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Kolumne von Ralf Scheuer, Aurum Vermögensmanagement GmbHZwischen Zinssorgen, KI-Boom und hoher Staatsverschuldung

ALSFELD (ol). Die internationalen Finanzmärkte werden derzeit von hohen Zinsen, dem KI-Boom, steigenden Ölpreisen und der hohen US-Staatsverschuldung geprägt. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie stark die US-Konjunktur inzwischen von Aktienkursen und Investitionen in künstliche Intelligenz abhängig ist. Sinkende Inflationsraten könnten wiederum Perspektiven für US-Staatsanleihen eröffnen. Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch die Lage am Roten Meer und mögliche Auswirkungen auf den Ölpreis.

Die internationalen Finanzmärkte werden derzeit von mehreren Entwicklungen gleichzeitig geprägt. Dazu gehören die jüngste Zinserhöhung in den USA, die hohe Bedeutung des KI-Booms für die US-Wirtschaft sowie die Spannungen am Roten Meer. Hinzu kommen hohe Ölpreise und die wachsende Verschuldung der Vereinigten Staaten.

Die US-Geldpolitik steht erneut im Mittelpunkt

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 4 Prozent angehoben. Die Entscheidung kam trotz eines zuletzt schwachen Wirtschaftswachstums von 1,5 Prozent und bereits hoher Ölpreise. An den langfristigen Zinsen zeigte sich zunächst kaum eine Reaktion. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen blieb bei knapp fünf Prozent. Da die Zinserhöhung bereits erwartet worden war, war sie bereits weitgehend in den Kursen berücksichtigt.

Weitere Zinsschritte sind nicht ausgeschlossen

Trotz der bereits erfolgten Erhöhung rechnen zahlreiche Marktteilnehmer mit weiteren Schritten. Bemerkenswert ist dies vor allem vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Entwicklung.  Ein erheblicher Teil des US-Wachstums ist inzwischen auf Investitionen im Bereich künstliche Intelligenz zurückzuführen. Gleichzeitig handelt es sich bei diesem Bereich um ein stark zyklisches Geschäftsfeld, in dem auch deutliche Rückschläge mit entsprechenden Auswirkungen auf die gesamte US-Konjunktur möglich sind.

Wie abhängig ist die US-Konjunktur vom Aktienmarkt?

Der starke Anstieg der Aktienkurse hat das Vermögen amerikanischer Haushalte deutlich erhöht und damit den Konsum bei sinkender Sparquote unterstützt. Ein kräftiger Rückgang an den Aktienmärkten könnte daher über den Vermögenseffekt unmittelbar auf die Konsumbereitschaft durchschlagen. Die Börse wäre dann nicht lediglich ein Spiegelbild der wirtschaftlichen Entwicklung, sondern könnte selbst zu einem Auslöser einer Konjunkturabschwächung werden.

Hinzu kommt, dass Anleger in den USA und international vergleichsweise stark in Aktien investiert sind. Anleihen und Geldmarktanlagen spielen dagegen eine geringere Rolle. Steigende Renditen könnten deshalb eine Umschichtung zugunsten festverzinslicher Anlagen attraktiver machen.

Anleihen werden wieder interessanter

Besonders deutlich zeigt sich die Veränderung bei langfristigen US-Staatsanleihen. Deren reale Rendite, also der Ertrag nach Berücksichtigung der Inflation, liegt inzwischen bei etwa drei Prozent.

Normalerweise gibt es in gleicher Größenordnung einen Zusammenhang zwischen dem realen Wirtschaftswachstum auf der einen Seite und dem Realzinsniveau auf der anderen Seite. Vor diesem Hintergrund erscheinen die derzeitigen Zinsen angesichts des schwachen US-Wachstums relativ hoch.

Die entscheidende Frage lautet daher, ob die derzeit erwartete weitere Inflation tatsächlich eintreten wird.

