
Kolumne von Ines Caspar, Aurum Vermögensmanagement GmbHAn den Finanzmärkten bleibt es unruhig
ALSFELD (ol). Die Finanzmärkte bleiben angesichts geopolitischer Konflikte, steigender Staatsverschuldung und wirtschaftlicher Unsicherheiten unter Druck. Der Ölpreis, die Entwicklung von Technologieaktien, die Rentenmärkte sowie der Goldpreis stehen im Fokus. Die weltweiten Krisen wirken sich weiterhin auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen aus. Anleger sollten die Entwicklungen an den internationalen Märkten aufmerksam verfolgen.
Dafür zeichnen sich die unsichere geopolitische Lage und die Verwerfungen an den bedeutenden westlichen Rentenmärkten verantwortlich. Weiterhin dreht sich alles um die verbalen Eskalationen von D. Trump. Mal fordert er die maximale Eskalation, mal hat er einen „großen Deal“ ausgehandelt. Zur Beruhigung trägt dieses Hin und Her nicht bei. Das Muster ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Im Ukrainekrieg setzt sich die Eskalation fort. Sowohl im Irankrieg als auch im Ukrainekrieg wird immer mehr Energieinfrastruktur zerstört. Das Problem der Versorgung der Welt weitet sich von Öl in Richtung Engpässen bei Destillaten aus. Die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine drohen zu verschmelzen und gefährden die globale Rohstoffversorgung massiv.
Was macht der Ölpreis?
Seitens des Terminmarktes besteht genügend Potenzial für einen weiteren Anstieg des Rohölpreises. Sollte sich der Konflikt im Mittleren Osten verschärfen und über die kommenden Wochen und Monate anhalten, dürfte der Preis weiter deutlich steigen und die bisherigen Jahreshochs überwinden. Während der Tankerverkehr durch die Straße von Hormus wieder auf null gefallen ist, führen die mit dem Iran verbündeten Huthi gezielte Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Bab al-Mandab durch. Dadurch ist der tägliche Tankerverkehr auf nur noch sieben bis zwölf Schiffe zurückgegangen. Viele Reedereien meiden die Route inzwischen und weichen über das Kap der Guten Hoffnung aus, wodurch Frachtraten und Versicherungskosten steigen. Damit ist die zweite Front des Irans im Roten Meer ein weiterer Risikofaktor für den Ölpreis.
Unterdessen befindet sich die Strategische Erdölreserve der USA mittlerweile auf dem niedrigsten Stand seit 1983, nachdem man seit Mai 100 Millionen Barrel entzog. Eine Zeit lang konnte dies einen stärkeren Anstieg des Rohölpreises verhindern, doch ist man mittlerweile an einem Punkt, an dem es physisch schwierig wird, weiteres Öl zu entnehmen, womit dieses Angebot zu versiegen droht.
Ein versiegendes Angebot aus strategischen Ölreserven, die Angebotsverknappung durch die Straße von Hormus sowie Bab al-Mandab, sowie ein gleichzeitig überverkaufter Terminmarkt bilden zunehmend einen perfekten Sturm für den Rohölpreis, je länger der Krieg im Mittleren Osten andauert. Wer noch Platz im Öltank hat, sollte ggf. vor dem Winter nochmal auffüllen.
Ist der KI-Boom vorbei?
Bei Technologieaktien wechselt die Börsenstimmung aktuell zwischen Angst und Euphorie. Bei der Einordnung tun sich selbst Profis schwer. Erst gab es vergangene Woche einen beispiellosen Kursverfall von Chipaktien in den USA und in Asien. Dann folgte eine derart extreme Rally, dass es für Anleger schwierig zu durchschauen ist, ob das der Beginn einer neuen Erholung ist oder nur eine Eintagsfliege.
