
Trommel-Sound und Gospel-SpiritSilcherchor mit den Ohm Drummern und Yup Thorn begeisterte das Publikum
HOMBERG OHM (ol). Der Silcherchor hatte sein diesjähriges Sommerkonzert unter der Leitung von Reiner Eder am 17. und 18. Juni unter das Motto „Frieden, Freiheit, Träume‘“ gestellt. Sein Publikum wurde von einer überwältigenden Gesamtdarbietung überrascht: stimmliche Klangfülle, eindringlicher Trommelsound, aufrüttelnde Gitarreneinlagen und nachdenklich vorgetragene Texte im Wechsel.
Laut einer Pressemitteilung des Silcherchors fanden die Veranstaltungen in der Katholischen Kirche in Homberg (Ohm) am Samstag und in der Evangelischen Kirche in Rauischholzhausen am Sonntag statt. Mit „rock for fun“ setzte der Chor gleich zu Beginn ein Zeichen, dass es bei diesem Konzert anders zugehen würde als gewohnt. Doch die Themen der folgenden Stücke liefen nicht auf Spaß hinaus, sondern die Tonlage und der Rhythmus sollten aufrütteln und aufhorchen lassen. „Denn Krieg in der Ukraine, Klimakrise und Konflikte, die weltweit an Brisanz zunehmen, werfen die Frage auf: Was wird aus unserem Frieden, unserer Freiheit, unseren Träumen“, heißt es.
In allen Epochen der Musikgeschichte und Chorliteratur wurden diese Themen immer wieder aufgegriffen und neu interpretiert. Und so wären es insbesondere Gospels und Spirituals gewesen, die der Sehnsucht nach Freiheit besonders stark Ausdruck verliehen hätten, so dass der Chor diese an den Anfang setzte und mit dem Ruf nach Freiheit das Konzert eröffnete.
Die „Ohm Drummers“, eine 9-köpfige Trommel-Percussion-Band unter der Leitung von Sandra Elischer erweiterte die Intensität der zunächst melancholischen Spirituals mit drei unter die Haut gehenden Rhythmen aus dem afrikanischen und brasilianischen Raum, die den Resonanzraum der Kirchen zum Beben gebracht hätten. Als der Chor „Freedom is coming“ anstimmte, mischten sich die Trommler sukzessive in das Gesangsgeschehen ein, so dass die klangliche Botschaft des Friedens angeschwollen wäre und auch das Publikum mitgerissen hätte.
In der Folge wechselten Gospels, Protestsongs, Appelle zu Frieden und Freiheit und Songs, die das Träumen zum Thema gemacht hätten. Einer der Chorsänger wandte sich an das Publikum, indem er in einem atemlosen Stakkato beide Seiten des Träumens spiegelte, die der Wünsche und Sehnsüchte und die der Enttäuschungen bis hin zum Trauma, so wie es den Flüchtenden und Kriegsbeteiligten dieser Welt oft ergeht, so hieß es.
Der anrührende schwedische „Gabriela Song“ brachte den verzweifelten Ruf von Frauen dieser Welt nach Freiheit und Befreiung von der Gewalt ihrer Männer zum Ausdruck. Vorgetragen wurde der Song von der Sopranistin Heidi Steinmann-Dörr, die mit ihrer einfühlsamen Stimme, wie schon bei früheren Auftritten, Gänsehaut-Feeling auslöste. Das Thema Freiheit, insbesondere für Frauen, wurde zum Ende hin noch einmal überaus eindringlich von der Gastrednerin Zahra F. in den Raum gestellt. „Zahra, die 2017 nach Deutschland geflohen war, berührte mit ihrer sehr persönlichen Rede die Zuhörer zutiefst. Sie war es auch, die zu manchen Liedern kurze Sinnsprüche vortrug und so die Botschaften noch einmal nachhallen ließ“, hieß es.
Nicht nur die Trommler und Ansprachen an das Publikum, auch der in Homberg sehr bekannte Gitarrist, Sänger und Songwriter Yup Thorn hätte das Konzert mit einer weiteren Facette des Engagements für Friedfertigkeit bereichert. Mit „Peace Train“ von Cat Stevens und „Nein, meine Söhne geb ich nicht“ von Reinhard Mey setzte er noch einmal andere Klang-Akzente gegen den Krieg und für den Frieden. Diese Gedankenfolge wurde durch das Lied aus dem Memelland „Zogen einst fünf junge Schwäne“ vom Chor aufgegriffen und von einer Chorsängerin sehr persönlich interpretiert, indem sie darauf hinwies, dass es so leichtfüßig klinge und doch von so traurigem Inhalt sei. 1918, im letzten Jahr des Ersten Weltkriegs fand es bereits als Anti-Kriegslied große Verbreitung. Mit Hoffmann von Fallerslebens ‚ Die Gedanken sind frei‘ und dem Satz von Moritz Hauptmann, „Verleih uns Frieden Herr“ hätte das Konzert hoffnungsvoll und andächtig geendet.
Die nachfolgende Zugabe jedoch hätte das Publikum förmlich von den Sitzen gerissen. Mit dem Song „freedom is coming“ traten alle SängerInnen und TrommlerInnen noch einmal gemeinsam auf, das Publikum stimmte mit ein und unter einem mitsingenden und klatschenden Publikum erfolgte der Abgang des Chores vor die Türen der Kirchen, wo der Gesang nicht endete und strahlende Gesichter der mitschwingenden Herauskommenden sich mit dem Chor zu einem gemeinsamen stimmungsvollen Erlebnis verbunden hätten.
„Der Erfolg des Konzerts ist nicht allein dem gut gelungenen Zusammenwirken des Chores mit den Ohmdrummern und Yup Thorn zu verdanken. Dieses Konzert wurde als Projekt geplant, um auch neue Sängerinnen und Sänger dafür zu gewinnen. Dass mehr hinzugekommen sind als erwartet, war schon eine große Überraschung und Freude. Dass jetzt so viele auch bleiben wollen, ist eine schöne Bestätigung für die Arbeit des Chores und eine Bereicherung, für die der Chor sehr dankbar ist“, hieß es in der Mitteilung des Chors.
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