. als von den Bürgern Hessens gewählter Landtagsabgeordneter nur deinen Wählern verpflichtet bist und nicht jemandem, der von ein paar Delegierten gewählt wurde.
    Jahrzehnte haben die Bauern euch emporgehoben, getan habt ihr aber nichts!
    Die CDU ist nur noch ASP für die Bauern, weil Ihnen die Alternativen fehlen. Vor wessen Tür demonstrieren die Bauern denn gerade?

    Dieser Bericht hätte auch eine Presseerklärung der Parteizentrale sein können.

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