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Kanzleramtsminister Dr. Helge Braun besuchte das geplante Industriegebiet „Am weißen Weg“„Eine ganz große Zukunftsbranche mit großem Wachstumspotential“

ALSFELD (akr). Es gehört derzeit zu den großen Themen der Stadtpolitik: Das geplante Industriegebiet „Am weißen Weg“. Nächstes Jahr will die Stadt mit der Erschließung und Bebauung beginnen, im Oktober soll dann auch die Entscheidung fallen, ob DHL Express, Amazon oder keiner der beiden Giganten eine Fläche bekommt, wie Bürgermeister Stephan Paule am Freitag bei einem Vor-Ort-Besuch von Kanzleramtsminister Dr. Helge Braun erklärte. Dabei blieb natürlich auch das Thema Klimaschutz nicht aus.

Die Planungen für das Industriegebiet „Am weißen Weg“, das direkt an der B62 in Richtung Eifa, knapp 300 Meter entfernt von der Autobahnanschlussstelle Alsfeld-Ost, entstehen soll, liegen schon mehr als zehn Jahre zurück. Eine Gewerbegebietsstudie sei damals zu dem Entschluss gekommen, dass sich diese Gelände am besten eigne, weil es mehrere Vorteile gegenüber anderen denkbaren Gebieten habe, erklärte Alsfelds Bürgermeister Stephan Paule dem Kanzleramtsminister und Direktkandidaten der CDU, Dr. Helge Braun. „Es ist groß und zusammenhängend, hat eine unmittelbare Anbindung zur Autobahn, sodass man nicht durch die Stadt fahren muss und auch die Umweltfaktoren sind günstiger, als an anderer Stelle“, erklärte Paule.

Dazu zähle beispielsweise die durch „Monokultur geprägte Landwirtschaft“, sprich man habe hier „keine wertvollen Biotope“ und auch die Artenschutz- und Wasserschutzrechtlichen Aspekte seien hier als am geringsten eingestuft worden. Zu Beginn von Paules Amtszeit haben dann die Vorbereitungen durch erste Gremienbeschlüsse, mit der HLG Vorvereinbarungen zu treffen und das Gelände zu entwickeln, begonnen. „Jetzt sind wir so weit, dass wir nicht nur den Aufstellungsbeschluss, sondern auch den Offenlegungsbeschluss haben, stehen also kurz vorm Baurecht und auch die verkehrliche Erschließung ist vollständig geplant“, erklärte Paule.

„Wir wollen nächstes Jahr mit der Erschließung und Bebauung beginnen“

Braun wollte wissen, wie viele Eigentümer es gab. Paule erklärte ihm, dass es mehrere Dutzend gewesen seien und die Stadt mittlerweile etwa 75 Prozent des Geländes erworben habe. „25 Prozent sind dann noch vier große landwirtschaftliche Betriebe, die sich dann individuell auch zum Teil mit den Interessenten einig geworden sind, sodass wir jetzt auch schon vor Baurechtschaffung mit dem ersten einig geworden sind – Nordwest Handel“, erklärte er.

Im Oktober wolle sich die Stadt dann entscheiden, ob DHL Express, Amazon oder keiner der beiden Interessenten noch dazu komme. „Wir wollen nächstes Jahr mit der Erschließung und Bebauung beginnen“, betonte der Rathauschef.

Bürgermeister Stephan Paule erklärte Dr. Helge Braun das Vorhaben der Stadt.

Was das Industriegebiet angeht, sei man sich in der Stadtverordnetenversammlung jahrelang einig gewesen, doch seit der A49-Geschichte habe sich die ALA „politisch gedreht“, sie sei plötzlich der Meinung gewesen, dass das gegen den Klimaschutz sei und dass es sich dabei um ein „aus der Zeit gefallenes Projekt“ handele und die Stadt kein Gewerbegebiet bräuchte – und zwar „mit unterschiedlichsten Argumenten, die egal wie unterschiedlich sie sind, alle falsch sind“, erklärte Paule seine Sicht.

Für ihn sei das geplante Industriegebiet ein wichtiger Innovations- und Wirtschaftsschub für eine Stadt im Mittelzentrum im ländlichen Raum – „und das tragen auch, abgesehen von der ALA, alle Parteien mit“, so der Bürgermeister. Die Fläche, die für Braun die „perfekte Lage“ hätte, habe aber auch topographische Hürden, erklärte Paule. „Das landschaftlich schöne ‚Rauf und Runter‘ ist natürlich für die Bauherren sehr schwierig, denn was zu niedrig ist muss aufgefüllt und was zu hoch ist muss abgetragen werden.“ Das seien auch siebenstellige Beträge, die die Investoren darein stecken müssten, um das Bauland für ihre Betrieb eben zu machen.

