
45 Naturfreunde erkunden Lebensraum des Bibers und diskutieren Chancen und HerausforderungenBiberexkursion in Berfa stößt auf großes Interesse
BERFA (ol). Eine Biberexkursion in Berfa hat zahlreiche Interessierte angelockt. Im Mittelpunkt standen die Lebensweise des Bibers sowie seine Auswirkungen auf Natur und Nutzung. Experten vermittelten Wissen und zeigten Spuren des Tieres vor Ort. Neben Begeisterung wurden auch Herausforderungen thematisiert.
Eine Biberexkursion im „Biber-Wasser-Dorf“ Berfa hat 45 Naturfreunde angezogen und die Faszination sowie die Herausforderungen rund um den Biber aufgezeigt, berichtet der Naturschutzverband „Schöner Ausblick“ in einer Pressemitteilung.
Der Verband organisierte am Samstag eine Veranstaltung, die die Lebensweise des Bibers in den Mittelpunkt stellte. „Wie bei allen Naturschutzinitiativen ist eine objektive Diskussion von Vor- und Nachteilen essenziell. Diese beginnt damit, die Auswirkungen und das Verhalten des Bibers zunächst zu verstehen“, erklärte die erste Vorsitzende Dr. Sachiko Scheuing.

Foto: privat
Eine besondere Rolle spielte auch der Ort selbst. Laut Ortsvorsteher Heinz Stumpf hieß die Siedlung früher vermutlich „Biberaffa“. „Affa“ bedeute Wasser, woraus sich im Laufe der Zeit der Name „Berfa“ entwickelt habe. Hinweise auf die Verbindung des Dorfes mit dem Tier seien mehrfach zu finden, etwa im „Biberbrunnen“ oder in der Kindergartengruppe „Biberbau“.
Der Biberexperte Thomas Steinke, Vorstandsmitglied des NABU-Kreisverbands Vogelsberg und Mitglied der Arbeitsgruppe Biber, begeisterte die Teilnehmenden mit einem Vortrag sowie mit Anschauungsmaterialien wie einem Biberpräparat, einem Biberfell und einem Schädel. Im Anschluss führte ein Spaziergang entlang der Berf zu aktuellen Spuren des Tieres.
Neben den historischen Veränderungen der Lebensräume erläuterte Steinke unterschiedliche Perspektiven der Wiederansiedlung. Dabei ging er sowohl auf Herausforderungen durch die Bautätigkeit des Bibers, etwa für Forst- und Landwirtschaft, als auch auf dessen Nutzen ein. Der Biber verbessere Lebensräume, fördere die Artenvielfalt und trage zur Renaturierung von Gewässern bei. Zudem könne er zum Hochwasserschutz und zur Anreicherung des Grundwassers beitragen. Auch rechtliche Aspekte wurden angesprochen: Der Biber unterliegt – ähnlich wie Schwarzstorch und Haselmaus – besonderen Schutzbestimmungen. In Hessen wurden kürzlich mögliche Ausgleichszahlungen für entstandene land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Schäden von bis zu 25.000 Euro beschlossen.
„Mit wachsenden Biberbeständen verlieren Landwirte zunehmend Nutzflächen, ein wirtschaftliches Problem. Wir brauchen pragmatische Lösungen. Eine konstruktive Auseinandersetzung ist dabei von entscheidender Bedeutung, um gemeinsame Nenner zu finden“, betonte die zweite Vorsitzende Dr. Silvia Kaufmann.
Beim anschließenden Rundgang konnten die Teilnehmenden Fraßspuren, sogenannte „Rutschen“, mehrere Dämme und eine Biberburg entdecken. Dabei wurden unterschiedliche Sichtweisen deutlich: Neben der Begeisterung über die Rückkehr eines über 400 Jahre lang verschwundenen Tieres und dessen „Ingenieurskunst zum Nulltarif“, wie Steinke betonte, äußerten einige Teilnehmende auch Sorgen hinsichtlich des Hochwasserschutzes, da sich die Biberaktivitäten in einem Renaturierungsgebiet befinden.
Im Anschluss an die Exkursion luden die Veranstalter zu einer Gesprächsrunde mit Salzekuchen und Getränken ein. In lockerer Atmosphäre konnten weitere Fragen geklärt und Eindrücke ausgetauscht werden. „Die hohe und aktive Beteiligung unterstreicht das wachsende Interesse der Bevölkerung an Naturschutz und nachhaltiger Koexistenz mit Wildtieren. Der Naturschutzverband ‚schöner Ausblick‘ plant bereits weitere Veranstaltungen zu Naturthemen in der Region unter dem Motto ‚Natur erfahren, Natur bewahren‘“, so Dr. Scheuing.
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