
Die Frühjahrsausstellung des Alsfelder Kunstvereins e.V. bis 3. Mai in der Museumsscheune – Ehrennadel für Petra BastianSpiegelbild als Motiv, als Leinwand und als Objekt
ALSFELD (ol). Die Frühjahrsausstellung des Alsfelder Kunstvereins steht in diesem Jahr unter dem Motto „Spiegelungen“ und ist noch bis zum 3. Mai in der Museumsscheune zu sehen. Zahlreiche Gäste besuchten die Vernissage und erlebten eine vielfältige künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema. Ein besonderer Moment war die Ehrung der Vorsitzenden Petra Bastian durch Bürgermeister Stephan Paule.
Sie glänzte tatsächlich ein wenig mehr als sonst, die Alsfelder Museumsscheune. Der Grund dafür lag auf der Hand oder hing besser gesagt an den Wänden: „Spiegelungen“ gibt es dort zu sehen – das Motto der diesjährigen Frühjahrsausstellung des Alsfelder Kunstvereins, das die Künstlerinnen und Künstler kreativ und äußerst fantasievoll umgesetzt haben, wie es in der Pressemitteilung des Kunstvereins heißt.
Viele Gäste wohnten der Vernissage am vergangenen Sonntag bei; begrüßt wurden sie zunächst von Jochen Weppler. Der Vorsitzende des Alsfelder Geschichts- und Museumsvereins freute sich in seiner Funktion als Hausherr der Scheune, die Werke des Kunstvereins zu präsentieren. Auch Bürgermeister Stephan Paule ließ es sich nicht nehmen, die Künstlerinnen und Künstler sowie die Gäste zu begrüßen. Der Kunstverein habe es schon immer verstanden, Kunst aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und sei stets aktuell. Ihn als Rathauschef erfülle es mit Stolz und Freude, die Werke zu sehen. Paule lobte den Mut der Kreativen, sich mit ihren Werken zu zeigen und sich damit auch der öffentlichen Meinung auszusetzen. Er dankte dem Verein dafür, den Künstlerinnen und Künstlern diese Sichtbarkeit zu ermöglichen.
Paule nutzte die Vernissage auch, um das Wort direkt an Petra Bastian zu wenden. Sie hat vor zehn Jahren den Vereinsvorsitz von dem heutigen Ehrenvorsitzenden Erich Späth – der im Übrigen auch anwesend war – übernommen. Für ihren seither sehr zuverlässigen und engagierten Einsatz für die Kultur der Stadt überreichte der Bürgermeister ihr die bronzene Anstecknadel der Stadt Alsfeld, verbunden mit einer Urkunde und einem Geschenk.
Die Geehrte zeigte sich davon sehr überrascht und erfreut und gab die Anerkennung direkt an den Verein weiter: Ohne die Mitwirkung vieler Beteiligter könne dieses Engagement nicht funktionieren. Sodann stieg sie in eine Einführung der Ausstellung ein: Spiegelungen, sei es im Glas, im Wasser oder in den Augen des Gegenübers, seien allen Menschen vertraut, so Bastian: „Vor der Erfindung der Fotografie bot allein ein Spiegel die Möglichkeit, sich selbst anzuschauen“, sagte sie. Gleichwohl seien Spiegel lange Zeit nur den Reichen vorbehalten gewesen. Mit der Zeit hätten Spiegel jedoch mehr und mehr an Bedeutung gewonnen – auch in der Kunst: für das Malen von Selbstporträts, als Erweiterung des Raums, zur Verfremdung oder zum Herbeiführen optischer Täuschungen.
Viele der in Petra Bastians Laudatio genannten Möglichkeiten, Spiegel in der Kunst einzusetzen, kommen in der Ausstellung zur Geltung. Die vierunddreißig Werke der vierzehn ausstellenden Künstlerinnen und Künstler zeigen eine große Variation des Themas: Spiegelungen auf Wasseroberflächen, die Licht, Himmel und Wolken reflektieren – die „Erfassung der Natur mit künstlerischer Reflexion“, wie Bastian sagte. Wasser schafft ein flüchtiges Spiegelbild, das sich durch Lichtverhältnisse, Wetter und Tageszeit wandelt. Doch auch in der Begegnung mit anderen Menschen (und Tieren) könne man sich spiegeln, so die Laudatorin: „Wie sehe ich mich, wie nehmen mich andere wahr?“ Auch diesen Fragen gingen die Künstlerinnen und Künstler nach.
Bastian verwies in ihrer Einführung auch auf die Werke von Renate Knechten, die als Gast teilnahm: Sie greift das Thema Spiegelungen fotografisch auf und verfremdet es bewusst.
In der Ausstellung selbst sind viele weitere Spiegelungen zu sehen: Menschen spiegeln sich im Tafelsilber, im klassischen Spiegel oder im Gesicht ihres Gegenübers. Einigen Künstlerinnen und Künstlern dienen Spiegel als Leinwand, andere nutzen Blattgold, um einen reflektierenden Effekt zu erzielen. Hochinteressant sind die Spiegelungen an Häuserfassaden, die unendlich erscheinen und Realität und Täuschung verwischen lassen. Auch die Spiegelungen in der Natur lösen Horizonte auf, ziehen den Himmel in das Wasser und spielen mit der Wahrnehmung der Betrachtenden. Gegenständlich bis abstrakt gestalten die Künstlerinnen und Künstler ihre Interpretationen von Spiegelungen; sehr inspirierend sind auch die Arbeiten, in denen die Zeit die Vergänglichkeit spiegelt. Eine Installation bietet den Gästen eine „Reflektion im Auge des Betrachters“.
Die diesjährige Ausstellung des Kunstvereins bietet zahlreiche Techniken, kreative Ideen und Impulse zum Nachdenken über das, was Spiegel sind und was sie vermitteln können – eine Schau, die viele Menschen ansprechen kann.
Die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler sind Maja Glasow-Weber, Tanja Gremmel, Tobias Gremmel, Frieda Junghans, Renate Knechten, Karin König, Marcus König, Barbara Korczynska, Matthias Nicolai, Kae Schuch, Jasmin Theiß, Victoria Wittek, Andrea Zimmermann und Inge Zuschlag.
Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 3. Mai, dienstags bis sonntags von 11 bis 16 Uhr. Die Finissage ist am Sonntag, den 3. Mai, um 15 Uhr geplant.
Fotos: T. Gremmel
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