Gemeinsam mit der HLG, die als Treuhänder dient, müsse die Stadt für die Gesamterschließung des Gebietes einen „kleinen achtstelligen Betrag“ investieren. Die ganzen Kosten würden dann aber durch den Verkauf der Flächen wieder gedeckt werden. Bei den ganzen Erschließungsplanungen gibt es derzeit noch ein wichtiges Thema: die Anbindung des Gebietes.

Die Stadt wünscht sich nämlich einen Kreisel als Einfahrt, doch mit diesem Vorhaben hatte sie bislang noch keinen Erfolg. „Wenn es beim Ministerium Kontakte gebe, die wir nutzen könnten, wäre ich dankbar“, sagte Paule. Dr. Helge Braun verstand diesen Wink mit dem Zaunpfahl – „Ich habe schon gedacht, dass es hier mit einem Arbeitsauftrag endet“, lachte er, der nun also eine „Begeisterung für den Kreisverkehr“ beim Bund wecken soll.

Der Wunsch nach einem Kreisel auf der B62

Braun: „Das alles auf der Schiene läuft, ist sehr utopisch“

Ein wichtiges Thema, dass in letzter Zeit immer wieder für Diskussionsbedarf beim Industriegebiet „Am weißen Weg“ sorgte: der Klimaschutz. Ali Al-Dailami, der Linken-Direktkandidat für den Wahlkreis Gießen-Vogelsberg zur Bundestagswahl, machte sich kürzlich ebenfalls ein Bild von der Fläche. In ein paar Jahren würde man nicht nur auf meterhohe Hallenwände gucken, sondern auch auf eine „Dunstglocke aus Schadstoffen“, prognostizierte der Linken-Direktkandidat.

Ein Blick auf die Fläche des geplantes Industriegebiets.

Deshalb sei das geplante Industriegebiet nicht zukunftsfähig, ein Projekt aus dem letzten Jahrhundert, nannte es Matthias Riedel, Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands der Linken Hessen. Der CO2-Ausstoß im Bereich des Verkehrs liege mittlerweile bei rund 25 Prozent in Deutschland. Deshalb sei es jetzt wichtig, die Güter auf die Schiene zu bekommen. „Der Bahnverkehr nimmt immer weiter zu und natürlich müssen wir alles, was wir können, auf die Schiene bringen“, betonte Braun. Das Potential auf der Schiene sei aber auch endlich. „Der Glaube, dass der Lkw-Verkehr irgendwann weg ist und alles auf der Schiene läuft, ist sehr utopisch.“

„Alsfeld wird eingekesselt von Schmutz und Verkehr“

Das Thema Logistik sei in Deutschland ein ganz wichtiger Bereich, der auch Arbeitsplätze bringt, es sei sehr zukunftsträchtig. Er habe selbst mit einigen großen Logistikern gesprochen, die Angst vor ihrem eigenen Wachstumspotential hätten. „Es ist eine ganz große Zukunftsbranche mit großem Wachstumspotential“, so Braun. „Ich glaube die Aufgabe ist es in Zukunft nicht zu sagen, dass wir aufhören ein Industrieland zu sein, sondern wir müssen ein klimaneutrales Industrieland werden“, betonte er. Wenn Fabriken entstünden, müsse Klimaneutralität und Energiesparsamkeit von Anfang an mit bedacht werden.

9 Gedanken zu “„Eine ganz große Zukunftsbranche mit großem Wachstumspotential“

  1. Es passt einfach nicht zum Klimaschutz. Landwirtschaftliche Flächen speichern mehr CO2 in ihrem Humus als Waldboden. Wir brauchen die Dezentralität auf allen Ebenen. Logistik Zentren Bitte in die Kohlebbaugebiete. Dort ist der Boden schon kaputt. Dort auch Freifeldanlagen für Solarstrom und Pumpspeicherwerke. Die Dampfturbienen dort lassen. Der Stromüberschuss in Wärme verwandeln um wieder Strom zu erzeugen. Die Kohle wird durch Wärme ersetzt. Carnot Kraftwerke.

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  2. Früher war die Ingenieurskunst das, worauf wir stolz waren. Heute sind es Blechhallen?