Öl ist der zentrale Inflationstreiber

Anders als während der Inflationsphase vor einigen Jahren ist der Ölpreis dieses Mal der mit Abstand dominierende Preistreiber. Von den beiden anderen wichtigen Faktoren – Immobilien und Löhnen – ist derzeit weniger ein zusätzlicher Inflationsdruck zu erwarten.

Am US-Immobilienmarkt ist die Zahl der nicht verkauften Häuser zuletzt deutlich gestiegen und das Angebot an Immobilien übersteigt die Nachfrage derzeit ungefähr um das Doppelte. Eine solche Entwicklung kann als Hinweis auf eine mögliche wirtschaftliche Abkühlung beziehungsweise eine eher deflationäre Entwicklung interpretiert werden.

Auch vom Arbeitsmarkt kommen derzeit keine Signale für einen starken, breit angelegten Lohndruck. Die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze bleibt vergleichsweise gering.

Sollten gleichzeitig die Aktienmärkte nachgeben, könnte dies die Inflation zusätzlich bremsen. Damit besteht die Möglichkeit, dass der erwartete weitere Anstieg der US-Inflation ausbleibt.

Gute Aussichten für US-Staatsanleihen?

Sollten die Inflationsraten tatsächlich zurückgehen, könnten auch die Zinsen wieder sinken. Das würde im Gegenzug die Anleihenkurse stützen und Anlagechancen eröffnen.

Rotes Meer erhöht das Ölpreisrisiko

Neben den Zinsen und der US-Konjunktur stellt die Lage im Nahen Osten einen weiteren Unsicherheitsfaktor dar. Die Huthi haben Bab al-Mandab (die Meerenge verbindet das Rote Meer mit dem Golf von Aden) sowie weitere Teile der Küste des Roten Meeres erobert. Dies bedroht die Schifffahrt zwischen Europa und Asien massiv, so dass viele Reedereien diese Region meiden und auf den langen Umweg um das Kap der Guten Hoffnung ausweichen. Eine weitere Behinderung des Schiffsverkehrs auf dieser wichtigen Route könnte den Ölpreis weiter nach oben treiben, erhebliche wirtschaftliche Folgen haben und die Inflation erhöhen.

Die USA stehen vor einem Schuldenproblem

Ein weiteres langfristiges Thema ist die Entwicklung der amerikanischen Staatsverschuldung. Sie liegt inzwischen bei mehr als 40 Billionen Dollar. Gleichzeitig belaufen sich die Zinszahlungen des US-Staates auf ungefähr eine Billion Dollar pro Jahr, während die jährlichen Staatseinnahmen bei rund fünf Billionen Dollar liegen. Damit entfällt bereits etwa ein Fünftel der Einnahmen auf den Schuldendienst.
Dieser Anteil wird voraussichtlich weiterwachsen, wenn die Zinsen hoch bleiben und zu höheren Zinsen refinanziert werden muss.  Gleichzeitig steigen die Ausgaben für soziale Leistungen und Verteidigung und die Verschuldung nimmt zu. Die US-Regierung hat somit ein Interesse an tendenziell niedrigen Zinsen. Inwiefern sie die Politik der US-Zentralbank in dieser Hinsicht zu beeinflussen vermag, bleibt abzuwarten.

Ein Markt mit unterschiedlichen Signalen

Die aktuellen Entwicklungen ergeben damit ein uneinheitliches Bild. Technologieaktien, insbesondere Halbleiterwerte, zeigen weiterhin Stärke, während kleinere US-Unternehmen schwächer tendieren. Gleichzeitig wachsen gegenwärtig die Risiken für die Konjunktur durch hohe Zinsen, einen hohen Ölpreis, die starke Abhängigkeit der US-Wirtschaft vom KI- und Aktienboom sowie die zunehmende Staatsverschuldung. Für die Anleihemärkte könnte gerade diese Kombination derzeit neue Perspektiven eröffnen.

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