Gesellschaft0

Zwischen Kanzel und Kleinkunstbühne: Henner Eurich begeistert mit „TrittbrettPfarrer“Volles Haus, trockenes Becken, nasser Humor

ALSFELD (ol). Der Förderverein Badefreu(n)de begrüßte Henner Eurich mit seinem Programm „TrittbrettPfarrer“ im trockengelegten Hallenbad des Alsfelder Erlenbads. Der Pfarrer, Musiker und Kabarettist verband Sprache, Musik und Humor zu einem abwechslungsreichen Programm.

Der Förderverein Badefreunde hat mit seiner Reihe „BäderKultur“ erneut bewiesen, dass ungewöhnliche Spielorte gewöhnliche Abende zuverlässig verhindern. Diesmal gastierte die Kultur im sommerlich trockengelegten Hallenbad – nicht als Kulisse, die sich in den Vordergrund drängt, sondern als stiller Rahmen für einen Abend, der vor allem von einem lebte: Sprache, Musik und präzisem Witz, so heißt es in der Pressemitteilung der Badefreunde.

Schon die Begrüßung durch Bäder-Geschäftsführer Ralf Kaufmann setzte den Ton. Unprätentiös, herzlich und mit einem feinen Gespür dafür, dass hier kein klassischer Kulturabend im gewohnten Sinne bevorstand, sondern eine Veranstaltung, die bewusst zwischen Kleinkunst, Kirche und Kabarett pendelt.

Im Mittelpunkt des Abends: Henner Eurich. Pfarrer, Musiker, Kabarettist – und jemand, der diese Rollen nicht trennt, sondern ineinander überführt. Sein Programm „TrittbrettPfarrer“ entfaltet sich als sprachlich virtuos gebautes Panorama über Kirche und Gesellschaft, über Gegenwartsthemen und alltägliche Absurditäten, die erst durch seine Perspektive ihre komische Schärfe entfalten.

Eurichs Stärke liegt in der präzisen Beobachtung und der Lust am sprachlichen Spiel. Verwaltungsdeutsch wird bei ihm zur Bühnenfigur, theologische Begrifflichkeit zum Material für Pointen, die zugleich leichtfüßig und treffsicher sind. Aus Fachsprache entstehen Verschiebungen, aus feststehenden Redewendungen neue Bedeutungen – stets mit dem Gefühl, dass hinter der Komik eine ernsthafte Wahrnehmung von Welt steht.
Dabei streift er große Themen unserer Zeit: Klimawandel, Künstliche Intelligenz, gesellschaftliche Sprachentwicklungen, Fragen von Identität und kirchlicher Relevanz. Eurich behandelt sie nicht als Schlagworte, sondern als Stoff, an dem sich Sprache und Denken gleichermaßen prüfen lassen. Dass er dabei nie ins Belehrende kippt, gehört zu den Qualitäten dieses Abends.

Foto: Eurich

Zwischen den gesprochenen Passagen steht die Musik als zweite Erzählebene. Eigene Lieder, Gospel-Anklänge, rockige Elemente und fein dosierte Mundart-Passagen aus dem Vogelsberg verbinden sich zu einem Programm, das bewusst zwischen den Genres wechselt, ohne an Klarheit zu verlieren.

Auch die kirchliche Perspektive bleibt präsent, allerdings ohne Schwere. Eurich erzählt von der veränderten Rolle des Pfarrers bei Hochzeiten, von Ritualen, die zwischen Tradition und Eventlogik neu verhandelt werden, und von einer Kirche, die sich in einer pluralen Gesellschaft immer wieder selbst erklärt. Seine Beobachtungen sind dabei nie bitter, sondern von einer grundsympathischen Ironie getragen.

So entsteht ein Programm, das sich keiner einfachen Kategorie fügt. Kein reines Kabarett, keine klassische Predigt, kein Liederabend – sondern eine Mischung, die genau aus dieser Unschärfe ihre Stärke gewinnt.

Am Ende bleibt ein Abend, der nicht laut beeindrucken will, sondern nachhaltig wirkt: durch präzise Sprache, musikalische Vielstimmigkeit und einen Humor, der klug genug ist, um sich selbst nicht zu wichtig zu nehmen.

Schreibe einen Kommentar

Bitte logge Dich ein, um als registrierter Leser zu kommentieren.

Einloggen Anonym kommentieren