    Es ist gut, wenn Menschen in Harz4 Möglichkeiten finden, aus dieser, das ganze Leben belastenden Situation, herauszukommen. Von daher verwundert die Aussage des Linken Bundestagsabgeordneten.

    Schlagwörter wie Bodenversiegelung, Klimawandel immer dann herauszuholen, wenn einem etwas nicht passt, das entwertet diese Begriffe nur und bringt gar nichts.

    Es geht doch um die Ursachen. Der Handel verlagert sich bekanntlich seit langem aus den Innenstädten hin zum Versand. Die Innenstädte sterben langsam aus.

    Sicherlich haben beide Handelswege ihre Berechtigung. Das hohe Paketaufkommen und damit viele solcher Hallen wären nicht erforderlich, wenn die Zahl der Retouren reduziert würde. Wenn es für den Verbraucher kostenlos ist, fast jede Bestellung zurücksenden, dann wird er davon auch Gebrauch machen. Was früher eine Ausnahme war, ist zur Regel geworden. Nicht selten werden 5 Paar Schuhe bestellt und 4 davon 4 zurückgeschickt.

    Würde man einen Mindestbetrag für die Rücksendung von Waren vorschreiben, dann könnte der Verbraucher die Ware, beispielsweise bei einem Irrtum, immer noch zurückgeben. Waren aber, die man anprobieren oder anfassen muss, würden in den Innenstädten gekauft. Die Folge: Weniger überflüssige Transporte, weniger CO2, weniger Bodenversiegelung, Arbeitsplätze und Leben in den Innenstädten.

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  3. Nein as, Amazon und DHL brauchen wir nicht in Alsfeld,
    und auch nicht deren Sub-Sub-Unternehmer.

    Eine intakte Natur und Umwelt, frische Luft, sauberes Trinkwasser, ungestörte Nachtruhe, das brauchen wir wirklich.

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  4. Die Totengräber Deutschlands kommen von der CDU. Ich habe selten einen Politiker erlebt der weniger wirtschaftlichen Sachverstand besitzt als Helge Braun. Herr Paule ist genauso unfähig. Was sollen diese Logistikcenter für den Ramsch aus Asien. Langfristig führt diese Entwicklung zum Ausverkauf
    Unseres Landes.

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  5. Sie haben die Situation um unsere Ressourcen wohl falsch verstanden. Helge Braun, hier entsteht kein Bratwurststand, hier wird unsere Heimat für immer verschandelt und verliert damit ihren waren Charakter. Ich sehe vor mir die nächsten Generationen, die dieses Gruppenbild anstarren werden, um darauf erkennen zu können, wie die feist lachenden Wirtschaftslobbyisten, sich engagiert dafür eingesetzt haben, die Versieglung der Böden weiter vorangetrieben zu haben. Renaturierung von Ihren argumentierten „Monokulturen“ ist jetzt noch möglich. Aber, Nein; die Herren sorgen für Versiegelung, mehr Abgase und mehr Verkehrsbelastung! Das ist die Zementierung von Klimawandel. Diese Zeiten sollten doch nun wirklich vorbei sein.

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  6. Das ist ja echt unglaublich: wir befinden uns in dem größten Artensterben seit es Menschen gibt, die klimakrise fphrt uns in sehr bedrohliche Situationen und einige fordern tatsächlich immer noch weitere Industriegbiete auszuweisen?
    Ich kann es nicht fassen!

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  7. „Eine ganz große Zukunftsbranche mit großem Wachstumspotential“

    Ich bin auch für das Gewerbegebiet, aber nicht weil ich im Transport von Wegwerfartikeln eine „Zukunftsbranche“ sehe, sondern weil es derzeit eine Notwendigkeit für die Errichtung dieser hässlichen Hallen gibt. Arbeitsplätze für die örtliche Bevölkerung schaden auch nicht. Ich glaube, der Minister, der sonst eigentlich ganz vernünftige Dinge sagt, ist vom Wahlkampf völlig überfordert.

    Wenn „Klimaneutralität und Energiesparsamkeit“ keine Lippenbekenntnisse sein sollen, dann hätte man auch konkrete Aussagen erwartet, was nun tatsächlich getan werden soll, um dieses Ziel zu erreichen.
    Dass Erarbeiten stattfinden ist nämlich nicht gerade eine spektakuläre Information und lässt vermuten, dass man zu den wichtigen Themen „Klimaneutralität und Energiesparsamkeit“ seine Hausaufgaben nicht gemacht hat.

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