Auslöser des Chaos an der Börse ist die Unsicherheit, wie nachhaltig der Boom Künstlicher Intelligenz (KI) ist. Ob die Bedenken berechtigt sind, hängt an der Antwort auf eine Frage, sagt Anlagestratege Ulrich Stephan von der Deutschen Bank: „Wird es am Ende ausreichend Endverbraucher geben?“ Nun sorgt das Wachstum in den Cloud-Sparten, das die Hyperscaler Amazon und Microsoft jüngst verkündeten, für Erleichterung. Microsoft erhöhte seine Erlöse in diesem Bereich im zweiten Quartal um 43 Prozent, Amazon um 37 Prozent.
Situation an Rentenmärkten spitzt sich zu. Wann werden die Staats-Schulden zu hoch?
An den Rentenmärkten kam es in der letzten Woche erneut zu Renditeanstiegen. Die Renditen bewegen sich im historischen Kontext zumeist auf dem Höchstniveaus seit vielen Jahren.
Das Risiko systemischer Krisen bezüglich Schuldentragfähigkeit bekommt zunehmend mehr Bedeutung. Eine weitere Forcierung geopolitischer Krisen führt zu immer stärker Konsum geprägten Staatshaushalten. Die Zinslast der Staatsschulden wächst und wächst.
Die globale Verschuldung liegt auf Rekordniveau und es ist derzeit nicht abzusehen, dass sich die Schuldendynamik in naher Zukunft umkehrt. Doch wann werden Staatsschulden gefährlich? Entscheidend sind nicht allein die Höhe der Schulden und die Schuldenquote, sondern auch Zinslast, Wirtschaftsleistung und Vertrauen. Eine feste Schuldenquote, ab der Staaten automatisch zahlungsunfähig werden, gibt es nicht. Entscheidend für die Schuldentragfähigkeit sind unter anderem Wirtschaftskraft, Zinslast, Währung und institutionelle Stabilität. Selbst sehr hohe Staatsschulden können über lange Zeit tragfähig bleiben – sie begrenzen aber zunehmend den politischen Handlungsspielraum. Schulden für Investitionen sind anders zu bewerten als Schulden, die dauerhaft konsumtive Ausgaben finanzieren.
Starker Euro belastet die Exportwirtschaft.
Der starke Euro belastet die europäische Exportwirtschaft und insbesondere den deutschen Markt enorm. Die USA bleiben der Wachstumsmotor, während Deutschland ökonomisch weiter den Anschluss verliert. Für Europa ergeben sich aus der Stärke des Euro – auch gegenüber dem US-Dollar – gravierende Nachteile im internationalen Wettbewerb. Seit Januar des vergangenen Jahres wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar um rund 13 Prozent auf. Auch gegenüber dem japanischen Yen haben sich die Rahmenbedingungen für europäische Exportunternehmen spürbar verschlechtert. Europa trägt eine enorme Währungsbürde, obwohl die Eurozone wirtschaftlich hinter anderen Regionen zurückbleibt.
Was macht der Goldpreis?
Nach der Korrektur der vergangenen Monate hat sich das Sentiment bei Gold und Goldminen deutlich eingetrübt. Historisch war ein derart negatives Stimmungsbild häufig ein Hinweis auf wieder bessere Aussichten. Hinzu kommt, dass Notenbanken ihre Goldbestände perspektivisch weiter aufstocken wollen. Aus technischer Sicht ist entscheidend, dass die psychologisch wichtige Marke von
4.000 Dollar/Unze hält. Bei einem unterschreiten dieser Marke wären Rückschläge von 500 bis 600 Euro möglich. Solange aber der Aufwärtstrend intakt und über 4.000 Dollar bleibt, ist das kurzfristige charttechnische Bild aktuell noch bullisch.
Fazit für Anleger
Die aktuelle Gemengelage erfordert von Investoren ein hohes Maß an Wachsamkeit. Die reine Betrachtung isolierter Wirtschaftsdaten reicht derzeit nicht aus, um die Dynamik an der Börse zu verstehen. Die Geopolitik bleibt das alles bestimmende Zentrum, das sowohl die Realwirtschaft als auch die Finanzmärkte in Atem hält. Behalten Sie insbesondere die Entwicklungen an den globalen Renten- und Zinsmärkten im Blick, da sich hier signifikante systemische Risiken aufbauen.
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